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Toller Ausblick und Bewirtung reichen nicht

Toller Ausblick und Bewirtung reichen nicht

Die Bürger sind eingeladen, sich Gedanken über die Nutzung der Burg Landshut zu machen. Zumindest kulturell soll das Gemäuer eine Belebung erfahren: mit Theater und Konzerten.

Bernkastel-Kues. Weit schweift der Blick von der Burgruine Landshut über das Moseltal, vor allem auf die Altstadt von Bernkastel und über Kues. Trutzig thront das Gemäuer über der Mosel. Wäre die Burg ein historisches Kleinod mit zur Besichtigung stehenden Räumen, wäre sie ein Renner. Doch als Ruine hat sie nur eine Gaststätte aufzuweisen und eben den tollen Ausblick. In der Haushaltsdebatte des Stadtrats tauchte sie Ende 2007 mehrfach auf: gebündelt in dem Wunsch, ein Nutzungskonzept zu erstellen. Das soll nun geschehen. Zuerst sollen alle vorhandenen Daten und Pläne sowie Ideen zusammengeführt werden. Diese Bestandserhebung mündet dann in eine Analyse. Mit der Bestandserhebung betraut ist die Entwicklungsagentur. Bis 31. Juli haben sogar die Bürger die Möglichkeit, sich Gedanken über die Nutzung der Burg zu machen. "Sie sehen das mit anderen Augen", hofft Entwicklungsagentur-Leiterin Sandra Heckenberger auf viele Vorschläge per Brief, Fax oder E-Mail. Für Stadtbürgermeister Wolfgang Port spielt die Logistik, in diesem Falle die Erreichbarkeit, eine wichtige Rolle. Die Burg verfügt über keine Parkplätze. Solche stehen einige Meter oberhalb bei der Jugendherberge zur Verfügung. Von dort geht es zu Fuß steil zur Burg hin ab und auf dem Rückweg wieder hoch. In der Schublade liegen seit Jahren Pläne für eine Seilbahn von der Stadt zur Burg. Geschätzte Investitionskosten: eine Million Euro. Zu stemmen wohl nur von einem Investor. Port kann sich, günstige Zahlen vorausgesetzt, aber auch die Stadt als Betreiber vorstellen. Ob eine Seilbahn aber überhaupt genehmigt wird, ist auch noch zu klären. Port kann sich auch vorstellen, dass interessierte Studenten ein Nutzungskonzept erstellen. Natürlich könne es auch sein, dass alles bleibt wie es ist, weil Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis zueinander stehen. Nahe liegt aber, dass der Innenhof in Zukunft öfter genutzt wird. Zum Beispiel als Bühne für Konzerte, Theater und Festspiele. Voraussetzung sei, so Port, eine "preiswerte Überdachung". Sicher werde auch über einen Verkauf der Burg nachgedacht. "Allerdings nur, wenn sie für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt", sagt Port. Meinung Der Prinz darf kräftig küssen Wie war das mit Dornröschen? Die Königstochter fiel nach dem Stich mit einer Spindel gemeinsam mit dem Hofstaat des Schlosses in tiefen Schlaf. Das Gemäuer wird von immer größer werdenden Dornenhecken umringt, die sich nach genau 100 Jahren in Rosen verwandeln. Just an diesem Tag dringt ein Prinz ins Schloss vor und küsst die Königstochter wach. Von Dornenhecken bewachsen ist die Burg Landshut nicht. Aber im Dornröschenschlaf liegt sie trotzdem. Wo ist der Prinz, der sie wach küsst? Bisher ist von ihm noch nichts zu sehen Doch langsam scheint er sich zumindest Gedanken zu machen, mit welchem Pferd er sich auf den Weg machen will. Gute Reise! Sie muss ja keine 100 Jahre dauern. c.beckmann@volksfreund.deExtraDie Burg Landshut wurde im siebten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Erzbischof Heinrich von Vinstingen und sein Nachfolger Boemund, der, so die Sage, am Doctor-Wein gesundete, errichteten ab 1277 die heutige Ober- oder Neue Burg. Erzbischof Kuno II. von Falkenstein richtete sie als Residenz her. Im 14. und 15. Jahrhundert waren die Trierer Bischöfe oft zu Gast auf der Burg und trafen dort wichtige Entscheidungen. Erzbischof Johann II., Markgraf von Baden, baute sie im 15. Jahrhundert weiter aus. Am 8. Januar 1692 wurde die Burg durch einen Brand zerstört. Sie wurde nicht mehr aufgebaut, sondern blieb Ruine. Seit 1920 ist sie im Besitz der Stadt Bernkastel-Kues.