Tee aus alten Tassen schlürfen

TRABEN-TRARBACH. Museumswart Christof Krieger hat ganze Arbeit geleistet. Gemeinsam mit 70 Akteuren aus der Doppelstadt hat er dem Mittelmosel-Museum Leben eingehaucht. Exakt 896 Besucher ließen sich von der ungewöhnlichen Zeitreise in den historischen Räumen des barocken Kaufmannshauses begeistern.

"Bitte macht weiter so", fordert Jürgen Weißenstein aus Duderstadt. "Museen sind fast alle gleich, aber dieses hier ist mit Leben ausgestattet", freut er sich und erzählt begeistert von der Frau am Spinnrad oder von der Hochzeitsgesellschaft. Wie Weißenstein geht es auch den anderen 895 Besuchern. Es ist bereits die zweite Museumsnacht in der Barockvilla Böcking am Moselufer in Trarbach. 70 Akteure haben den Räumen der Villa, die im Jahr 1775 von der Familie Böcking im Trierer Barockstil gebaut wurde, Leben eingehaucht. "Mit gefällt es super, super gut", sagt Elke Bender von der Gruppe "Anno dazumal". Außerdem sei es eine gute Werbung für Traben-Trarbach, fügt Helke Metzel hinzu. "Die Leute fragen alle, wo es das gute Brot und die Wurst gibt", berichtet die gebürtige Traben-Trarbacherin, die eigens für die Museumsnacht aus Ratingen gekommen ist. "Auf meinem Stuhl saß schon Goethe"

Die Frauen richten Herbstbrot mit Hausmacher Wurst und selbst gekochter Marmelade und schneiden Speckkuchen für die historische Hochzeitsgesellschaft. "Wir haben letztes Jahr schon mal hier geheiratet. Es ist einfach toll hier", sind sich die Brautleute Margitta und Franz Steffen einig. Bis auf eine Ausnahme stecken in den historischen Gewändern, die alle in der Doppelstadt beheimatet sind, Personen der Mittelmoselstadt. Stilecht schlürft die Rokokogruppe Tee aus Sammeltassen. "Auf meinem Stuhl hat schon Goethe bei seinem Besuch 1792 gesessen", erzählt Gudrun Steinbrunn voller Stolz. Auch der Hausherr, Ernst Willem Spies, ist präsent. Helmut Pönnighaus hauchte dem 1898 geboren und bei einem Verkehrsunfall 1975 verstorbenen Spies Leben ein. Der in der Doppelstadt als "Spiese Lappi" bekannte Junggeselle gründete 1928 das Mittelmosel-Museum. Sein ganzes Leben widmete er dem Museum, die ausgestellten historischen Exponate hat er über viele Jahrzehnte gesammelt oder zusammengeklaut, erzählt Pönnighaus. "Wir sind stolz, dass wir ihn hatten", lobt er den Gründer des einmaligen Heimatmuseums. Es ist die Mischung aus großbürgerlicher Lebenswelt und historischen Gestalten im altehrwürdigen Gemäuer, mit denen die Akteure begeistern. Im Musiksalon gibt es ein romantisches Hauskonzert auf dem Hammerflügel aus dem Jahre 1811. Die illustre Gesellschaft der Biedermeier-Gruppe lauscht andächtig den Klängen des seltenen Musikinstruments. Im Raum nebenan schmiert die Herbstgruppe Herbstbrot, derweil schälen die Frauen die Äpfel für den Sonntagskuchen. "Es ist so schön hier" sind sich Anne Ingrellini, Katja Metzger und Marion Kaspari von der Gruppe "Gräfin Loretta" einig. Sie sitzen im Obergeschoss und sticken Monogramme. "Wir sind gut angekommen", berichten sie zufrieden. 896 Besucher nutzten die Gelegenheit, das Museum zu besuchen. Einer von ihnen ist Peter Pölcher. In ihm wurden Kindheitserinnerungen geweckt, denn er wuchs in der Nachbarschaft auf. "Ernst Spies hat uns oft mit ins Haus geholt und private Führungen gemacht", erinnert er sich. Das Interesse an der Zeitreise ist so groß, so dass eine Fortsetzung auch in Zukunft geplant ist. "Wie es zukünftig weitergeht, werden wir sehen", sagt Museumswart Christof Krieger. Schließlich braucht er die Unterstützung der Akteure. "Ich bin froh und glücklich, dass sich so viele Personen beteiligen", sagt Krieger.