Superintendent greift zur Gitarre

Die evangelische Kirche ist in Morbach mit einer liturgischen Nacht ins Lutherjahr gestartet. Das fünfstündige Programm hat sich aus einem Mix aus Musik, Kino und einer amerikanischen Predigt zusammengesetzt.

Morbach/Kleinich. Ein Superintendent, der mit dem Chef des Verwaltungsamtes erstmals als Duo auftritt, ein amerikanischer Prediger, weitere Musikdarbietungen und ein Kinofilm - wer sich unter liturgischer Nacht eine langatmige Sache vorstellt, der irrt.Das haben 85 Besucher einer solchen Veranstaltung in der voll besetzten evangelischen Morbacher Kirche feststellen können. Anlass ist der Start ins Lutherjahr. Vor 499 Jahren hat Martin Luther seine Thesen angeschlagen, sagt der Morbacher Pfarrer Florian Brödner.
Die liturgische Nacht sei eine gute Möglichkeit, ins Lutherjahr zu starten. Die Idee sei von seinem Kleinicher Kollegen Stefan Haastert gekommen. "Es kamen einfach immer mehr Programmpunkte hinzu", sagt Brödner, der sich zur späteren Stunde auch selbst ans Klavier setzt.
Nach der musikalischen Eröffnung durch die beiden Iraner Fersat und Ferschat hat Jörg Weber, Superintendent im Kirchenkreis Trier, zusammen mit Heiko Nagel, Chef des Verwaltungsamtes, zur Gitarre gegriffen. Unter dem Namen "Supkultur" (Weber: "Von mir kommt das Sup, von ihm die Kultur") hat das Duo populäre Lieder wie Bob Dylans "Knocking on Heavens Door" und "The Hymn"von Barclay James Harvest angestimmt und dabei immer wieder den Bezug zum Glauben herstellen können. So wie bei "Jraduss" von Bap. "Es gibt Tage, die runtergehen wie ein samtweicher Wein und es gibt Tage, die nicht so sind. Dann hilft ein Festhalten am Glauben", sagt ein sichtlich gut aufgelegter Superintendent.
Ein weiterer von vielen Glanzpunkten an diesem Abend ist die Predigt von Pfarrer John Streccius von der Lutherischen Kirche aus Norddakota/USA, dessen Vorfahren bereits als Pfarrer in Kleinich und Hirschfeld tätig waren. Er zieht einen Vergleich von der Zeit Martin Luthers zu heute: "Wie vor 500 Jahren müssen wir uns durchs Leben schlagen. Vieles scheint korrupt. Doch es gibt die Sehnsucht nach Liebe, die bleibt bestehen", übersetzt Haastert die in Englisch gehaltene Predigt von Streccius. Luther habe den Menschen die Geschenke der Bildung, eine neue Form der Anbetung und der Berufung gebracht. Wobei das größte Geschenk die Herausforderung sei, die Kirche mit allen Generationen zu verbinden.
"Das Werk der Reformatoren muss weitergehen", sagt Streccius. Die Besucher sind offensichtlich angetan von den musikalischen Darbietungen und der Predigt des Amerikaners. "Ich bin begeistert, auch von Supkultur", sagt Heidi Berg aus Morbach. Bei der Predigt sei es interessant gewesen, wie diese in anderen Ländern aufgebaut sind. cst