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Tierpark in Birkenfeld steht vor dem Aus

Tiere : Birkenfelder Tierpark kämpft ums Überleben

Interner Streit und zu wenig helfende Hände: Der Betreiberverein steht ohne Vorstand da und der Bestand muss reduziert werden.

Der Fortbestand des kleinen Zoos vor den Toren der Kreisstadt Birkenfeld steht auf der Kippe: Denn beim Betreiberverein liegt noch mehr im Argen, als in der Gerüchteküche gemunkelt wurde.

Diese Erkenntnis hat die außerordentliche Mitgliederversammlung gebracht, bei der eine wichtige Frage offen blieb, aber auch eine traurige Konsequenz gezogen wurde. Die Anwesenden benannten ein Vierergremium um die bisherige zweite Vorsitzende Tatjana Fischer und den Beisitzer Karl-Heinz Junietz, das die Aufgabe hat, die Reduzierung des derzeit rund 250 Lebewesen umfassenden Tierbestands, vor allem der größeren Vertreter wie Esel, Schafen, Ziegen oder Damwild, in die Wege zu leiten.

Geschehen soll dies durch die Vermittlung der Tiere an andere Parks oder deren Verkauf beziehungsweise Abgabe an Interessierte. Im Fall des Wilds könnte dafür auch der Abschuss infrage kommen. Wie Fischer erklärte, wird es eine Schlachtung von anderen Tieren auch gemäß der Regelungen in der Vereinssatzung nicht geben, da diese keine Ohrmarken tragen und somit kein Herkunftsnachweis existiert.

Eine gewisse Anzahl an bestimmten Gattungen soll aber erhalten bleiben. Beispielsweise wurde in der Runde vorgeschlagen, dass von den fünf Eseln noch ein Pärchen bleiben soll. Schließlich sollen die Besucher im Park, der vor allem bei Familien mit kleineren Kindern beliebt ist, auch in Zukunft noch genug Tiere zu sehen bekommen, sofern die Existenz der Einrichtung überhaupt gesichert werden kann.

Denn dahinter muss vorerst ein Fragezeichen gesetzt werden: Am Freitag, 25. November, wird die Mitgliederversammlung, die am Samstag offiziell nicht beendet wurde, fortgesetzt. Dann wird eine Entscheidung hinsichtlich des aktuell vertagten Punkts „Neuwahl des Vorstands oder Auflösung des Vereins“ fallen müssen.

Denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Verein völlig führungslos. Das wurde in der Sitzung deutlich, die vertretungsweise von VG-Bürgermeister Bernhard Alscher geleitet wurde. Er ist als kooptiertes Vorstandsmitglied zwar beratungsbefugt, aber nicht stimmberechtigt. Das gilt auch für den ebenfalls anwesenden Stadtchef Miroslaw Kowalski. Zudem verfolgten die beiden Beigeordneten Christine Tholey-Martens und Hans-Peter Lampel das Geschehen, was die Bedeutung des Treffens und den Ernst der Lage zusätzlich deutlich machte.

Vor der Versammlung hatte nicht nur der in Reha befindliche Vorsitzende Michael Baehr schriftlich seinen Rücktritt erklärt, sondern zu diesem Schritt hatten sich auch dessen Stellvertreterin Fischer, die Kassiererin Monika Moosmann, Schriftführerin Carmen Schuhmacher und mehrere der insgesamt fünf Beisitzer im derzeit noch rund 100 Mitglieder zählenden Verein entschlossen.

Die bisherige Vereinsvize Fischer sprach unumwunden von einer „mangelhaften Situation“. Sie selbst habe sich Anfang des Jahres dem Verein angeschlossen und erst einmal selbst recherchieren müssen, was und wie viel die von ihr versorgten Tiere an Futter benötigen. „Dafür gab es keinen Plan.“ Sie beklagte zudem, dass viel zu wenige Mitglieder mithelfen würden.

Eine weitere Schwierigkeit, die auch mit Corona zusammenhängt, bestehe darin, dass ein regelmäßiger Betrieb der vereinseigenen Gaststätte kaum zu bewerkstelligen und die Suche nach einem Pächter dafür derzeit fast aussichtslos sei. Die Einnahmen aus der Gastronomie hätten aber eine eminente finanzielle Bedeutung für den Verein, der immerhin noch schwarze Zahlen schreibt und derzeit noch rund 11.000 Euro in der Kasse hat.

Fischer sprach aber auch klar und deutlich an, „dass es viel Stunk untereinander gibt“, was auch Kassiererin Moosmann bestätigte. Fischer betonte, es gebe vor allem ein Mitglied, das schon lange im Verein tätig sei und Unfrieden stifte. Ein junger Mann, der voriges Jahr über eine Maßnahme der Arbeitsagentur im Park mithalf, betonte in der Versammlung, dass er diese Erfahrung ebenfalls gemacht habe.

Er erhob noch weitere Vorwürfe. So hätten sich einige Mitglieder private Vorteile verschafft, weil sie ihre Tiere im Park gehalten hätten. Sie hätten sich so die Kosten für die Fütterung gespart.

Fischer wiederum kritisierte, dass das konkret angesprochene Mitglied beispielsweise wiederholt eine nicht vereinsangehörige Person mitgebracht habe, obwohl diese schon mehrfach Ärger gemacht und deshalb eigentlich Hausverbot habe. „Das wusste ich nicht“, sagte das ebenfalls in der Versammlung anwesende Mitglied, das sich ansonsten mit Wortmeldungen in der Debatte zurückhielt, zu diesen Vorwürfen. Andere Mitglieder wiederum verteidigten den Kritisierten und wiesen darauf hin, dass er schon lange Jahre wichtige Arbeiten übernehme.

Andere Mitglieder sahen das gänzlich anders und erklärten, dass der Angesprochene beispielsweise die unsachgemäße Lagerung einer Spende von großen Heuballenrollen zu verantworten habe.

Auch davon, dass sogar Nichtmitglieder unbefugterweise Schlüssel für Gebäude im Tierpark besitzen und dort ein- und ausgehen, war in der Versammlung die Rede. Dort wurde auch von einem Vorkommnis berichtet, dass eine Person einfach in die Kasse der Vereinsgaststätte gegriffen habe, was wohl kein Einzelfall gewesen sei.

Da das in erster Linie kritisierte Vereinsmitglied später über seinen Tischnachbarn erklären ließ, dass er in Zukunft dem Tierpark fernbleiben werde, erklärte unter anderem Fischer zumindest ihre Bereitschaft, bis zur Fortsetzung der Versammlung am 25. November ihre Arbeit für den Verein fortzusetzen und im Vierergremium bei der Reduzierung des Tierbestands mitzuwirken.

Ob Hahn, Esel oder Gans: Die Zukunft der Bewohner des Birkenfelder Tierparks ist ungewiss. Denn dem Betreiberverein droht die Auflösung, wenn sich kein neuer Vorstand findet. Die Mitgliederversammlung hat schon jetzt entschieden, dass der Tierbestand reduziert werden soll. Das betrifft zum Beispiel die Esel, die teilweise abgegeben werden sollen.
Ob Hahn, Esel oder Gans: Die Zukunft der Bewohner des Birkenfelder Tierparks ist ungewiss. Denn dem Betreiberverein droht die Auflösung, wenn sich kein neuer Vorstand findet. Die Mitgliederversammlung hat schon jetzt entschieden, dass der Tierbestand reduziert werden soll. Das betrifft zum Beispiel die Esel, die teilweise abgegeben werden sollen. Foto: TV/Reiner Drumm

„Das spezielle Problem besteht darin, dass es hier einen vorstandslosen Verein gibt, der Tiere hat“, sagte Alscher. Deren Versorgung – im Park gibt es unter anderem noch zahlreiche Kleintiere wie Hühner, Meerschweinchen oder exotische Vögel – müsse weiter gewährleistet sein. Dass man dafür sorgen wolle, wurde seitens der anwesenden Mitglieder und Helfer auch zugesichert. Der Rathauschef hat auch noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben, dass bis zum 25. November eine Lösung gefunden werden kann, um den Fortbestand des Vereins zu ermöglichen. „Denn der Tierpark sollte unbedingt erhalten werden. Er hat eine überregionale Bedeutung“, betont Alscher. Das sieht auch Kowalski so: „Wir geben unseren Tierpark nicht auf“, sagte der Stadtbürgermeister und stellte klar, dass er die Reduzierung des Tierbestands angesichts der Personalnot im Verein als vernünftigen Schritt ansieht.