Tannhäuser in der Abteikirche

Himmerod. (gkl) Anton Bruckner und Richard Wagner sind Komponisten, die eigentlich auf Programmen von Orgelkonzerten nie auftauchen. In Himmerod wurde ihnen mit Transkriptionen ein ganzes Konzert gewidmet.

Laut Programmtext der diesjährigen Himmeroder Orgelkonzerte wollen die Veranstalter sich abseits der "Standardprogramme reisender Konzertorganisten" bewegen. Soll heißen, die Programme sollen individuell auf die Himmeroder Orgel zugeschnitten sein und darüber hinaus Außergewöhnliches, selten zu Hörendes bieten. Beim jüngsten Konzert war Erwin Horn, Organist der Augustinerkirche in Würzburg, Gast am Spieltisch der Klaisorgel. Auf seinem Programm standen nur Orgeltranskriptionen, also Übertragungen von Kompositionen, die ursprünglich nicht für die Orgel gedacht waren. So etwas hat es zu allen Zeiten gegeben, beispielsweise hat Johann Sebastian Bach Konzerte von Antonio Vivaldi für die Orgel eingerichtet.Großes Kompliment für die Technik

Horn, aus dessen eigener Feder die Umarbeitungen stammen, hat eine Vorliebe für die große Romantik, weshalb nur Werke von Anton Bruckner und Richard Wagner in der Abteikirche erklangen. Es ist schon eine große Kunst, Musik, die normalerweise für 80, 100 oder mehr Musiker geschrieben wurde, so einzurichten, dass ein Organist mit zehn Fingern und zwei Füßen damit zurecht kommt und dabei nichts Wesentliches verloren geht. Horn beherrscht diese Kunst mustergültig. Ob die Vorspiele zum ersten Teil von Wagners "Tannhäuser" oder "Lohengrin" oder auch das Scherzo aus Bruckners "Nullter Sinfonie", einem sinfonischen Fragment, das der Meister nicht zur Veröffentlichung freigegeben hatte, man hatte kaum etwas der musikalischen Einzelheiten zu vermissen. Freilich klingt diese Musik auf der Orgel anders als durch ein Orchester gespielt. Es ist nicht so fließend, manchmal etwas statisch. Ein Musiker kann halt nicht an so vielen Stellen zugleich agieren wie 100. Gleichwohl muss man Horn ein großes Kompliment für seine Technik aussprechen. In dem Rahmen, wie die Orgel es zulässt, hat er alle Möglichkeiten ausgeschöpft und dem großen Publikum ein umfassendes Klangerlebnis beschert. Ein ebenso großes Kompliment verdient seine Ehefrau und Assistentin, Roswitha Horn, deren Aufgabe es war, im rechten Moment durch Änderung der Registerwahl die unterschiedlichsten Klangschattierungen hervor zu rufen. Ist dies bei normalen Orgelwerken schon keine leichte Aufgabe, so überstieg ihr Part bei diesem Konzert bei weitem den Rahmen des Üblichen. Trotz aller technischer und musikalischer Präzision, so ganz konnte das Konzert nicht zufrieden stellen. Sicherlich ist es sehr interessant, einmal Werke aus diesem Genre kennen zu lernen. Ein ganzes Konzert aber ist einfach zu viel. Bis auf eine einzige Ausnahme (Vorspiel zum 3. Akt der Meistersinger) landete Horn immer wieder im Tutti der Orgel, also im vollen Registerklang, inklusive der mächtigen spanischen Trompeten. Was üblicher Weise das akustische Sahnehäubchen sein sollte, wurde hier zum Normalzustand. Trotzdem, der Applaus war lang, herzlich und redlich verdient - für beide Akteure. Darüber hinaus wurde das Versprechen des Außergewöhnlichen und Eigenwilligen von den Organisatoren eingehalten.