Stürmische Diskussionen in Bettenfeld

Stürmische Diskussionen in Bettenfeld

Fünf Windräder, die auf der Gemarkung Holzbeul angedacht sind, erregten in der Bürgerversammlung in Bettenfeld hitzige Diskussionen. Der Gemeinderat sprach sich anschließend grundsätzlich für Windenergie aus, und auch dafür, dass die Firma Juwi Untersuchungen anstellen darf.

Bettenfeld. Viel Interesse zeigten die Bürger an der Vorstellung des Windpark-Projekts: Die Firma Juwi möchte auf dem Waldhöhenzug Holzbeul 20 Windräder bauen, fünf davon auf Bettenfelder Gelände (der TV berichtete). Der Gemeinderat weiß seit zwei Wochen von dem Vorhaben, und die Bürger seit einigen Tagen. Viele haben aus dem TV davon erfahren.
Dennoch stand auf der Tagesordnung des Rats, der nach der Versammlung tagte, eine Beschlussfassung zum Thema Windenergie. Das war das Problem für die meisten Bettenfelder. In einer Unterschriftenaktion haben sich 140 Einwohner dafür ausgesprochen, den Beschluss für die Windräder zu verschieben. Grundsätzlich seien sie nicht gegen Windenergie, aber sie wünschten sich mehr Zeit, um sich über das Thema zu informieren und die Vor- und Nachteile, auch zum Standort, abzuwägen.
Allerdings ist der Prozess noch ganz am Anfang, es liegen noch keine genaueren Informationen oder Gutachten vor. Die werden aber erst von der Firma Juwi in Auftrag gegeben, wenn sich der Gemeinderat für den Windpark und die Firma ausspricht. Für die Gemeinde selbst ist die Beauftragung von Gutachten viel zu teuer, beispielsweise muss die Natur ein Jahr lang beobachtet, oder ein Lärmschutzgutachten erstellt werden. Zudem befürchtet der Gemeinderat, dass die Firma Juwi den Windpark auch ohne die Bettenfelder Räder baut, und die Gemeinde dann auf die Windräder blickt, also die Nachteile hat, aber keine Pachteinnahmen bekommt: 50 000 Euro pro Jahr und Windrad.
Viele der 120 Bürger zeigten sich bei der Infoveranstaltung aufgebracht über das Vorgehen von Gemeinde und Windenergiefirma. Sie fühlten sich und ihren Gemeinderat schlecht informiert und unter Druck gesetzt. Sprecher fielen sich gegenseitig ins Wort, von "einem Pakt mit dem Teufel" war die Rede, Details zu Schall und Ultraschallbelastungen wurden eingefordert, der Eingriff in das intakte Ökosystem Auf dem Holzbeul lautstark und grundsätzlich kritisiert.
Der Vertreter der Firma Juwi, Axel Straube, hatte kaum die Möglichkeit, seine vorbereiteten Informationen vorzutragen, da er oft unterbrochen wurde. Immer wieder versuchte er zu erklären, dass dies die erste Informationsveranstaltung ist, bei der ein mögliches Projekt vorgestellt wird und dass nicht morgen schon die Bagger vor der Tür stehen.
Nach längerer Diskussion stimmte der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen dafür, grundsätzlich auf gemeindeeigenen Flächen auf dem Holzbeul Windkraftanlagen zuzulassen und erlaubte der Firma Juwi dort die erforderlichen Untersuchungen. Der Rat entscheide aber erst nach Vorstellung der Ergebnisse über die weitere Verfahrensweise.Meinung

Ein Gebot der Höflichkeit
Eine Meinung muss fundiert sein. Wer sich ein Urteil über ein Projekt bilden will, muss zunächst einmal wissen, was überhaupt geplant ist. Gleich zu Beginn einer solchen Informationsveranstaltung dagegenzuhalten, ist daher nicht klug. Zudem ist eine sachliche und nicht von emotionalen Beweggründen getragene Diskussion nur möglich, wenn die Vertreter beider Meinungen zu Wort kommen - und sich ausreden lassen. Sonst trägt eine Debatte nicht nur keine Früchte - sie widerspricht auch jedem Gebot der Höflichkeit. Alles in allem ist die Kommunikation im Fall des angedachten Windparks bislang alles andere als glücklich verlaufen. Kurzzeitig anberaumte Termine geben den Bürgern verständlicherweise das Gefühl, dass sie überrannt werden. Dabei muss man daran denken: Das Projekt steht noch ganz am Anfang, Es wird einige Zeit dauern, bis die Genehmigungen vorliegen - und die können dem Investor schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Viel Zeit also, die den Akteuren verbleibt, um miteinander zu sprechen und einander zuzuhören. u.quickert@volksfreund.de Noch ist das Errichten von Windrädern in Wäldern tabu. Damit dies möglich wird, muss die Regionalvertretung der Planungsgemeinschaft Trier noch über den Vorschlag des Regionalvorstandes beschließen, der mehr Möglichkeiten für den Bau von Windkraftanlagen vorsieht - unter anderem eben auch in Waldgebieten. Die Verbandsgemeinde möchte so schnell wie möglich die Frage der Aufstellung von Windkraftanlagen im Flächennutzungsplan verbindlich regeln, damit kein Wildwuchs entsteht. Deshalb muss geklärt werden, welche Gemeinden in der VG Manderscheid Windkraft grundsätzlich möchten. chb

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