Tal der Wildbrücken

Über sieben (Wild-)Brücken müsst ihr gehen: Zwei solcher "Querungshilfen" für Fauna und Flora entstehen derzeit beim Autobahnkreuz Wittlich, fünf weitere sind zwischen Platten und Longkamp auf dem zweiten Bauabschnitt der B 50 neu geplant - macht zusammen sieben Wildbrücken für je rund zwei Millionen Euro. Das ist bundsweit einmalig.

Wittlich. Zum Vergleich: Selbst die so genannte Ostsee-Autobahn - die A 20, die von Lübeck über Rostock und Neubrandenburg nach Stettin und Berlin führen soll - kommt nur auf sieben Wildbrücken, allerdings auf einer Länge von 350 Kilometern. Im Wittlicher Tal entstehen auf einer Länge von rund 20 Kilometern zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und Longkamp im Zuge der B 50 neu eben so viele Wildbrücken, wie das Mainzer Verkehrsministerium dem TV bestätigte. Wildkatze und Mausohr machen's möglich

An zwei der sieben Wildbrücken, die auf dem ersten, etwa fünf Kilometer langen B 50 neu-Abschnitt zwischen Autobahnkreuz und Platten entstehen, wird bereits seit vergangenem Jahr gebaut (der TV berichtete mehrfach). "Die Wildbrücken sollen die Trennwirkung der neu zu bauenden Straße für Fauna und Flora vermeiden, beziehungsweise vermindern. Sie sichern die Vernetzungsmöglichkeiten zwischen den durch die Trasse getrennten Lebensräumen", erklärt Kai Krischnak, Pressesprecher des Mainzer Verkehrsministeriums. Gutachten haben ergeben, das die neue Bundesstraße die Lebensareale der dort nachgewiesenen Tierarten wie der geschützten Wildkatze, dem Baummarder, Dachs, Iltis und Co. unter eine in Naturschutzgesetzen definierte Minimal-Größe drängen würde. Wegen der Vorschriften in den Naturschutzgesetzen können die Eingriffe, die der Bau der B 50 neu auf dem ersten Bauabschnitt mit sich bringt, auch nicht durch eine Ausgleichsmaßnahme etwa zehn Kilometer weiter nördlich bei Greimerath kompensiert werden, wo Naturschützer schon lange monieren, dass das in den 40er-Jahren gebaute Autobahn-Stück einen alten Fernwechsel des Rotwilds zerschneidet (der TV berichtete mehrfach). Auf dem zweiten, etwa 15 Kilometer langen Abschnitt der B 50 neu von Platten nach Longkamp, für den wegen einer Klage des Bunds für Umwelt und Naturschutz noch kein Baurecht besteht (der TV berichtete), sind fünf weitere Wildbrücken geplant. Hinzu kommen drei Wildunterführungen und eine Unterquerungshilfe für Fledermäuse. Diese damit insgesamt zehn Querungshilfen für Fauna und Flora entstehen alle auf dem Moselsporn und dienen "der Vernetzung von Lebensräumen stark gefährdeter Fledermausarten wie beispielsweise der Bechsteinfledermaus und dem Großen Mausohr, der Wildkatze sowie allen weiteren in diesem Gebiet vorkommenden Tierarten", erklärt Krischnak. Zu solchen Naturschutzmaßnahmen ist der Bund, der die 260 Millionen Euro teure neue Straße bezahlt, rechtlich verpflichtet. "Dieses Straßenbauprojekt ist sinnvoll und notwendig. Und ich bin auch durchaus dafür, dabei Anliegen des Naturschutzes ernst zu nehmen. Aber sieben Wildbrücken halte ich für übertrieben", sagt Hermann Bornmüller, pensionierter Forstamtsleiter aus Wittlich, der sich seit langem für eine Wildbrücke bei Greimerath einsetzt. Doch um über diesen Jahrzehnte alten Teil der A 1 ein solches Bauwerk nachzurüsten, fehlt das Geld. Meinung Viel hilft nicht immer viel Eltern, die sich von Monat zu Monat sorgen müssen, wie sie ihre Kinder durchbringen, dürften angesichts von 14 Millionen Euro für sieben Wildbrücken im Wittlicher Tal schockiert sein. Und nicht nur sie: Überall fehlt in Zeiten knapper Kassen das Geld. Zwar ist es ein Fortschritt, dass Straßen nicht mehr wie einst einfach ohne Rücksicht auf Verluste in die Landschaft gepflügt werden dürfen. Doch inzwischen nimmt die gut gemeinte Regulierungswut in den Naturschutzgesetzen allerdings überhand. Sinnvoller wäre, einen festgelegten Prozentsatz der Summe, die ein Straßenbauprojekt kostet, für Naturschutz-Maßnahmen bereit zu stellen, über die dann Fachleute vor Ort beraten. Für die Straßenplaner wären damit etliche bürokratische Hürden genommen und der Natur könnte ebenso unbürokratisch geholfen werden. Denn bei aller Liebe zum lieben Vieh: Angesichts von sieben Wildbrücken auf 20 Kilometern stimmen einfach die Relationen nicht mehr. d. Schommer@volksfreund.de