Tierheim erteilt Uniklinik eine Absage

Tierheim erteilt Uniklinik eine Absage

Das Eifeltierheim in Altrich wird nicht wie angekündigt infizierte Tiere für eine Studie an die Münchner Uniklinik geben. Der Grund: Die Genehmigungsbehörde bewertet die Untersuchungen als Tierversuche eines noch nicht erprobten Medikaments. Tierheimleiter Rainer Kordel war von einer Untersuchung zu einer fertigen Arznei ausgegangen. Er kritisiert außerdem, dass Heimtiere dafür nicht zugelassen seien.

Altrich/München. Rainer Kordel, Leiter des Altricher Eifeltierheims, das derzeit aus allen Nähten platzt, ist zerknirscht. "Ich komme mir vor wie der Depp der Nation", sagt er. Natürlich hatte er mit Kritik an der Entscheidung gerechnet, sieben mit Katzen-Aids infizierte Tiere nach intensiver Prüfung für eine Medikamentenstudie an die Münchner Uniklinik zu geben (der TV berichtete). Doch war er nicht darauf gefasst, dass die Kritiker recht behalten sollten mit ihrer Befürchtung, es gehe um Tierversuche.

Dies bestätigt nun jedoch die Regierung des Bezirks Oberbayern auf TV-Anfrage. Sie wertet die Untersuchung, die im Februar an der Uniklinik anlaufen sollte, als Tierversuch, allerdings als genehmigten Tierversuch.

Was ist der Unterschied zwischen Studie und Tierversuch? Laut Behördensprecher Heinrich Schuster sind Tierversuche Behandlungen beispielsweise zur Erprobung eines Medikaments, bei denen die Tiere beeinträchtigt werden können. Sie dienen wissenschaftlichen Zwecken. Im Gegensatz dazu spricht Schuster von klinischer Studie, wenn ein Mittel bereits in Tierversuchen erprobt wurde. Mit Hilfe einer solchen Studie soll Arznei vor der Zulassung an möglichst vielen Patienten unter alltäglichen Bedingungen getestet werden.

Tierheimleiter Kordel fühlt sich von den Münchner Wissenschaftlern getäuscht. Sie hätten den Eindruck vermittelt, das Medikament sei fertig erprobt, und Tierversuche seien nicht mehr nötig, sagt er. Dem TV hatte Professorin Katrin Hartmann, Direktorin des Münchner Zentrums für Klinische Tiermedizin, ursprünglich gesagt: "Das Medikament wurde schon von anderen in echten Tierversuchen erprobt, wir dürfen so was nicht machen."

Doch nun versteht Hartmann Kordels Vorwurf nicht. Sie sei sich sicher, dass ihre Mitarbeiterin alles richtig erklärt habe, teilt sie mit.

Sie selbst vermischt jedoch in ihrer Stellungnahme die Begriffe. Einerseits spricht sie von einer klinischen Studie zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Medikaments. Voruntersuchungen zur Giftigkeit habe es an einer anderen Uni gegeben. Andererseits lobt sie die strengen deutschen Bestimmungen, die solche Studien als Tierversuche prüfen würden.

Doch es gibt noch mehr Irritationen zwischen Altrich und München. Für Kordel ist klar: "Wir hätten uns strafbar gemacht, wenn wir unsere Tiere, die nicht privat und noch hier sind, zur Untersuchung weggegeben hätten. Das hätte unseren guten Ruf geschädigt." Hintergrund: Die Forscher haben zwar die Ausnahmegenehmigung, das Medikament an Patienten statt an speziell für Versuchen gezüchteten Tieren vorzunehmen, aber diese Genehmigung gilt nur für private Vierbeiner.

Regierungssprecher Schuster sagt: "Dass die Tiere aus Tierheimen stammen, kam bei dem Genehmigungsverfahren nicht zur Sprache." Die Regierung habe deswegen mit dem Zentrum für Tiermedizin Kontakt aufgenommen. Sie wolle erst mit der dortigen Antragstellerin reden, bevor sie den Medien mitteile, ob sie gegen die Klinik vorgehe.

Hartmann sieht auch in diesem Punkt kein Problem. Von Anfang an sei geplant gewesen, die wegen ihrer Krankheit schwer vermittelbaren Tiere aus Altrich an Tiermedizin-Studenten zu vermitteln, sagt sie. Kordel überzeugt sie damit nicht. Er ist froh, dass er sein Vorhaben von Anfang an öffentlich gemacht hat.

Dies habe durch hartnäckiges Nachforschen einer Tierschützerin dazu geführt, die Irrtümer aufzudecken. Kordel will seine Katzen nicht mehr an Studien teilnehmen lassen, auch wenn er nach wie vor glaubt, dass die Tiere in München gut versorgt worden wären.