Tiere im Fokus der Kamera
Von Dezember bis Februar haben 825 Tiere die Wildbrücke bei Wittlich überquert. Ein modernes Überwachungssystem ermöglicht die lückenlose Erfassung des Wildverkehrs. Der Bau der Drei-Millionen-Euro-Brücke bei Greimerath soll noch im Frühjahr starten.
Wittlich. Jährlich sterben deutschlandweit 202 000 Rehe, 16 000 Wildschweine und 3100 Hirsche, weil sie überfahren werden. Im Bereich der Autobahnpolizei Schweich waren es 2008 noch 150 Tiere. Nach dem Bau des Wildzauns und der Wildbrücke an der A 1 bei Wittlich waren es nur 115 Tiere. Im direkten Umfeld der Brücke und des Wildzauns hat Günter Zisch, stellvertretender Dienststellenleiter der Autobahnpolizei Schweich, 2010 noch gar keinen Wildunfall registriert. "Die Tiere nehmen die Wildbrücke bei Wittlich an", sagt er.
Das beweisen die Zahlen, die dem TV zum Wildverkehr vorliegen. Von Anfang Dezember 2009 bis Ende Februar 2010 haben 825 Tiere die Brücke bei Wittlich überquert. Das sind pro Monat 275 Tiere und pro Tag etwa neun.
Der Wildverkehr auf der Brücke kann so genau beziffert werden, weil seit Juni 2009 eine hochmoderne Kamera installiert ist. Das ist fast einzigartig in Deutschland. Nur im Nordosten auf der A 11 zwischen Berlin und Stettin wird eine Grünbrücke ähnlich überwacht.
"Die Kamera eröffnet uns einmalige Möglichkeiten", sagt Matthias Herrmann, der im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität (LBM) die Auswertung der Daten übernommen hat. Mit den Zahlen ist er sehr zufrieden. "Der Wildverkehr liegt über unseren Erwartungen." Vor allem Rehe nutzen die Grünbrücke - 620 von Dezember bis Februar.
Die Kameratechnik stammt von der Firma Securiton. Das Sicherheitsunternehmen aus Achern in Baden-Württemberg baut eigentlich Sicherheitssysteme. Auf der Brücke ist eine Videoüberwachungsanlage mit modernster Videoanalysesoftware im Einsatz. "So eine Wildtierbeobachtung war für uns etwas Besonderes", sagt Cornelia Kaltenbach, die sich bei Securiton um das Projekt in Wittlich gekümmert hat. Fast jedes Tier, das die Wildbrücke überquert, werde registriert. Nur bei Mäusen oder Wieseln sei es problematisch.
Die Brücke bei Wittlich wurde gebaut, um die Naturzerstörung im Rahmen des Baus der B 50 neu auszugleichen. Noch im Frühjahr soll laut Hans-Michael Bartnick, stellvertretender Dienststellenleiter des LBM in Trier, der Bau der nächsten A 1-Wildbrücke bei Greimerath starten. Der Auftrag für das etwa drei Millionen Euro teure Bauwerk werde in den nächsten Wochen vergeben. "Die Fertigstellung ist für Herbst 2011 vorgesehen - wenn alles gutgeht", sagt Bartnick. Diese Brücke soll 34 Meter lang und 45 Meter breit werden - 15 Meter breiter als die bei Wittlich. Sie wird aus dem Konjunkturpaket II finanziert.
Ob eine weitere Brücke sinnvoll ist? Herrmann stellt die Gegenfrage: "Würden Sie als Wanderer den Umweg in Kauf nehmen wollen?" Auch Bartnick sieht die beiden Brücken nicht in Konkurrenz zueinander. Beide vernetzten durch Straßenbau getrennte Lebensräume und gewährten den Gen austausch unterschiedlicher Populationen. Der Steuerzahlerbund ist ebenfalls nicht prinzipiell gegen Wildbrücken. Es müsse aber geprüft werden, ob sie kostengünstig gebaut werden und was sie nutzen, sagt Stefan Winkel, Sprecher des Steuerzahlerbundes in Mainz. Die Überwachung des Wildverkehrs wie in Wittlich bringt über den Nutzen neue Erkenntnisse. Extra In Deutschland gibt es insgesamt 36 Wildbrücken über Autobahnen und Bundesstraßen. Ebenso viele sind in der Planung. Im Kreis Bernkastel-Wittlich sind ebenfalls zwei weitere Brücken im Rahmen des Baus der B 50 neu geplant. Noch 2010 sollen sie zwischen Longkamp und Graach gebaut werden. (cmk)