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Stumme Zeugen einer wechselvollen Geschichte

Stumme Zeugen einer wechselvollen Geschichte

Etwa 50 Menschen kamen am Sonntagnachmittag zum Marktplatz, um sich bei einer Führung von René Richtscheid vom Emil-Frank-Institut über das jüdische Leben in der Stadt Wittlich zu informieren.

Wittlich. (noj) Schon in den Anfängen der Stadt habe es Juden in Wittlich gegeben, sagte Ren´e Richtscheid vom Emil-Frank-Institut. Es sei ein Vorurteil, dass es hier ein jüdischen Ghetto gegeben habe. Die Juden hätten im Mittelalter am Marktplatz, also in der besten Lage in der Stadt, gelebt und seien zu Wohlstand gekommen. Erst die Pest in den Jahren 1348/49 habe zur ersten Verfolgung dieser Bevölkerungsgruppe geführt. Im 17. Jahrhundert wurden die Juden wieder angesiedelt.

Auf dem weiteren Weg durch die Stadt führte Richtscheid zur St.-Markus-Kirche. Hier direkt gegenüber habe zu Beginn des 19. Jahrhunderts die jüdische Schule gestanden, erklärte er. Dies sei auch ein Indiz, dass Christen und Juden damals friedlich zusammengelebt hätten. Als einen weiteren Platz, der von einem guten Miteinander von Juden und Christen zeugt, zeigte Richtscheid seinen Zuhöreren in der Himmeroder Straße neben dem heutigen Modehaus Henkel. Hier habe die erste Wittlicher Synagoge gestanden. Das Gebäude habe man damals von Christen erworben. Später sei es wieder in christliche Hand übergegangen. Bei den Juden gelte die Synagoge nicht als so heilig wie bei den Christen die Kirche. Von viel größerer Bedeutung seien die Thora und der Gottesdienst.

Schließlich kam Richtscheid auch auf die Judenverfolgung im Dritten Reich zu sprechen. Dabei zeigte er auf mehrere Gebäude auf dem Marktplatz. Unter anderem das Textilhaus Erwin Bach, in dem sich heute auch ein Textilhaus befindet. Auch die Bewohner des Eckhauses zur Himmeroder Straße blieben vor der Naziverfolgung nicht verschont.

Noch zwei weitere Häuser hob Richtscheid bei dem Rundgang hervor. Zwei Gebäude im unteren Teil der Oberstraße seien sogenannte Deportationshäuser gewesen. Hier habe man die Wittlicher Juden jahrelang eingepfercht, bis sie schließlich deportiert wurden.

Die Führung endete in der Synagoge, die in der Reichspogromnacht vollkommen zerstört und später wieder aufgebaut wurde.