Tierischer Familienzuwachs

REIL. (khg) Bis Ende Mai war bei Marlies und Elmar Barzen, die zusammen mit Kater Moritz und Labrador Cay in Reil wohnen, die Welt noch in Ordnung. Dies änderte sich an einem der letzten Maitage schlagartig.

Kater Moritz kam gegen 5 Uhr von einem seiner nächtlichen Streifzüge heim und brachte eine junge Elster als Beute mit. Der Vogel war arg ramponiert und schrie laut um sein Leben. Hausherrin Marlies Fleischer-Barzen konnte ihn gerade noch auffangen. Elmar Barzen: "Warum Kater Moritz den Vogel am Leben ließ, können wir bis heute noch nicht nachvollziehen." Tierlieb wie Marlies ist, päppelte sie den jungen Vogel mit Würmern, Rührei und Tartar auf, und ein Käfig musste her. Im Laufe der nächsten Wochen erholte sich die Elster leidlich. Inzwischen musste Jakob - diesen Namen hatte der Findling erhalten - alle zwei Stunden gefüttert werden. Auch dies nahm Marlies Barzen auf sich, und so wurde Jakob zum Liebling in Marlies Beschäftigungsfirma. Im weiteren Verlauf der Rettungsaktion wurde Jakob das Fliegen beigebracht. Der heimische Garten diente als Trainingsgelände, und so machte Jakob nach vier Wochen die ersten Alleinflüge. Der Vogel hatte inzwischen in seinem Käfig Quartier bezogen, immer in Reichweite von Kater Moritz, der ihn mit Argusaugen beobachtete. Hund Cay ließ das Geschehen eigentlich kalt, er hielt sich aus allem heraus. Nach Pfingsten wurde dann der erste Spaziergang unternommen, wobei die Elster meist auf den Schultern von "Frauchen" zu finden war. Katze und Hund liefen hinterher. Nach seinen ersten Flugtagen tauchte Jakob eines Abends nicht mehr auf. Die Familie machte sich Sorgen und erkundigte sich vergebens bei der Nachbarschaft. Doch als der Hausherr nach einem Besuch des Schornsteinfegers einen Kontrollgang im Heizungskeller machte, bemerkte er ein Scharren bei den Kaminöffnungen und fand dort den vermissten Vogel. Inzwischen hat sich das Leben bei Familie Barzen wieder normalisiert. Jakob nutzt seine Freiheit, kehrt jedoch regelmäßig in den offen stehenden Käfig zurück. Er begrüßt seine Ersatzeltern immer morgens und abends. Auch die Nachbarn und die Gäste der umliegenden Gästehäuser haben sich an Jakob gewöhnt. Falls er einmal nicht mehr auftaucht, wird er nicht nur der Familie Barzen fehlen. Eines hat Elmar Barzen aus der Sache lernen können. Eine Elster ändert sich nie. Der Vogel verschleppt wie alle seine Artgenossen Münzen, Bleistifte und sonstige Sachen. Trotzdem ist Jakob für ihn ein sympathischer Vogel.