Stumm-Orgel soll wieder frisch erklingen

Stumm-Orgel soll wieder frisch erklingen

TRABEN-TRARBACH. Zur Rettung der wertvollen Stumm-Orgel in der Trarbacher Kirche (der TV berichtete) hat sich ein Förderverein gegründet. Er will alle Register ziehen, um eine Restaurierung des kostbaren Instruments zu finanzieren und seine Lebensdauer damit weit über die nächsten 100 Jahre hinaus zu sichern.

Fast 20 Bürger hatten sich zur Gründungsversammlung eingefunden und traten dem neuen Verein bei, zu dessen Erstem Vorsitzenden der ehemalige Stadtbürgermeister Klaus Weinmann gewählt wurde. Pfarrer Jörg-Walter Henrich berichtete, dass sich die Gemeindeglieder stark mit der Orgel identfizieren. Seit Jahrzehnten schon werde bei besonderen Anlässen der Kirche Geld anvertraut mit der Bitte, davon das schöne Instrument zu restaurieren. "In den Herzen der Menschen existiert ein Verein zur Rettung der Orgel schon sehr lange", sagte Henrich. Kreiskantor Jürgen Rehberg erläuterte den interessierten Zuhörern Einzelheiten zu dem in der Werkstatt von Johann Nikolaus Stumm ab 1748 erbauten Instrument mit aufwändiger Blattwerkschnitzerei aus Eichenholz, das am 21. September 1750 geweiht wurde. Über sechs Generationen baute die Familie Stumm mehr als 400 Orgeln und war die bedeutendste Orgelbauerdynastie im ganzen Hunsrück- und Eifelraum. Ansässig war sie in den Hunsrückorten Rhaunen und Sulzbach, aber ihre bedeutenden Instrumente finden sich sogar im hessischen Amorbach und Michelstadt. Seinerzeit besaß die Orgel nur 23 Register, "das war typisch für den süddeutschen Orgelbau", sagte Rehberg. 1891 und 1934 erfolgten Eingriffe in das Instrument mit seinen 2000 Pfeifen, das unter anderem mehr Register und neue Klaviaturen erhielt. "75 Prozent der Pfeifen von Stumm sind noch erhalten", teilte Rehberg mit. Die Orgel, deren Mechanik stark angeschlagen sei, verdiene es, sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzubauen. Zwei Jahre werde eine Restaurierung schätzungsweise dauern. Der Kreiskantor verwies überdies auf eine Besonderheit, die es bei keiner anderen Orgel in Deutschland gibt: Das Trarbacher Instrument ist im Gegensatz zu allen anderen Orgeln im Lande auf 412,8 Hertz und nicht auf den Kammerton a (440 Hertz) eingestimmt. Vom Stimmton und Gehäuse her handele es sich um ein ganz besonderes Instrument. Diese Ansicht teilten die Mitglieder des Fördervereins, die Jürgen Rehberg zum Zweiten Vorsitzenden wählten. Kassierer ist Hans-Werner Emert, Schriftführerin Brigitte Herder-Hein. Als Beisitzer wurden Jürgen Kullmann, Klaus Völcker und Christa Heuser gewählt. Dass die Orgel den verheerenden Stadtbrand vom 21. Juli 1857 überstanden hatte, grenzt für Hildegard Kullmann fast an ein Wunder. Die Trarbacher Kirche wurde damals schwer in Mitleidenschaft gezogen, die starke Hitze ließ sogar die Glocken schmelzen und der Turmhelm stürzte ein. Mit vereinten Kräften will sich der Verein dafür einsetzen, dass das wertvolle Instrument gerettet werden kann und er hofft, dass viele Bürger dieses Vorhaben unterstützen werden: Mit einem Jahresbeitrag von 24 Euro können sie Mitglied im Förderverein werden.