Thalfang bleibt auf Brautschau
Der Verbandsgemeinderat Thalfang bekräftigt in Sachen Schulstrukturreform seine frühere Entscheidung (der TV berichtete kurz). Die Sicherung des Schulstandortes Thalfang hat für die Ratsmitglieder oberste Priorität. An der Option, als "Realschule plus" mit der Nachbarkommune Neumagen-Dhron zu kooperieren, hält man einstimmig fest.
Thalfang. Der Thalfanger Verbandsgemeinderat (VG-Rat) strebt eine Schul-Ehe mit Neumagen-Dhron an. Dort zeigt man dem "Bräutigam" allerdings die kalte Schulter. An der Mosel will man es stattdessen im Alleingang versuchen. Das war die Ausgangsposition für eine weitere Diskussion in Thalfang am Dienstagabend. Das Ergebnis vorweg: Man streckt weiterhin die Hand Richtung Mosel aus und will der Schule bei der Weiterentwicklung und Schärfung ihres Profils unter die Arme greifen. Auch andere Optionen will man sich einstimmig offen halten, lautet der einstimmige Beschluss.
"Wenn Neumagen-Dhron bei seiner Haltung bleibt, ändert sich für die Schüler der Regionalen Schule Thalfang in naher Zukunft wenig", ist SPD-Fraktionssprecherin Bettina Brück überzeugt. Am 1. August 2009 wird sie qua Gesetz zur "Realschule plus". Und da das System der beiden Schulformen in den Grundzügen ähnlich sei, habe man in Thalfang, was die Erfahrung angeht, "zehn Jahre Vorsprung". Eine Ausnahmegenehmigung wegen der Zweizügigkeit - der Gesetzgeber schreibt Dreizügigkeit vor - brauche man derzeit nicht.
CDU-Fraktionssprecher Gereon Haumann geht von einem Missverständnis bei den Kollegen in Neumagen-Dhron aus. Es sei argumentiert worden, dass beispielsweise Eltern aus Leiwen nicht bereit seien, ihre Kinder nach Thalfang in die Schule zu schicken. Aus der Sicht Haumanns müssen sie das allerdings auch nicht, zumindest bei einer sogenannten "vertikalen Lösung". In diesem Fall würden bei einer Kooperation Schulklassen aller Jahrgänge an beiden Standorten eingerichtet. Im Klartext heißt das: Ein Leiwener Schüler könnte vom fünften Schuljahr bis zur Mittleren Reife die Schule in Neumagen-Dhron besuchen. Das würde für beide Verbandsgemeinden bedeuten, dass die Schulversorgung der Kinder wohnortnah erfolge.
Das Gegenteil sei bei einer "horizontalen Lösung" der Fall. Danach bleiben bestimmte Schuljahrgänge immer am gleichen Standort. Dann müssen die Schüler nach der Orientierungsstufe "wandern". "Vielleicht haben wir zu undifferenziert geworben", meint der CDU-Mann selbstkritisch. Haumann ist deshalb überzeugt, dass es weiterhin sinnvoll ist, sich um eine Zusammenarbeit mit Neumagen-Dhron zu bemühen. Auch bei der FDP will man vom eingeschlagenen Kurs nicht abweichen. Eine Kooperation sei der richtige Weg, ist sich Rudi Marx sicher. Die Entscheidung an der Mosel habe ihn "sehr enttäuscht". Den angestrebten Alleingang solle man sich dort nochmals reiflich überlegen. Auch bei der FWG hält man an den Kooperationsabsichten fest.
Meinung
Hausaufgaben für den Träger
In Sachen Schulreform haben die Thalfanger derzeit keine direkten Handlungsoptionen. Die angestrebte Schul-Ehe mit Neumagen-Dhron liegt auf Eis, solange sie dort nicht auf Gegenliebe stößt. Auch wenn die Absicht redlich ist, ändern einseitige Beschlüsse an dieser Tatsache nichts. Aber indirekt - und das klang bei der Sitzung an - gibt es sehr wohl eine Reihe von Hausaufgaben, die der Schulträger machen kann und muss. Im künftigen Wettbewerb der Schulen muss sich jeder Standort schwer ins Zeug legen, um attraktiv für Schulkinder und ihre Eltern zu bleiben, zumal jenseits der VG-Grenzen, wie beispielsweise in Morbach die Integrierte Gesamtschule, attraktive Schulformen entstehen. Da spielt sicherlich die Qualität des Unterrichts eine wichtige Rolle, aber auch der Zustand des Schulgebäudes, der nach wie vor in Thalfang mehr als bescheiden ist. Eltern wollen zudem sicher sein, dass die Schule dauerhaft existiert und ihrem Kind ein unnötiger Wechsel erspart bleibt. Das bleibt nach derzeitigem Kenntnisstand bis zum Jahr 2013 so. Trotzdem empfiehlt es sich, sich frühzeitig aufzustellen und nicht abzuwarten. Eltern und Schüler tun dies auch nicht. i.rosenschild@volksfreund.de
Extra Schulsanierung: Auch das Thema Sanierung der Regionalen Schule kam in der VG-Ratssitzung zur Sprache. Hubert Schu (FWG) fragte nach dem Stand der Dinge. Ein Kompetenz-Team ermittelte den Sanierungsbedarf an der Schule. Das Ergebnis wurde bereits im März vorgestellt. "Die Bürger können nicht verstehen, wie lange das dauert", kritisiert er. VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo informierte zuvor, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion die Unterlagen geprüft hat. Die Annahmen seien weitgehend bestätigt worden. Die Behörde empfiehlt angesichts der Energiegewinnung eine sogenannte "Contracting"-Lösung. Das bedeutet, dass zunächst ein Dritter investiert. (iro)