Streit um Grüngut: Zwei Annahmestellen schließen

Grüngut : Wohin mit dem Grüngut?

Die Annahmestellen in Wittlich und Binsfeld schließen. Die Landwirte sagen: Der Zweckverband ART drückt den Preis.

Auf den Hänger oder in den Gartensack und weg damit: Wenn die Grüngutannahmestelle an der L 141 am Hof Breit in Wittlich geöffnet hatte, dann kamen an Spitzentagen bis zu 300 Menschen aus der Stadt Wittlich sowie den umliegenden Dörfern wie Dreis, Salmtal oder Bergweiler, um dort ihre Gartenabfälle zu entsorgen. Abgesägte Äste, Unkraut, Rasenschnitt und Laub: An der Grüngutannahmestelle von Landwirt Alfred Pickartz wurde man noch bis zum letzten Öffnungstag am 3. Dezember 2018 fast alle Gartenabfälle los. Doch damit ist jetzt Schluss. Er schließe seine Annahmestelle nun nach 25 Jahren, sagt Landwirt Alfred Pickartz (66) zum Leidwesen vieler Gartenfreunde aus Wittlich und Umgebung.

Somit verbleibt den Bürgern der 20 000-Einwohner-Stadt Wittlich nur noch eine Möglichkeit, um Gartenabfälle zu entsorgen. Damit ist nicht der heimische Wald gemeint, die Entsorgung war, ist und bleibt dort illegal, sondern die Annahmestelle im Stadtteil Bombogen. Nahe der Kernstadt ist jedoch ab sofort keine Annahmestelle mehr zu finden. Viele Wittlicher und Bewohner der umliegenden Dörfer, die seit Jahrzehnten bei Pickartz ihre Gartenabfälle entsorgt haben, sind ziemlich sauer.

Dabei hätte der 66-jährige Landwirt, wie er sagt, gerne weitergemacht, wenn er sich mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) einig geworden wäre. Der TV hat nachgefragt, wieso das nicht gelungen ist.

Maximilian Monzel, Geschäftsführer der ART, erklärt dazu: „Die Schließung der Grüngutsammelstelle in Wittlich an der L141 liegt nicht in der ART begründet. Der Betreiber hat sich trotz einer Vielzahl an Gesprächen zwischen den Vertragspartnern gegen den weiteren Betrieb der Sammelstelle entschieden.“ Landwirt Pickartz sieht das etwas anders. Seiner Meinung nach sind die Verhandlungen zur Verlängerung des Vertrags gescheitert, „weil der neue Vertrag, der mir von der ART angeboten wurde, für mich mehr Auflagen und weniger Geld bedeutet hätte.“ Doch für „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“, sagt Pickartz, habe er keine Zeit.

Die Änderungen im Detail: „Eine Platzmiete sowie eine Stundenvergütung während der Öffnungszeiten hätte ein neuer Vertrag nicht mehr vorgesehen, sie wären weggefallen“, sagt Pickartz. Zudem hätte er seinen Platz aufgrund neuer Auflagen um 20 Meter von einem Wasserlauf verschieben und mit Schotter befestigen müssen. Darüber hinaus habe die ART die Befestigung einer Fläche für die Biotonne gefordert. Pickartz: „Mit den Bagger- und Pflasterarbeiten hätte mich das
50­000 Euro gekostet.“

Aber das ihm angebotene Vertragswerk hätte seine Einnahmen noch weiter geschmälert. Laub und Rasenschnitt sowie holziges und krautiges Material dürfe künftig nicht mehr gemeinsam mit den Gartenabfällen geschreddert werden, für die er 6,50 Euro pro Kubikmeter erhalten habe. Für Laub und Rasenschnitt, da er in einem gesonderten Container gelagert werden müsse, erhalte man nur noch 2,50 Euro pro Kubikmeter, sagt Pickartz.

„Das bedeutet, weniger geschredderte Gartenabfälle für 6,50 Euro pro Kubikmeter und damit weniger Geld.“ Der Wittlicher Lohnunternehmer hat die Reißleine gezogen. Pickartz: „Über eine bessere Vergütung war mit dem Zweckverband nicht zu reden.“

Binsfeld Die gleiche Entscheidung wie Pickartz hat auch der Binsfelder Landwirt Günther Schneider getroffen. Nach nunmehr 15 Jahren hat auch er seine Grüngutannahme zum Jahreswechsel geschlossen, „weil das hinten und vorne nicht mehr mit dem Geld langen würde!“

Alternativen Was die Schließung in Wittlich betrifft, so sagt Monzel, sei man auf der Suche nach Alternativen. So habe man zwar bereits das Interesse eines Altricher Landwirtes geweckt. Altrich sei über die B 50 neu relativ  ja gut zu erreichen. Aber der Ortsgemeinderat, der auch sein Einvernehmen erteilen müsse, sei mit der Einrichtung einer Grüngutannahme in Altrich nicht einverstanden. „Dabei wollen wir gerade den Bürgermeistern der Gemeinden helfen, damit die Leute das Zeug nicht illegal in den Wäldern entsorgen. Deshalb sind wir schon auf die Kooperation der Ortsgemeinden angewiesen.“

Wie Monzel erklärt, ist die Grüngutannahme keine rechtliche Pflicht, sondern ein Serviceangebot des Zweckverbands.

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