Striche gibt es vor oder hinter der Theke

Striche gibt es vor oder hinter der Theke

Ab wann ist ein Besucher im Alten Rathaus auch ein Besucher im Georg-Meistermann-Museum? Darüber hat Wittlichs Kulturamtsleiter einem Stadtratsmitglied schriftlich Auskunft gegeben. Ergebnis: Es gab bislang mehrere Ansichten darüber, wie zu zählen ist.

Wittlich. Hans-Jörg Krames wollte es genau wissen. Der bündnisgrüne Stadtrat hat Kulturamtsleiter Justinus Calleen angeschrieben und gefragt, wie denn nun Besucher im Georg-Meistermann-Museum gezählt werden. Entweder werden die Besucher beim Betreten des Gebäudes gezählt oder erst nach dem Passieren der Kasse, lautet die Antwort Calleens. Beide Zählweisen sind laut Antwortschreiben, das auf der Homepage der Wittlicher Grünen nachzulesen ist, "aufgrund der ausgestellten Originale vor sowie nach der Kasse legitim und plausibel".

Hintergrund für den Schriftwechsel zwischen Calleen und Krames ist die Debatte um die Besucherzahlen des Meistermann-Museums. Erfasst werden bei dieser Zählung alle Besucher, die ins Alte Rathaus kommen. Nach Auskunft der Stadtverwaltung würden alle Besucher des Alten Rathauses gezählt. Der Grund spiele keine Rolle. So würden beispielsweise auch Teilnehmer an den Trauungen registriert (der TV berichtete).

Der Kulturamtsleiter teilt in dem Schreiben unter anderem mit, dass mit Stand 15. Dezember 2008 6427 Besucher gezählt wurden. An Montagen - dann hat das Museum geschlossen - wird nicht gezählt. Nicht erfasst sind laut Calleen auch Besucher, die zum Eingang Neustraße ins Alte Rathaus kommen.

Angefügt an das Schreiben des Kulturamtsleiters sind Berichte einzelner Aufsichtspersonen, die über ihre Vorgehensweise beim Zählen von Besuchern berichten. So hat Elfriede Zepp niemals Besucher gezählt, die nur Eintrittskarten oder Postkarten kauften. Dies habe auch für ihr bekannte Personen aus dem Stadtrat oder dem Verein Stadtmarketing gegolten, bei denen sie davon ausgehen konnte, dass diese nicht die Ausstellung anschauen wollten. Susanne Dietsch-Porco teilt mit, dass sie "ausschließlich Personen gezählt habe, die rechts an der Eingangstheke vorbei in das Museum gegangen sind." So verfährt auch Helga Logodka.

Stefan Endres wiederum berichtet, dass er jeden Besucher des Alten Rathauses erfasse, "da er mit Betreten des Hauses auch gleich in Kontakt mit dem Museum tritt."

Manuela Stoffel teilt schließlich mit, dass sie Besucher, die sich offensichtlich nicht für das Museum interessierten, auch nicht gezählt habe. Dies gelte auch für diejenigen, die etwas im Gebäude vergessen hatten. Gäste von Hochzeiten habe sie als Besucher notiert, wenn diese sich auch wirklich im Museum umgesehen hätten.

Meinung

Keine belastbaren Zahlen

Das Engagement von Hans-Jörg Krames ist vorbildlich. Anstatt die Besucherzahlen im Georg-Meistermann-Museum nur hinzunehmen, hat der Stadtrat nachgefragt, wie denn die Besucherzahlen zustande kommen. Das Antwortschreiben von Kulturamtsleiter Justinus Maria Calleen enthält darauf eine eher sibyllinische Antwort. Es hängt nämlich offensichtlich davon ab, wer zählt. Bei einem Zähler reicht das Betreten des Foyers, bei einer anderen Zählerei muss der Besucher am Tresen vorbeigehen. Wieder eine andere hat ihr bekannte Menschen nicht gezählt, bei denen sie davon ausging, dass die bestimmt nicht die Ausstellung besuchen wollen. Das Ergebnis eines solchen Verhaltens - jeder der Zähler hat sicher nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt - ergibt alles andere als eine belastbare Besucherzahl, sondern allenfalls einen Näherungswert. Möglicherweise werden sich Krames und seine Kollegen mit dieser Tatsache zufriedengeben. Zufriedenstellend und dem Wunsch des Stadtrats nach einer stimmigen Besucherzahl ist diese Tatsache jedoch nicht. Intendantenvertrag des Kulturamtsleiters hin oder Hanns Scherls Vergangenheit her. Diese Nebenkriegsschauplätze haben mit dem Thema Besucherzahl im Georg-Meistermann-Museum nämlich nichts zu tun. h.jansen@volksfreund.de

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