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Therapeutisches  Zentrum für St. Paul

Mehrgenerationendorf St. Paul : Große Idee für St. Paul

Ambulante Betreuung und Tagespflege: Zwei Schwaben planen in Wittlich ein Therapiezentrum für mehr als 140 Menschen mit beginnender Demenz. Und sie haben noch weitere Pläne.

1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Bis 2050 werde die Zahl demenzkranker Menschen auf 3,0  Millionen ansteigen, sagt Projektentwickler Reinhold Gutmann, der dem Wittlicher Bauausschuss große Pläne vorgestellt hat. Er stützt sich auf Zahlen der Deutschen Alzheimergesellschaft. Mit einem Investor, den Gutmann noch nicht nennen möchte, will er in Wittlichs Mehrgenerationendorf St. Paul ein therapeutisches Zentrum für Menschen mit beginnender demenzieller Erkrankung errichten. Investitionssumme: 30 Millionen Euro.

„Meine Firma Amaravia würde die Einrichtung betreiben“, sagt Gutmann, der erklärt, seit mehr als 20 Jahren im Bereich der Altenpflege unterwegs zu sein. Gutmann ist gemeinsam mit seinem Architekten Hans-Peter Burkhardt vom Bodensee im Schwabenlandland nach Wittlich gereist, um dem Bauausschuss seine Pläne für St. Paul vorzustellen.

Konzept Mit einem konventionellen Pflegeheim, sagt Gutmann, habe ein therapeutisches Zentrum für Menschen mit beginnender Demenzerkrankung wenig gemeinsam. „Es soll für die Menschen wie ein Zuhause sein. Man kann dort eine Wohnung anmieten – auch gemeinsam mit seinem Lebenspartner – und sich ambulant behandeln lassen.“ Pflegeleistungen sollen die Bewohner über externe Anbieter buchen können. „Es gibt Wohnungen und Appartements für mehr als 140 Menschen. Die Bewohner sollen eine Rundumbetreuung von einem Arzt, Neurologen und Psychologen, die im Bereich der Demenz Erfahrung haben, bekommen.“ Daneben soll das Zentrum eine Tagespflege für etwa 18 Personen anbieten. Gutmann: „Wer beispielsweise in Bernkastel-Kues wohnt und eine von ihm betreute demenzkranke Person mal einen Tag in Betreuung geben möchte, weil er etwas unternehmen möchte, bekommt mit unserer Tagespflege die Möglichkeit dazu.“ Außerdem sollen auf dem Areal in St. Paul noch zwei Wohngruppen für insgesamt 24 demenzkranke Menschen eingerichtet werden. In der Einrichtung werde zudem Physiotherapie und Sport angeboten, sagt Gutmann. „Demenz kann man nicht heilen, aber man kann den Verlauf der Erkrankung vor allem im Anfangsstadium durch Therapie verlangsamen.“ Auch die fünf Gebäude sowie die Umgebung des Zentrums sollen „demenzsensibel“ gestaltet werden. Dazu komme ein Restaurant für „gesunde, frische Kost ohne Konservierungsstoffe und mit liebevollem Service“, sagt Gutmann.

Standort Würden diese Pläne in Wittlich Wirklichkeiten, wären mit dem Verkauf des 17 000 Quadratmeter großen Grundstücks auf einen Schlag mehr als 40 Prozent der Fläche des „Gesundheitsparks“ in St. Paul vermarktet. Seit der Erschließung des Neubaugebietes St. Paul im Jahre 2013 ist bislang vom 38 000 Quadratmeter großen Sondergebiet „Gesundheitspark“ noch nicht mehr zu sehen als eine grüne Wiese. Das allerdings solle, wie Thorsten Manikowski, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft St. Paul, meint, niemanden verwundern: Bevor sich das Wohngebiet in St. Paul nicht mit Leben gefüllt habe, sagt Manikowski, sei nicht mit Ansiedlungen im Bereich des Gesundheitsparks zu rechnen gewesen. In Vergessenheit geraten sind die Pläne der Grundstücksentwicklungsgesellschaft, dort ein Ärztehaus sowie weitere Dienstleister aus den Bereichen Gesundheit und Wellness anzusiedeln, demnach also nicht. Manikowski: „Das Demenzzentrum würde das eine oder andere auch noch nachziehen. Wir gehen Schritt für Schritt vor, klopfen die Pläne aller Interessenten genau ab und prüfen, ob sie seriös sind.“

Im Hinblick auf ein Therapiezentrum zeigt sich Manikowski zuversichtlich, auch wenn der Grundstücksverkauf noch nicht abgeschlossen sei, „aber da bin ich sehr optimistisch“. Doch was zieht die Schwaben eigentlich in die Säubrennerstadt? Gutmann: „Wir haben für unser Projekt 21 Standorte in Deutschland geprüft. In Wittlich findet sich die einzige Fläche mit einem rechtskräftigen Bebauungsplan für unser Pilotprojekt.“

Bauausschuss Die geplante Ansiedlung im Sondergebiet „Gesundheitspark“ in St. Paul wird vom Bauausschuss der Stadt Wittlich positiv aufgenommen. „Die Bauvoranfrage entspricht dem geltenden Bebauungsplan“, sagt Albert Klein, Erster Beigeordneter der Stadt Wittlich.

Weiterführende Pläne Gutmanns, das Therapiezentrum durch eine Kita und Praxen für die Traditionelle Chinesische Medizin und ein Sportstudio zu erweitern, könnten in Absprache mit dem Kreisjugendamt gegebenenfalls in einem weiteren Bauabschnitt realisiert werden.

„Aus planungsrechtlicher Sicht bestehen gegen das geplante therapeutische Zentrum mit gerontopsychiatrischer Pflege und Prävention mit beginnenden demenziellen Erfahrungen keine Bedenken“, urteilt der Bauausschuss, dessen Mitglieder bei der Vorstellung des Projekts gebannt zuhören.

Projektentwickler Gutmann und Architekt Burkhard wollen nach Eingang eines positiven Bescheids des Bauamtes zu ihrer Bauvoranfrage mit der Grundstücksentwicklungsgesellschaft in die Verhandlungsgespräche zum Grunderwerb einsteigen und einen Bauantrag stellen.

 3D-Grafik zum geplanten Therapiezentrum für Demenzkranke
3D-Grafik zum geplanten Therapiezentrum für Demenzkranke Foto: Hans-Peter Burkhardt

Wenn alles nach Plan laufe, sagt Gutmann, könne die Einrichtung voraussichtlich 2022 eröffnen.