Schwerer Unfall bei Platten: Tödlicher Ausflug: Bewährungsstrafe für 23-Jährigen

Schwerer Unfall bei Platten : Tödlicher Ausflug: Bewährungsstrafe für 23-Jährigen

Ein 23-Jähriger ist zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Er hat im Sommer 2017 bei Platten einen Unfall verursacht, bei dem eine Frau gestorben ist.

Es war der Zufall, der einen jungen Mann und eine 79-jährige Frau Ende Juli in die Region führte. Doch für beide nahm dieser Samstag ein schlechtes Ende: Weil bei einem von dem 23-Jährigen verursachten Unfall auf der B 50 bei Platten die Frau aus Nordrhein-Westfalen gestorben ist und mehrere Menschen verletzt wurden, stand der Fahrer am Montag vor dem Amtsgericht Wittlich.

Die Anklage Die Staatsanwaltschaft Trier wirft dem Mann fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Straßenverkehrsgefährdung vor. Er soll mit mindestens 110 km/h gefahren sein, als der Unfall passierte. Zudem soll er laut Anklageschrift 0,75 Promille gehabt haben. In einer langgezogenen Rechtskurve der B 50 in Höhe von Platten sei er, so die Vorwürfe, von Zeltingen-Rachtig kommend nach links von seiner Fahrspur abgekommen und habe das Heck eines Fahrzeugs touchiert, bevor er frontal mit einem anderen Fahrzeug kollidiert sei, in dem die 79-Jährige saß. Das Fahrzeug des Angeklagten habe noch ein drittes Auto im Frontbereich leicht touchiert, bevor es in den Graben geschleudert sei. Der Angeklagte und seine beiden Beifahrer wurden ebenfalls verletzt, mussten mit der Rettungsschere aus dem Auto befreit werden.

Die Aussage des Angeklagten Der 23-Jährige, der nicht vorbestraft ist, räumte seine Schuld ein. Allerdings habe er aufgrund seiner Verletzungen fast keine Erinnerungen mehr an den Unfall und den Tag davor, an dem er sich mit einem Freund von Freiburg auf den Weg an die Mosel zu einem gemeinsamen Freund gemacht hat. Danach sei alles „ein großes schwarzes Loch“. Er habe keine Zweifel, dass er das Auto gefahren hat. Er lag drei Tage im Koma und leide noch heute unter den Folgen der beim Unfall erlittenen Verletzungen, vor allem der Hirn- und Kopfverletzungen.

Die Aussage des Gutachters Laut Aussage des Gutachters ist der Fahrer mit 110 bis 120 Stundenkilometern unterwegs gewesen, und damit laut Gutachter, der ortskundig ist, zu schnell. Laut Gutachter sollten in der besagten Kurve nicht mehr als 80 km/h gefahren werden.Technische Mängel an den Unfallfahrzeugen habe es nicht gegeben.

Die Aussage der Zeugen Von einem Trümmerfeld auf der Straße sprach eine Frau vor Gericht, deren Auto von dem des Unfallverursachers touchiert wurde. Sie war dem Auto des jungen Mannes ausgewichen, als dieser auf ihre Fahrbahn fuhr. Anschließend sei der Toyota des heute 23-Jährigen mit lautem Knall gegen die anderen Autos gefahren. Darunter war auch der Wagen des heute 82-Jährigen, in dessen Auto die Verstorbene saß. Er sagte aus, keine Gelegenheit gehabt zu haben, dem Wagen des 23-Jährigen auszuweichen.Ein weiterer Zeuge sagte aus, dass der Angeklagte seiner Erinnerung nach „viel zu schnell“ unterwegs gewesen sei. Die beiden Mitfahrer des Angeklagten sagten aus, sich am Vorabend getroffen und Alkohol getrunken zu haben.

Die Plädoyers Der Staatsanwalt forderte ein Jahr Haft ohne Bewährung, zudem den Entzug des Führerscheins für ein Jahr. Er sah es als erwiesen an, dass der 23-Jährige das Auto gefahren ist und 0,75 Promille zum Unfallzeitpunkt gehabt hat.

Die Folge seien alkoholbedingte Enthemmungen und ein Fahrfehler gewesen. So habe er vorsätzlich gehandelt. Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe. Er bezeichnete das Geschehen am Unfalltag als „eine tragische Ereigniskette“. Der Anwalt betonte die Schwierigkeiten seines Mandanten, die dieser aufgrund des Unfalls im Alltag hat. Im Gefängnis werde er „untergehen“.

Das Urteil Richterin Silke Köhler sprach den Angeklagten in allen Fällen für schuldig. Sie verurteilte den 23-Jährigen zu einem Jahr Haft auf Bewährung, und er darf ein Jahr lang in Deutschland kein Auto fahren.

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