Tauziehen um Land und neue Bürger

Wittlich · Der Dorfer Ortsbeirat stellt sich erneut quer. Er möchte weiterhin nicht, dass 20 Hektar im Bereich des Missionshauses St. Paul dem Nachbarstadtteil Wengerohr zugeschlagen werden. Das letzte Wort hat nun der Stadtrat.

Wittlich. Geld ist wohl nicht der Grund, warum die Dorfer sich querstellen. Die haben sich auch beim zweiten Anlauf der Verwaltung geweigert, ihre Zustimmung zur Neuabgrenzung der Wittlicher Ortsbezirke zu geben. 20 Hektar rund um das Missionshaus St. Paul sollen dem Stadtteil Wengerohr zugeschlagen werden (der TV berichtete).

Die Stadtverwaltung hat für diese Neuabgrenzung der Ortsbezirke aus ihrer Sicht gute Gründe: Der gesamte Bereich grenze unmittelbar an das Gelände der Bereitschaftspolizei und damit an den Stadtteil Wengerohr, heißt es in der Vorlage für den Ortsbeirat Dorf. Zudem sei der Dorfer Dorfkern rund 1,5 Kilometer von dem Gelände entfernt, auf dem in absehbarer Zeit bis zu 500 Menschen wohnen sollen. Und: Die zum Missionshaus führende Arnold-Janssen-Straße ist seit ihrer Namensgebung Wengerohr zugeordnet.

Neuabgrenzung wird erst Mitte 2014 wirksam

"Die jetzt geplante Wohnbebauung von St. Paul verlangt nach einer klaren Regelung. Aus Sicht der Verwaltung sollte St. Paul dem Stadtteil Wengerohr zugeordnet werden", sagt Ulrich Jacoby, Sprecher der Stadtverwaltung. All diese Argumente fechten den Dorfer Ortsbeirat nicht an: "Die Argumente haben uns nicht überzeugt", sagt Ortsvorsteher Thomas Simon. Deshalb habe das Gremium erneut sein Einverständnis versagt. Nun liegt es in der Natur der Ortsbeiräte, dass sie nur eine eher bescheidene Entscheidungsbefugnis haben. Zur Neuabgrenzung des Ortsbezirks werden Simon und seine Kollegen zwar befragt. Entscheidend ist jedoch, was der Stadtrat sagt. Dort gibt es übrigens keinen Dorfer, der das Fähnchen des Stadtteils besonders hochhalten könnte. Der Rat werde sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Thema befassen, so Jacoby. Wirksam wird eine mögliche Neuabgrenzung laut Verwaltung erst Mitte 2014, wenn die Legislaturperiode des Stadtrats endet.

Bleibt die Frage nach dem Geld: Die Stadtteile erhalten insgesamt 13 000 Euro im Jahr zur eigenen Verfügung. Das sind aktuell für Dorf 1520 Euro und für Wengerohr 4516 Euro. Sollte sich die Gesamtsumme nicht ändern, würden die Neubürger das Budget ihres Stadtteils möglicherweise um einen kleinen dreistelligen Betrag erhöhen. Auch die beiden Ortsvorsteher würden eine angesichts ihrer Aufgaben weiterhin bescheidene Aufwandsentschädigung erhalten. Würde die Einwohnerzahl von Dorf um die prognostizierten 500 Bürger von aktuell 597 auf 1097 steigen, gäbe es 526,2 Euro pro Monat. In Wengerohr stieg das monatliche Salär des Ortsvorstehers von 820,80 auf 894 Euro.Extra

Neuordnung: Die Ortsbeiräte Bombogen, Neuerburg und Wengerohr haben bereits den von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Änderungen zugestimmt. Rund 37 auf Bombogener Gemarkung liegende Hektar des Industriegebiets Wengerohr werden dem größten Stadtteil zugeschlagen. Bisher noch zu Neuerburg gehörende Häuser werden zudem Bombogen zugeschlagen. Die Gemarkungsgrenzen der Stadtteile entsprechen in ihren Ursprüngen den Grenzen der ehemals selbstständigen Gemeinden Lüxem, Dorf, Bombogen, Neuerburg und Wengerohr. har

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