Szenen eines Abenteurerlebens
Überfüllung im Refektorium: Auf großen Zuspruch traf der Autorenabend mit Rainer M. Schröder. Sein neues Buch "Die Judas-Papiere" stand im Mittelpunkt, vor allem jedoch das abenteuerliche Leben des Schriftstellers selbst.
Himmerod. (ako) Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung musste die Bestuhlung des Refektoriums aufgestockt werden. Mehr als 100 zumeist weibliche Fans - etliche von ihnen mit dem 750-Seiten-Werk und Autogrammwunsch ausgestattet - wollten Rainer M. Schröder live erleben. Dabei erwies sich, dass nicht nur die laut Verlag für Teenager geschriebene Fantasy-Story um das verschollene Judas-Evangelium, einen mächtigen Geheimbund und Draculas Zwillingsbruder spektakuläre Szenen aufweist. Sondern das Leben des Schriftstellers selbst, der an seinem Hochzeitstag zur Himmerod-Lesung von seiner Ehefrau Helga begleitet wurde, kann es offenbar mit einem Spannungsroman aufnehmen. Auch die Mönche der Abtei, die ihr Refektorium als Kulisse einer Abenteuergeschichte erlebten, waren fasziniert: Schröder schilderte, illustriert von großformatigen Fotos, Anekdoten aus seinem ungewöhnlichen Leben. Eine einjährige Reise im Wohnmobil durch die USA, Begegnungen mit Alligatoren beim Paddeln durch die Everglades, Abtauchen in Goldminen und Schatzsuche im karibischen Meer oder auch das Dasein als Hobbyfarmer. Diese Beispiele gaben einen Eindruck, woher die Fantasie genährt wird, die Schröder beim Schreiben braucht. Dabei wirkt der Autor äußerlich so gutbürgerlich, dass er auch als Beamter durchgehen könnte. Doch der Erfolg mit Millionenauflagen gibt dem außergewöhnlichen Talent, das der Akademikersohn schon als Kind mit selbst getexteten Geschichten realisierte, Recht: Er ist einer von nur zwei Prozent der deutschsprachigen Autoren, die von ihrer Kunst leben können. Er verriet, dass er noch eine weitere künstlerische Ader hat: "Ich wollte auch Opernsänger werden und habe sogar eine Weile Belcanto studiert." Nach Auszügen aus den ersten Seiten der "Judas-Papiere", die Ehefrau Helga vortrug, gab er auf Fragen aus dem Publikum noch weitere Geheimnisse preis: beispielsweise woher er sein historisches Wissen bezieht, wie er einst durch Zufall das Kloster Himmerod entdeckte und wann der nächste Roman erscheint, nämlich im nächsten Sommer. Ob dann auch Rainer M. Schröder erneut im Refektorium liest, ist noch offen. Aber: "Er wird wiederkommen", versprach Katja Rascopp von der Klosterbuchhandlung.