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Tauschbasar für Wohngebiete in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land

Dorfentwicklung : Nur mit Tauschhandel gibt es noch neue Wohngebiete im Wittlicher Land

Um Bauland dort ausweisen zu können, wo es Nachfrage gibt, und dennoch den Flächenverbrauch zu bremsen, müssen Gemeinden kooperieren. 

Welch großzügige Geste: In Dreis, Klausen und Plein in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land sollen neue Wohngebiete ausgewiesen werden. Möglich gemacht hat das aber erst der Ortsgemeinderat Großlittgen. Wie kann das sein, mag sich der ein oder andere Bewohner der Verbandsgemeinde Wittlich-Land nun fragen.

Was haben die Großlittgener mit der Entwicklung von Wohngebieten in Dreis, Klausen und Plein zu tun?

Hintergrund dafür ist eine geplante Änderung des regionalen Raumordnungsplans. Ziel dabei sei,  wie Fachbereichsleiter Günter Weins von der VG Wittlich-Land erklärt, den Flächenverbrauch zu kontrollieren und reduzieren.

Vor der Entwicklung neuer Außenbereiche sollen die Gemeinden ihre Innenbereiche besser ausnutzen. Somit solle auch die Reduzierung landwirtschaftlicher Flächen gebremst werden. Da die Verbandsgemeinde Wittlich-Land im Flächennutzungsplan bei Wohngebieten einen deutlichen Überhang verzeichne, der weit über dem Bedarf liege, sollten im Flächennutzungsplan (FNP) künftig keine zusätzlichen Flächen für die Wohnbebauung mehr ausgewiesen werden.

Damit dennoch Wohngebiete entwickelt werden können, müssen die Gemeinden innerhalb der Verbandsgemeinde nun eine Art Tauschbasar betreiben. Orte, die im FNP keine Flächen zur Wohnbebauung mehr eingetragen haben, sind dabei künftig darauf angewiesen, dass ihnen Gemeinden mit Überhang Flächen abgeben. Wie im konkreten Fall bei Großlittgen wird potenzielle Wohnbaufläche im FNP gestrichen und in landwirtschaftliche Fläche umdeklariert. Im Gegenzug können dann in Dreis, Bruch und Klausen Flächen gleicher Größenordnung zu Wohngebieten umgemünzt werden.

Allerdings sind die Gemeinden, die nichts mehr haben, aber dennoch Wohngebiete ausweisen wollen, dabei natürlich auf den guten Willen derjenigen Gemeinden angewiesen, die Überhänge zu verzeichnen haben und Flächen abgeben wollen. Problem ist also, dass sie ohne die Flächen anderer Gemeinden gar nicht weiter kommen.

„Für die Ortsgemeinden ist das ein brisantes Thema“, sagte VG Bürgermeister Dennis Junk auf der jüngsten VG-Ratssitzung. „Wir haben uns damit intensiv beschäftigt, wobei wir zwischenzeitlich auch an Punkten angelangt waren, wo wir nicht mehr wussten, wie wir  weiter kommen.“ Es habe viele Gespräche gegeben. „Aber wir können jetzt ein vernünftiges Ergebnis präsentieren.“ Es werde nun ein „Pool“ aus Überhangflächen der Orte gebildet, die potenzielle Wohnflächen abgeben könnten. Junk: „Es macht ja keinen Sinn, wenn da, wo kein Bedarf ist, Hektar-Flächen auf dem Papier stehen.“ Aber aus solch einem Flächenpool lasse sich schöpfen, sagte Junk. Ortsgemeinden, die Flächen abgäben, könnten ja bei Bedarf später über diesen Flächen-Pool auch wieder Fläche zugewiesen bekommen. Damit scheint die Angst, dass Orte durch die Abgabe an Wohnbauflächen womöglich ihre eigene Entwicklungsmöglichkeit gefährdet sehen könnten, unbegründet. Wobei heute wohl auch noch niemand sagen kann, ob es die Großlittger nicht doch in 50 Jahren noch bereuen könnten, anderen Orten 2020 Wohnbaufläche abgetreten zu haben. Ausschließen kann man das am heutigen Tag nicht. Dazu ist jedoch zu sagen, dass Großlittgen nicht alles abgegeben hat, sondern noch weitere Wohnbaufläche im FNP auf Vorrat hat.

Die Ortsbürgermeister der Gemeinden, die nun von dem Flächentausch innerhalb der VG profitieren, bedankten sich jedenfalls herzlich und öffentlich für das Entgegenkommen des Großlittger Ortsgemeinderates auf der jüngsten Sitzung des VG-Rates. Dieser solidarische Akt, der künftig wohl öfters notwendig sein wird, um in der VG Wohngebiete zu entwickeln, fand auch die Anerkennung der Fraktionsvorsitzenden des Verbandsgemeinderates.

„Wir danken der Ortsgemeinde Großlittgen für diesen pragmatischen Schritt. Damit ermöglicht sie anderen Gemeinden, sich baulich zu erweitern“, sagte Manuel Follmann, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Innerhalb der Verbandsgemeinde verfolgen derzeit Bruch, Laufeld, Altrich, Dreis, Klausen und Plein das Ziel, Wohnbauflächen auszuweisen. Bruch, Laufeld und zum Teil auch Altrich verfügen dabei jedoch an anderer Stelle ihrer Gemarkung über ausreichend eigene Tauschflächen: Im FNP als Wohnbauflächen ausgewiesene Areale, die aber bislang nicht bebaut sind. Diese Gemeinden sollen laut Ratsbeschluss zur Entwicklung neuer Wohngebiete an anderer Stelle einen sogenannten „Eigentausch“ durchführen. Dabei werden im FNP eingetragene Wohnbauflächen zu Flächen für die Landwirtschaft umdeklariert. An anderer Stelle im Ort können dafür Wohnbauflächen ausgewiesen werden.
Altrich, Dreis, Klausen und Plein verdanken ihre Entwicklungsmöglichkeit aber nun eindeutig den Großlittger.

Der Gemeinderat Großlittgen hatte am 15. Januar beschlossen, im Rahmen des sogenannten „Flächentausches“ Wohnbauflächen  im Umfang von knapp sechs Hektar abzugeben und für andere Gemeinden, die einen Eigentausch nicht durchführen können, bereitzustellen. Der Verbandsgemeinderat stimmte nun auf seiner jüngsten Sitzung dafür, die Fortschreibung des Flächennutzungsplans zu beantragen, um alle Nutzungsänderungen eintragen zu lassen.