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Tarifkonflikt in Bernkastel: Gewerkschaft setzte Klinik Ultimatum

Streik : Tarifstreit in Bernkastel-Kues: Gewerkschaft setzt Median-Klinik Ultimatum

Seit Monaten schwelt ein Tarifkonflikt in den Reha-Kliniken des Kueser Plateaus. Nun setzt die Gewerkschaft verdi auf eine zeitliche Frist. Währenddessen gibt es eine erste Einigung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.

Der Tarfif-Konflikt an den Median-Kliniken in Bernkastel-Kues dauert an: Seit April dieses Jahres gibt es immer wieder Aktionen der Belegschaft, die auf den Streit um mehr Lohn aufmerksam machen.   Rund 630 Mitarbeiter sind in den Kliniken auf dem Kueser Plateau beschäftigt.

Wie die Gewerkschaft verdi mitteilt, fordere sie seit Dezember 2020  einen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Reha-Kliniken in Bernkastel-Kues. Gefordert  werde unter anderem  eine einheitliche Erhöhung der Entgelte. Die letzte Entgelterhöhung für die Beschäftigten habe  es im Jahr 2015 gegeben.

Streik in Bernkastel-Kues: Darum geht es den Beschäftigten

Seit Mitte Mai habe die Gewerkschaft  die Beschäftigten nahezu wöchentlich zu ein- oder zweitägigen Streiks aufgerufen. So gab es bereits im April  Spaziergänge von Mitarbeitern in der Mittagspause, während derer  sie Transparente zeigten, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Wie die Gewerkschaft weiter mitteilt, seien die   Streiks  bis dato insofern erfolgreich gewesen, dass Median nun   Bereitschaft zeige, rückwirkend zum Juli 2021 die Grundgehälter aller Beschäftigten um 4 Prozent zu erhöhen.  Weitere Verhandlungen würden aber verweigert.  Verdis Forderung nach einem Tarifvertrag sei abgelehnt worden. Deshalb  haben die verdi-Mitglieder der Median Reha-Kliniken in Bernkastel-Kues über ein Ultimatum abgestimmt: Die Geschäftsleitung  soll  bis spätestens zum 30. Sepember  ihre Verhandlungsbereitschaft   erklären. Frank Hutmacher, Landesbezirksfachbereichsleiter von Verdi sagt: „Bleibt diese Erklärung bis zum Ablauf des Ultimatums aus, werden ab dem  1. Oktober die Warnstreiks nicht mehr nur tageweise stattfinden, sondern auf die Dauer von je einer Woche ausgeweitet.“

Das könnte gravierende Folgen für den Betrieb haben, denn Hutmacher erklärt: „An den Streiktagen wurden ausschließlich im Rahmen des Notdienstes erforderliche Therapien durchgeführt, somit fanden etwa 65 Prozent der therapeutischen Anwendungen an diesen Tagen nicht statt und Patientenanreisen wurden verschoben.“

   Was sagt die Median-Klinik-Gruppe?

Der TV hat in der Berliner Zentrale nachgehört.  Die Aussage, dass 65 Prozent der therapeutischen Anwendungen nicht stattgefunden haben, sei falsch, so die Median-Pressestelle.  „Bei einer Minderheit der Patienten kann es aufgrund der Streiks zu zeitlichen Verschiebungen von Therapien kommen. In keinem Fall wurde oder wird die geplante Therapiemenge gekürzt“, sagt Christian Gores, Kaufmännischer Leiter des Median-Reha-Zentrums Bernkastel-Kues. „Therapiemenge und Reha-Erfolg messen wir mit unseren Instrumenten zur Qualitätssicherung bei jedem einzelnen Patienten während des Aufenthalts sowie im Anschluss. Hierbei ist es zu keinen Verschlechterungen gekommen. 

 Zum Konflikt erläutert die Sprecherin, dass 2016  der damals bestehende Entgelttarifvertrag von Verdi gekündigt worden sei. Seitens der Gewerkschaft habe  es Versuche gegeben, in den Arbeitskampf zu gehen, zu dem sich jedoch nicht genug Beschäftigte mobilisieren ließen.  

 Die ganz überwiegende Mehrheit der   Mitarbeiter habe demnach  in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie nicht auf Seiten der Gewerkschaft stehe. Von den 650 Beschäftigten am Standort Bernkastel-Kues würden sich  zuletzt zirka  40 Therapeuten am Warnstreik beteiligen. Im Gegenzug hätten  mehr als 230 Mitarbeiter mit Unterschriftlisten, E-Mails und Schreiben an die Betriebsräte ihre Solidarität mit der Klinik bekundet. und unterstützen den Weg der direkten Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.

 Median strebe eine Einigung über die Strukturierung der Gehaltserhöhung im Rahmen einer Betriebsvereinbarung mit den lokalen Betriebsräten an. Diese sei  damit dauerhaft und rechtssicher für alle Mitarbeiter – nicht nur für Mitglieder der Gewerkschaft. Neben der 4-prozentigen Gehaltserhöhung sei eine Einmalzahlung von 156 Euro im Januar 2022 vereinbart.

Die Gehaltserhöhung werde dauerhaft gezahlt, sei  zeitlich nicht befristet und werde  durch eine Betriebsvereinbarung rechtlich abgesichert. Verhandlungen mit Verdi werden daher kategorisch abgelehnt, da aus Sicht der Geschäftsführung die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten vor Ort  funktioniere. Zu Wochenbeginn habe es ein Treffen gegeben, bei dem sich Betriebsrat und Klinikleitung auf eine Lösung geeinigt hätten. Näheres will die Geschäftsführung in den nächsten Tagen bekannt geben.