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Thalfang investiert in Abwasserbeseitigung

Thalfang investiert in Abwasserbeseitigung

In Gräfendhron baut die Verbandsgemeinde (VG) Thalfang für 920 000 Euro eine neue Pflanzenkläranlage. Sie ist eine von drei Anlagen dieser Art in der Gemeinde. Insgesamt investiert die VG rund 3,2 Millionen Euro in Abwasser- und Klärsysteme.

Thalfang. Ein kurzer Zug an der Toilettenspülung und zusammen mit vielen Litern Wasser verlässt die Notdurft das eigene WC hinab in die Eingeweide des Ortes und hinein in das Kanalnetz der Gemeinde. Das gesamte Abwasser Tausender Bürger wird über eine komplexe Kanalisation abgeleitet, zusammengeführt, in Kläranlagen gesäubert und dem Kreislauf des Wassers wieder zugeführt.
Trennsysteme für das Wasser


Damit die Beseitigung von Schmutz- und Regenwasser reibunsglos funktioniert, investiert die VG in diesem und nächstem Jahr 3,2 Millionen Euro in das Kanalnetz und in Kläranlagen.
Zum Nulltarif gibt es das nicht. In der Verbandsgemeinde Thalfang zahlen Verbraucher 1,87 Euro pro Kubikmeter abgeführtem Schmutzwasser. Hinzu kommt seit diesem Jahr eine wiederkehrende Gebühr von sieben Cent je Quadratmeter Grundstück, um die Vorhaltekosten für die Abwassersysteme zu decken. Pro Quadratmeter Grundstück fallen 0,30 Euro für die Entwässerung in Gemeinden ohne Kläranlage an; mit Kläranlage hingegen nur die Hälfte. Zum Vergleich: In der Einheitsgemeinde Morbach zahlen Verbraucher zwei Euro pro Kubikmeter abgeführtem Schmutzwasser. Pro Qudratmeter Grundstück fallen 23 Cent an. Den Ortsgrößen angepasste Kläranlagen sind im ganzen Gebiet der VG installiert, um Abwasser zu reinigen.
Die kleinsten Anlagen stehen in Etgert und Rorodt, die jeweils für 90 Einwohnereinheiten (EW) ausgelegt sind. Eine EW ist ein Wert für den durchschnittlichen Abwasser-Ausstoß eines Bürgers. Die größte Kläranlage steht in Thiergarten-Damflos, ausgelegt für 1770 EW.
In Gräfendhron weicht die technisch veraltete Kläranlage (130 Einwohnereinheiten) aus dem Jahr 1959 einer neuen Pflanzenkläranlage (siehe Extra). Für 920 000 Euro entsteht zwischen der Ortslage und Krakesmühle die neue Pflanzenkläranlage inklusive Pumpstation, Regenüberlaufbecken und Kanalsystem. 785 000 Euro steuert das Land bei. "Wir haben mit diesen Pflanzenkläranlagen gute Erfahrungen gemacht, vor allem bei kleinen Ortschaften", sagt Hans-Dieter Dellwo. Die Ausschreibung für den Bau sei bereits erfolgt, sagt Dellwo. Ende September soll das Projekt dann vergeben werden.
Geplante Leitungssanierungen


2002 wurde die Pflanzenkläranlage in Rorodt gebaut. Die älteste Anlage dieser Art steht in Talling. Sie ging bereits 1989 ans Abwassernetz und war seinerzeit die erste Pflanzenkläranlage im Kreis Bernkastel-Wittlich. "Alle Kläranlagen funktionieren nach dem gleichen System. Es wird die Selbstreinigungskraft des Wassers genutzt", erklärt Edwin Maßmann, Leiter der Verbandsgemeindewerke.
In Berglicht überprüft die Verwaltung, ob im Bereich einer Anliegerstraße der Bau eines Trennsystems für Niederschlagswasser und Schmutzwasser an einem maroden Kanal realisiert werden kann. Dies hänge jedoch damit zusammen, ob die Ortsgemeinde die Fahrbahn sanieren wolle. Kosten: rund 200 000 Euro.
Im Zuge der Erneuerung der K 116/K 117 in der Ortsdurchfahrt Deuselbach sollen Entwässerungsanlagen für rund 220 000 Euro erneuert werden. Auch hier soll Regenwasser von häuslichem Schmutzwasser vor der Vermischung getrennt abgeleitet werden. Da in den Ortsgemeinden Talling und Thalfang Baugebiete erschlossen werden, werden dort Kanalleitungen verlegt.
Sogenannte Trennsysteme von Regen- und Brauchwasser sind bei der Erschließung der Neubaugebiete "Bei Mühlendorn" (519 000 Euro) in Schönberg und "Sonnenseite II" (500 000 Euro) in Horath sowie im Gewerbegebiet "Hasenwies" (200 000 Euro) in Malborn verlegt worden. Dort wird zudem ein Regenwasser-Sammler (270 000 Euro) zur Entwässerung verlegt.
Für Entwässerungssysteme im Ortsteil Büdlichbrück ist mit der SGD Nord ein Standort für eine zentrale Anlage gefunden worden. 185 000 Euro sind dafür bereits eingeplant.
Alle Pflanzenkläranlagen funktionieren nach dem gleichen System. Dabei macht man sich die Selbstreinigungskraft des Wassers zunutze. Es bestehen nur Unterschiede, in welcher Form dieses von der Natur vorgegebene Prinzip technisch umgesetzt wird. Bei den technischen Anlagen werden Becken zur Aufnahme des Abwassers geschaffen, in denen Bakterien die im Abwasser gelösten Stoffe zum Wachstum nutzen. Der dadurch entstehende Schlamm wird dem Reinigungsprozess entnommen und nach entsprechender Stabilisation entsorgt. Bei technischen Anlagen besteht die Möglichkeit, auf unterschiedliche Belastungen zu reagieren. Dies ist bei einer Pflanzenkläranlage jedoch nicht der Fall. Das Abwasser durchströmt den Wurzelbereich, wo Bakterien ebenfalls mit Hilfe des durch die Wurzeln eingetragenen Sauerstoffs die im Abwasser gelösten Stoffe entfernen. zad