"Suche Mitkäufer für Schloss"

Teneka Beckers und ihr Mann suchten einen Ort, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Sie wollten ein Zuhause und eine große Bühne für Kulturveranstaltungen unter einem Dach. Sie haben es in der Burg Dudeldorf gefunden und tauschten Berlin gegen die Eifel.

Dudeldorf. Kein düsteres Verlies, kein Rittersaal mit Kamin, keine Rüstungen in langen Fluren, keine Jagdtrophäen oder Ahnenbilder an den Wänden. Die Burg Dudeldorf unterscheidet sich im Inneren prinzipiell nicht von einer Altbauwohnung, wie sie Teneka Beckers vorher in Berlin bewohnt hat. 2001 haben sie und ihr Mann Ulrich Schneider den Nordflügel der Burg Dudeldorf gemeinsam mit dem Ehepaar Elisabeth Wilhelmy und Jürgen Eis gekauft. Mit ihnen haben sechs Kinder dort ihr Bullerbü gefunden. Viel Natur und jede Mengen Raum für Gartenträume.
Eine Zeitungsannonce in der Berliner taz hatte Beckers darauf gebracht: "Suche Mitkäufer für Schloss in der Eifel". Diplomingenieur Schneider, der als Lichtdesigner und Bühnenbildner für Theater arbeitet, und Beckers, die Musikwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und Germanistin mit Regieerfahrung, waren schon seit ihrer Studienzeit in Köln auf der Suche nach einem Ort, der gleichzeitig als kulturelles Zentrum und Zuhause dienen konnte.
Sie kauften das zweite der jeweils 150 Quadratmeter großen Stockwerke als Eigentumswohnung, die sie mit ihren drei Kindern und einem Au-Pair-Mädchen bewohnen. Scheune und Außenanlagen boten Platz für die Kultur.
Bienenzucht und Nutzgarten


In der ersten Etage lebt die zweite fünfköpfige Familie. Für das Gärtnerehepaar Wilhelmy und Eis war das weitläufige Terrain im Burginnenhof ein entscheidendes Kaufargument. Zwischen den Wiesen haben sie ein Gartenzimmer hinter Hainbuchen und üppige Beete mit Stauden und Rosen angelegt. In alten Kastanienbäumen und einem Nussbaum laden Hängematten zum Entspannen ein. Es gibt ein Wäldchen und eine eigene Bienenzucht. Vor der Burg bewirtschaften sie einen Nutzgarten, angrenzend an die verpachteten Wiesen, auf denen Pferde grasen. Hier ist es nicht immer so ruhig. Einmal im Jahr rollt eine Traktorenschar zum Trecker-Kino vor großer Leinwand an.
Im Innenhof der Burg liegt eine weitere Wiese. Sie diente Teneka Beckers schon als Ausstellungsraum für Skulpturen, als Außencafé, als Stellfläche für ein Veranstaltungszelt oder als Open-Air-Kino. Die Burg ist fester Bestandteil des Kultursommers Rheinland-Pfalz und seit 2007 einer der Veranstaltungsorte für das Kinder- und Jugendkulturfestival Sommerheckmeck, das Beckers 2007 mit Gräfin Westerholt von Schloss Hamm gründete.
Den ersten großen Erfolg landete Teneka Beckers mit der Produktion des Kindermusicals "Ritter Rost", damals noch in der Scheune. Als die Brandschutzauflagen stiegen, bedeutete das das Aus für Veranstaltungen. Beckers\' Ziel ist es, die Scheune auszubauen und zu sanieren, um weitermachen zu können. Ein finanzieller Kraftakt, der durch eine gewinnbringende Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach besser zu stemmen wäre, sagt Beckers. Doch der Denkmalschutz sträubt sich. Die Alternative könnte der Verfall des ehemaligen Wirtschaftstraktes sein.
Für Sanierungsarbeiten fehlt neben Geld aber auch die Zeit. Denn seit vier Jahren leitet Teneka Beckers die Geschäfte der Trie rer Tufa und ihr Mann ist beruflich viel unterwegs. Allzu viel ist also nicht geblieben von der Ursprungsidee, die Burg als Wohn- und Veranstaltungsort zu nutzen. Dennoch halten Teneka Beckers und ihr Mann an der Burg fest. "Wir sind doch nicht bescheuert und ziehen hier weg."
Beckers liebt die Burg, weil sie inspirierend und beruhigend auf sie wirkt und viele Möglichkeiten bietet. Um diese zu nutzen und sich dabei nicht als Einzelkämpfer zu verbrennen, hat Beckers am Aufbau eines Netzwerkes von Burg- und Schlosseigentümern in der Eifel mitgearbeitet. Alle verbindet das Ziel, sich touristisch und kulturell nach außen zu öffnen. Denn darin liegt eine Verpflichtung moderner Burgherren, findet Beckers.
Die heutige Burg erscheint als eine zweiflügelige Herrenhausanlage aus dem 18. Jahrhundert. Die ursprüngliche Burg entstand zwischen 1100 und 1200. Genaueres ist nicht bekannt. Heute ist nur noch ein Turm von der einstigen Anlage erhalten. Besitzer war das Geschlecht derer von Dudeldorf, das Mitte des 14. Jahrhunderts ausstarb. Im Jahr 1582 erbte Gottfried Braun von Schmidtburg die Burg. 1734/35 ließ Heinrich Braun von Schmidtburg die Burg grundlegend umbauen. An den Turm wurden zwei dreigeschossige Flügel angebaut, später kam eine Scheune als Anbau an den in Nordrichtung weisenden Flügel hinzu. Von der alten Burg blieben lediglich der Turm an der Südwestecke und Teile der Burgmauer erhalten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Südflügel zur Schule und Lehrerwohnung umgebaut. Als Dudeldorf 1954 ein neues Schulgebäude erhielt, wurde der Südflügel der Burg an einen privaten Besitzer verkauft. 1984 kaufte die Gemeinde ihn zurück. Er wird heute mit dem Turm als Außenstelle des Standesamtes genutzt. sys