Tausende Bücher auf Lager

Der eine hat sie auf dem Speicher, der andere hat sie beim Flohmarkt verkauft, an Geschwister vererbt oder gleich verschenkt: alte Schulbücher. Und was machen die Schulen selbst damit? Erst einmal horten. Allein an kreiseigenen Schulen liegen deshalb 17 650 Exemplare in den Depots.

Bernkastel-Wittlich. Ja es gibt sie noch, die Schulbücher. Kinder und Jugendliche tragen sie morgens im Ranzen zur Schule, wieder nach Hause, um aus ihnen fürs Leben zu lernen. Und sie ergänzen ihr Wissen nicht nur durch sämtliche Hilfen, die ihnen die digitalisierte Welt und das Internet bieten. Deshalb gibt es auch noch Schulbibliotheken. Aber was tun mit den Büchern, die keiner braucht? Sollen ausgerechnet Schulen sie vielleicht wegwerfen? Das scheint, vermutlich nicht nur im Landkreis Bernkastel-Wittlich, aktuell eine große Frage zu sein. Denn hierzulande gibt es im siebten Jahr die politisch gewollte sogenannte Schulbuchausleihe.
Ausführung nach unten delegiert


Dabei können Eltern unter bestimmten Voraussetzungen entweder die nötigen Lernmittel kostenlos bestellen oder sie zahlen weniger als regulär. Das Bestell- und Verleihsystem wird dabei sowohl über ein Online-Portal als auch über die Schulen selbst abgewickelt. Es ist nicht ganz einfach, aber nach sieben Jahren läuft zumindest das. Die Kreisverwaltung hat für ihre Schulen, 14 an der Zahl, nun eine Übersicht zum Sachstand vorgelegt.
Anlass ist ein FDP-Antrag. Unter anderem bleibt es beim bekannten Phänomen: Das Land hat die Ausleihe sozusagen "erfunden" und die Ausführung dann nach unten delegiert. Will heißen: Wie's gehen soll, darum muss man sich vor Ort kümmern: Also die Bücher zu Paketen für die jeweiligen Schüler zusammenstellen, sie auch wieder zurücknehmen, Anträge verteilen und Schülerdaten erfassen und so weiter.
Teilnahmequote steigt stetig


Allein für den Landkreis kostete das zuletzt fast 137 000 Euro. Kosten, um es klar zu machen, die rein durch die Menschen, die mithelfen und die Dinge, die sie dafür brauchen, entstehen. Das Land gibt eine Verwaltungskostenpauschale, aber auf rund 66 000 Euro bleibt der Landkreis sitzen.
Um es deutlich zu machen: Die reinen Buchkosten haben damit nichts zu tun. Im aktuellen Schuljahr betragen sie an den 14 Schulen 490 000 Euro für 23 000 Bücher. Dabei nutzen von 7661 Schülern insgesamt 4839 das System, etwa ein Drittel davon (diese Zahlen sind von Beginn an relativ konstant) unentgeltlich. Insgesamt entspricht die Teilnahmequote 63 Prozent. Sie steigt kontinuierlich. Im ersten Jahr 2010/11 waren es 55 Prozent. Neu ist, dass Schulträger, also die Kreisverwaltung, einmal im Jahr eine Art Inventur machen muss, auch um zurückgegebene Bücher eventuell an andere zu geben. So sind aktuell 2000 Bücher zwischen den 14 Schulen ausgetauscht worden.
Aber es tut sich ein neues Problem auf: Da alle Bücher nach dem Schuljahr zurückgegeben werden müssen, und nach drei- oder sechsjährigem Ausleihzyklus auszusortieren sind und zudem viele Schulen andere Titel in ihre Schulbuchlisten aufgenommen haben, landen immer mehr Bücher in Depots.
Was damit passieren soll, weiß aktuell keiner. Landrat Gregor Eibes hat dazu vor den Mitgliedern des Kreistages gesagt: "Die Schulvertreter haben unisono gesagt, dass sich bei ihnen die Bücher palettenweise stapeln. Die Frage ist, ob man mit denen noch was anfangen kann." Es geht dabei um beachtliche Mengen. Laut Übersicht der Kreisverwaltung befinden sich aktuell 45 367 Bücher in Schülerhand und 17 650 in Depots. Das sind rund 28 Prozent der gesamten übers Ausleihsystem angeschafften Exemplare.
Das Fazit aus Landkreissicht: "Das ,Auspflegen' dieser Bücher ist aufgrund der Vorgabe des Ministeriums meist nicht möglich, da diese überwiegend noch im Schulbuchkatalog des Landes geführt werden. Der erhöhte Depotbestand führt bei den Schulen durchweg zu Raumproblemen bei der Lagerung."