Thalfang bleibt ohne Pfarrer

Zwar hat der Thalfanger Werner Kiefer mehr als 1000 Unterschriften für einen neuen Pfarrer sammeln können. Doch wegen rechtlicher Vorschriften könne der seit mehr als einem Jahr kranke Pfarrer Lehnert nicht abberufen werden, sagt Weihbischof Helmut Dieser.

Thalfang. 1089 Unterschriften hat der Thalfanger Werner Kiefer dem Trierer Weihbischof Helmut Dieser übergeben. Kiefer hat diese gesammelt, damit die Pfarreiengemeinschaft Thalfang-Heidenburg wieder einen festen Pfarrer bekommt und die nach seiner Meinung derzeit unzureichende Seelsorge für die Gläubigen in Thalfang gesichert wird. Denn der etatmäßige Pfarrer Knut Lehnert ist seit Februar 2015 krank. Wann er wieder seinen Dienst antritt, ist ungewiss (der TV berichtete). Doch der Forderung, einen neuen festen Pfarrer für die Pfarreiengemeinschaft Thalfang-Heidenburg einzusetzen, wird das Bistum nicht nachkommen. "Wegen der rechtlichen Lage rund um die Erkrankung von Pfarrer Lehnert bleibt die jetzige Situation bestehen", sagt Dieser. Der Initiator der Unterschriftenaktion Kiefer sagt, er habe sein Ziel, dass ein neuer Pfarrer in Thalfang eingesetzt wird, nicht erreicht. Trotzdem sei seine Aktion nicht vergebens gewesen: "Das Bistum macht sich Gedanken über die Situation."
Offenes Treffen im Pfarrheim


Derzeit halten Dechant Georg Moritz, Kooperator Bernhard Schork und Kaplan Paul Eich aus Bernkastel-Kues die Messen in den sieben Pfarrkirchen der Pfarreiengemeinschaft. Bei ihrer Arbeit werden sie unterstützt von Gemeindereferentin Eva Maria Fortuin. Zwar ist nach Auskunft von Dechant Moritz die Stelle eines zusätzlichen Gemeindereferenten für die Pfarreiengemeinschaft ausgeschrieben worden. Doch ansonsten wird es bei der derzeitigen Lösung bleiben, sagt er. Allerdings bewerten fast alle Ehrenamtlichen die derzeitige Situation in der Pfarreiengemeinschaft als gut, sagt Moritz. So gebe es etwa in den sieben Pfarrkirchen der Pfarreiengemeinschaft an den Wochenenden drei Messen. Zudem hätten die Gläubigen mit Schork und Moritz feste Ansprechpartner und bekannte Gesichter, die auch als Seelsorger zur Verfügung stehen. Daran soll sich auch nichts ändern, wenn Kaplan Paul Eich die Pfarreiengemeinschaft Bernkastel-Kues verlässt und Schork dann auch vermehrt an der Mosel zum Einsatz kommt. Ulla Jäger, Vorsitzende des Pfarreienrates der Pfarreiengemeinschaft, sagt, bisher hätten sich keine Gläubigen an sie gewandt, weil diese mit der Situation unzufrieden gewesen seien. Vielmehr ist sie verwundert über die Unterschriftenaktion Kiefers, weil er vorher nicht das Gespräch mit dem Pfarreienrat gesucht habe. "Wir hatten Sorge, dass die Unterschriftenaktion die Menschen polarisiert", sagt sie. Doch sei dies nicht eingetreten. Denn Dechant Moritz habe eine gerechte Lösung für die Gottesdienste gefunden, indem diese gleichmäßig über die sieben Pfarrkirchen verteilt worden sind. Das habe zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit geführt, sagt Jäger. Weihbischof Dieser sieht in den mehr als 1000 Unterschriften eine Chance für die Pfarreiengemeinschaft. "Das ist ein Zeichen, dass den Menschen die Kirche nicht egal ist, sondern sie sich engagieren", sagt er.
Die Kirche will die Gläubigen in Thalfang mehr in die Arbeit einbinden, sagen Weihbischof Dieser und Dechant Moritz. "Wir müssen weg vom Versorgungsanspruch an die Priester. Jeder soll sich einbringen, das müssen wir lernen", sagt Moritz. Möglichkeiten dazu gebe es etwa in der Glaubensunterweisung (Katechese), in der Jugendarbeit, bei Besuchsdiensten für kranke und alte Menschen, in der Hospizbewegung, in der Flüchtlingshilfe, bei Wallfahrten und nicht-eucharistischen Gottesdiensten, in der Arbeit der Gremien. Für den 27. Juni laden Gemeindereferentin Fortuin und Kooperator Schork die Gläubigen für 19.30 Uhr zu einem Offenen Treffen im Pfarrheim Berglicht ein, wo sie sich miteinander über die Frage austauschen können: Was heißt für mich eigentlich Seelsorge?

Mehr von Volksfreund