Tiefenentspannt in das neue Amt

In Traben-Trarbach beginnt ein neues Zeitalter. Die SPD stellt den Stadtbürgermeister und ist stärkste Fraktion im Rat. Die von der CDU verursachten Querelen, die der Partei massiv schadeten, spielten in der konstituierenden Sitzung nur eine Nebenrolle.

Traben-Trarbach. Patrice Langer (SPD) bemüht Fußball-Nationaltrainer Jogi Löw, bevor er den Sitzungssaal im Alten Bahnhof betritt. "Ich bin noch tiefenentspannt", sagt er. Wenig später, als ihn Vorgängerin Heide Pönnighaus (CDU) zum neuen Traben-Trarbacher Stadtbürgermeister ernannt und die Vereidigung vorgenommen hat, nimmt er wieder eine Anleihe bei den Fußballern. "Heute ist ein denkwürdiger Tag - Deutschland steht im WM-Halbfinale", sagt er. Die vielen Zuschauer der Zeremonie hatten eher erwartet, dass er den Triumph der SPD meint. Zum ersten Mal stärkste Fraktion im Stadtrat, zum ersten Mal ein direkt gewählter Stadtbürgermeister.
Deshalb ist der Tag natürlich auch für die Traben-Trarbacher SPD (siehe Extra) und den neuen Mann an der Spitze der Stadt denkwürdig. Der Begriff neu hat für Patrice Langer eine weitere Bedeutung. Die konstituierende Sitzung des Rates ist die erste kommunalpolitische Versammlung, an der der 60-Jährige aktiv teilnimmt - und dann gleich als Stadtoberhaupt.
"Einen Rückblick erspare ich mir, blicken wir nach vorne", sagte er in seiner kurzen Antrittsrede. Er wolle Politik transparent machen und mit allen handelnden Leuten konstruktiv zusammenarbeiten. Positive Zeichen gebe es schon. "Ich will das Wir-Gefühl stärken. Gemeinsam können wir viel bewegen." Da ist ihm der erste starke Beifall gewiss.
Bei der Verabschiedung von Heide Pönnighaus, die zehn Jahre im Amt war, erheben sich alle Ratsmitglieder und die Zuschauer von den Plätzen. Auch die der CDU, die ihr in Teilen nicht wohlgesonnen war und sie am liebsten bereits früher entmachtet hätte (der TV berichtete). "Ich freue mich, dass ich nun keinen Dienst mehr habe. Aber es ist auch ein klein bisschen Wehmut dabei", sagt sie. Vieles sei in ihrer zehnjährigen Amtszeit auf den Weg gebracht worden. Sie erinnert an den Weihnachtsmarkt und die Traben-Trarbacher Unterwelt mit ihren 32 Kellern. Beides habe sich zu Besuchermagneten entwickelt.
Zu den Vorkommnissen der vergangenen Jahre kommt nur so viel von ihr: "Mein christliches Fundament hat mir über Anschuldigungen und Beschimpfungen hinweg geholfen." Sie habe auch immer gesagt: "Wir bleiben fröhlich". Genau mit diesem Satz räumt sie dann auch ihren Stuhl.
Der Rat wählt auch die drei Beigeordneten: Es sind Hajo Weinmann (SPD), Kurt Haag (FWG) und Frank Udo Mittelmann (SPD). Das zeigt: SPD/FDP und FWG bestimmen die kommenden fünf Jahre, wo es lang geht. Sie haben die Mehrheit im Rat.
Bei den drei Wahlen gibt es nur einmal einen Gegenkandidaten. Die CDU nominiert Hubertus Kesselheim gegen Kurt Haag. Der setzt sich mit 15 zu sieben Stimmen durch.
Hajo Weinmann beendet den Wahlgang mit ein paar in die Zukunft gerichteten Worten. "Von einem Neuanfang möchte ich nicht sprechen", sagt er und appelliert gleichzeitig: "Wir sollten uns für das Gemeinwohl einsetzen, damit wir wieder stolz sein können dieser Stadt anzugehören. Das war zuletzt vielleicht nicht so."Meinung

Zartes Pflänzchen schaut hervor
Vielleicht sollte es so sein. Weil CDU-Fraktionssprecher Hubertus Kesselheim zu spät kam, verpasste er die Verpflichtung der Ratsmitglieder durch Heide Pönnighaus. Als Kesselheim Platz nahm, war Pönnighaus nicht mehr im Amt. Patrice Langer übernahm die Verpflichtung. Die beiden Herren werden in den kommenden fünf Jahren maßgeblich an der Entwicklung der Stadt mitarbeiten. Beim TV-Forum spielten sie sich schon die Bälle zu, als passe kein Stück Papier zwischen sie. Beide können offenbar miteinander und haben sich vorgenommen nur nach vorne zu schauen Langer muss versuchen, dass er in der zerrissenen Stadt ein Wir-Gefühl erzeugt. Kesselheims Auftrag ist es auch die Wogen in den CDU-Reihen zu glätten. Ein zartes Pflänzchen Hoffnung ist da, der Regen der in den vergangenen Tagen vom Himmel kam, bewässert es symbolisch. Es braucht noch viel davon. c.beckmann@volksfreund.deExtra

 Die neuen Beigeordneten (von rechts): Hajo Weinmann (SPD), Kurt Haag (FWG), Frank Mittelmann (SPD). TV-Foto: Clemens Beckmann
Die neuen Beigeordneten (von rechts): Hajo Weinmann (SPD), Kurt Haag (FWG), Frank Mittelmann (SPD). TV-Foto: Clemens Beckmann

Bei der Stadtratswahl am 25. Mai gewann die SPD 14, 1 Prozent hinzu, die CDU verlor 16,6 Prozent. Die SPD ist nun im 22-köpfigen Rat mit neun Sitzen (plus drei) diestärkste Fraktion. Die CDU verlor drei Mandate und hat noch sieben Sitze. Die FWG (drei Sitze), erstmals die Grünen (zwei Sitze) und die FDP (ein Sitz) komplettieren den Rat. Da die FDP keinen Fraktionsstatus hat, findet sie Aufnahme bei der SPD. Die Liberalen hatten bei der Stadtbürgermeisterwahl den Kandidaten der SPD, Patrice Langer, unterstützt. cb