Todessturz nach Kirmesbesuch in Wittlich: Prozess in Trier beginnt

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus mehr als neun Metern : Todessturz nach Kirmesbesuch: Prozess beginnt

Vor der Schwurgerichtskammer des  Landgerichts Trier muss sich ein 26-Jähriger aus Wittlich verantworten. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Es war an den Tagen der Säubrennerkirmes 2019, als sich in einem Mehrfamilienhaus am Pleiner Weg in Wittlich ein tödliches Drama abspielte. Am Ende lag in der Nacht zum 17. August eine schwerstverletzte junge Frau vor dem Haus. Sie war aus fast zehn Metern Höhe von ihrem Balkon auf eine Stahlplatte in der Garageneinfahrt gestürzt. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

Verantwortlich für ihren Tod ist nach Auffassung der Trierer Staatsanwaltschaft ihr 26 Jahre alter Freund. Der junge Mann war erst einige Wochen zuvor nach einer mehrjährigen Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen worden. Seit dem 17. August sitzt er wieder in Untersuchungshaft.

In der Anklageschrift von Staatsanwalt Arnold Schomer heißt es dazu: Der Angeklagte und die Frau kannten sich seit längerer Zeit. Während der Hafturlaube des Mannes soll sich seit Februar 2019 erneut eine Liebesbeziehung entwickelt haben. Nach seiner Haftentlassung am 2. Juli zog er in ihre Wohnung am Pleiner Weg, wo es zwischen den beiden doch bald schon zu verbalen Streitereien gekommen sein soll. Am Abend des 16. August sei das Paar zusammen mit einigen Bekannten auf die Säubrennerkirmes gegangen. Zuvor habe man in der Wohnung noch alkoholische Getränke – darunter Wodka – konsumiert. Auf dem Kirmesplatz  wurde weiter getrunken. Sie habe auch Marihuana geraucht. Nicht zuletzt deshalb soll es dann zum Streit zwischen den beiden gekommen sein. Denn er habe ihr Vorwürfe gemacht. Staatsanwalt Schomer dazu ergänzend: „Die Betroffene war wegen ihres Marihuanakonsums schon einmal in der Wittlicher Psychiatrie behandelt worden.“ Gegen 22.45 Uhr sei der Angeklagte dann in die gemeinsame Wohnung gegangen, um „seine Sachen zu packen“. Später, nach 22.30 Uhr, sollen sich beide nochmals auf dem Kirmesplatz getroffen haben. Dort habe er ihr vor Zeugen den Wohnungsschlüssel zurückgegeben, wobei es allerdings erneut zu Streit und „Schubsereien“ gekommen sei. Danach habe sie den Heimweg angetreten und er auf der Kirmes zunächst weiter Alkohol getrunken. Gegen 23.30 Uhr sei auch er zurück zum Pleiner Weg gegangen. Als sie ihm dort nicht öffnete, habe er die Wohnungstür eingetreten.  Danach muss es zu weiterem Streit gekommen sein, der dann offenbar eskalierte. In der Anklageschrift heißt es: Der Angeklagte soll die Frau zweimal kräftig geohrfeigt haben. Daraufhin habe sie ihn gekratzt. Dann soll sie auf die Dachterrasse geflüchtet sein. Er kam hinterher.  Vermutlich dort habe er sie mit einem Messer unter das Kinn gestochen. Die Folge sei eine 1,5 Zentimeter breite Schnittwunde gewesen. Dann soll er die 1,66 Meter große Frau, die gellende Hilfeschreie ausgestoßen habe, mit dem Rücken gegen das 83 Zentimeter hohe Balkongeländer gedrängt haben. Dabei sei sie rücklings über die Brüstung hinunter in die Garageneinfahrt gestürzt. Die Fallhöhe wurde später mit 9,35 Meter ermittelt. Beim Aufprall habe die Frau ein Polytrauma (siehe Info) erlitten. Mitbewohner aus dem Haus hätten sofort den Notarzt alarmiert und mit Sofortmaßnahmen versucht, der Schwerverletzten zu helfen. Auch der Angeklagte habe sich an den Rettungsversuchen beteiligt. Vergeblich: Am Morgen des 17. August, 8.30 Uhr, wurde im Krankenhaus der Hirntod festgestellt. Um 15 Uhr stellten die Ärzte alle lebenserhaltenden Maßnahmen ein.

Beim Angeklagten wurde um 0.52 Uhr eine Atemalkoholkonzentration von 2,16 Promille gemessen. Eine Blutprobe um 3 Uhr ergab noch 1,73 Promille. Der 26-Jährige kündigte zum Verhandlungsauftakt am Dienstag an, dass er sich im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme zur Person und den Tatvorwürfen äußern werde.

Die Verhandlung der Schwurgerichtskammer wird an diesem Mittwoch, 14 Uhr, fortgesetzt.