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Symposium Moselwein – Heimat – Artenvielfalt in Bernkastel-Kues

Weinbau : Symposium Moselwein – Heimat – Artenvielfalt in Bernkastel-Kues: Alle zusammen für Weinbau und Erhalt der Kulturlandschaft

In einem Symposium „Moselwein — Heimat — Arten­vielfalt“ haben in Bernkastel-Kues Akteure verschiedener Genres diskutiert, wie Artenschutz und Wirtschaftlichkeit in den Wein­bergen übereinstimmen können.

Alle müssen zusammenhalten, damit die Kulturlandschaft Mosel bewahrt werden kann. Das ist die Essenz eines Symposiums, bei dem sich knapp 60 Menschen unter dem Titel „Moselwein – Heimat – Artenvielfalt“ über die Möglichkeiten informiert haben, einerseits die Kulturlandschaft Mosel und zugleich die dadurch entstandene Artenvielfalt zu erhalten. Die Kluft zwischen idyllischen Vorstellungen, wie Natur sein soll, und dem Wissen, das seit zwei Jahrtausenden von Generation auf Generation übertragen wird, sei noch nie größer gewesen als derzeit, sagt Norbert Müller, Dienststellenleiter des DLR Mosel, das das Symposium organisiert hat. „Unsere Wein-Kulturlandschaft ist entstanden, weil Menschen Natur in Kulturlandschaft umgewandelt haben“, berichtet Müller. Dadurch seien Lebensräume für Tiere wie den Apollofalter und die Eidechse entstanden, die es sonst in der Region nicht geben würde. Die angesprochene Kluft sei der Grund für ein falsches Verständnis, wie man Natur schützen könne. „Die Winzer haben das Wissen, um die Kulturlandschaft und die Lebensräume zu erhalten“, sagt Müller. Diese Ökosysteme beständen an der Mosel seit 2000 Jahren. „Das zeigt: Der Mensch kann Verantwortung übernehmen.“ Mit dem Symposium solle das Bewusstsein gestärkt werden, was Winzer leisten.

Als Gastredner ist der Baden-Württemberger Claus-Peter Hutter geladen, Präsident der Umweltstiftung NatureLife International. Er empfiehlt einen Generationen­dialog, damit die Jungen ihr Wissen von den Vorfahren übernehmen und dies später an ihre Nachkommen weitergeben können. Dazu bemängelt er die fehlende Wertschätzung für die Winzer, die oft bis zum Rande der Selbstausbeutung ihre Weinberge bewirtschafteten. „Die Politik ist gefragt, zu untersuchen, ob die Förderstrukturen stimmen“, sagt er und regt die Winzer an, die Weinberge und den Wein mit einem Weinbergstruck in die Städte zu bringen: „Gehen Sie zu den Leuten, damit die Leute zu Ihnen kommen.“ Eine weitere Idee Hutters: Auf den Moselschiffen sollen die Veranstalter an ihre Gäste auch Informationen über die Arten­vielfalt in den Weinbergen geben.

In der darauffolgenden Podiums­diskussion, moderiert von der ehemaligen Deutschen Weinkönigin Sonja Christ-Brendemühl, äußerten Vertreter verschiedener Bereiche ihre Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema Artenschutz und Chancen des Moselweins. „Die Weinberge sind für den Wein gebaut, nicht für den Apollofalter“, sagt Winzer und Naturerlebnis­begleiter Martin Dötsch. Den Lebens­raum Weinberg zu bewirtschaften im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Bewahren der Natur sei ein Drahtseil­akt. Das Interesse der Menschen für Wein und Landschaft sei riesig. Touristikerin Julia Gries aus Kobern-Gondorf rät, Heimatgefühle solle man mit Gerüchen, Wein und Speisen verbinden. „Schmeckt unsere Heimat“, appelliert sie. Dazu sieht sie ein touristisches Potenzial für Artenvielfalt, das ausgebaut werden könne.

Christine Becker vom gleichnamigen Restaurant in Trier sieht einen Unterschied der Kunden­wünsche in der Sterne­gastronomie, wo die Gäste ihren Wein gerne internationaler aussuchen und dem Weinhaus, wo die Besucher eher auf Regio­nalität schauen. Sterne­köche seien oft nur bei den großen Namen der Mosel unterwegs. Sie empfiehlt ihren Kollegen dann auch schon mal kleine, unbekanntere Weingüter, die gute Qualitäten produzieren. Kilian Franzen, der im Bremmer Calmont, dem steilsten Weinberg Europas, Weinbau betreibt, appelliert an die Winzer, mehr Steillagen­anbau zu betreiben. Einig sind sich alle auf der Bühne, dass ohne Zusammenarbeit aller Akteure nichts geht.