Tornados blieben zu oft am Boden stehen

Tornados blieben zu oft am Boden stehen

Das Geschwader der Bundeswehr in Büchel hat im vergangenen Jahr unter Personalmangel gelitten und deshalb weniger Flugstunden absolviert als eigentlich geplant. Statt 5800 Stunden war das Geschwader 2014 mit seinen Tornado-Kampfflugzeugen nur 4000 Stunden unterwegs.

Brauheck/Büchel. Für einen möglichen Auslandseinsatz wie den Kampf gegen den Islamischen Staat sieht sich das Bücheler Geschwader der Bundeswehr zwar gut gerüstet, allerdings haben sich in der Bilanz für 2014 Unzulänglichkeiten aufgetan. Das hat der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33, Oberst Andreas Korb, bei einem Treffen in Brauheck (Kreis Cochem-Zell) eingeräumt. So ist die avisierte Flugstundenzahl von 5800 im Vorjahr deswegen nicht erreicht worden, weil technische Kräfte zur Vorbereitung des Tornado-Kampfflugzeugs nicht zur Verfügung gestanden haben.
Personalmangel


"Wir hatten in wichtigen Einheiten einen Personalmangel von bis zu 50 Prozent zu verzeichnen", sagte Korb. Eigentlich hätte die Zahl der Flugstunden deswegen auf unter 4000 heruntergeschraubt werden müssen, aber das sei eine Zahl, die, so Korb, "bei Weitem nicht ausreicht, um unsere Besatzungen wirklich für einen möglichen Einsatz vorzubereiten".
Es sei jedoch gelungen, aus anderen Geschwadern Personal herbeizuziehen und technische Kapazitäten anderer Verbände in Anspruch zu nehmen, sodass das Bücheler Geschwader annähernd 800 Flugstunden mehr absolvieren durfte. So habe die Bilanz 2014 bei knapp unter 5000 Flugstunden gelegen.
Optimistischer ist Korb, was die Prognose für dieses Jahr betrifft. So soll das Programm auf 5200 Flugstunden ausgedehnt werden. Korb hofft, dass diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren anhält. Zur Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS) lieferte Dr. Kai Hirschmann vom Zentrum Innere Führung der Bundeswehr ein aufschlussreiches Referat.
Hirschmann, der auch Hochschullehrer an der Universität Bonn ist, warnte davor, den Islam mit dem Islamismus und dessen Ausprägungen in einen Topf zu werfen. "Die Dschihadisten und Islamisten pervertieren die Religion für ihre eigenen Vorstellungen", betonte der Islamismus-Experte.
Die Extremisten würden den Islam politisch auslegen, was mit der Weltreligion Islam "sehr, sehr wenig zu tun hat". Dies sähe auch die Mehrheit der Muslime in den vorwiegend muslimischen Staaten so. Die geistigen Wegbereiter des islamistischen Terrors aus den 60er-Jahren erwähnte der Referent ebenso wie die aktuellen Protagonisten in Afrika und Asien. Der politisch-religiöse Extremismus, der zu Bildung und Erstarken des Islamischen Staates geführt habe, sei nur möglich, weil immer dort, wo ein Staat zerfalle, Extremisten ins Vakuum vorstießen. Eine starke Wurzel sei Al Kaida gewesen, inzwischen stehe der IS in Konkurrenz zu dieser Organisation.
Dass beide allerdings auch punktuell gemeinsam agierten, zeigte der Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und den jüdischen Supermarkt in Paris im Januar. Die Attentäter hätten sich zum einen zu Al Kaida, zum anderen zum IS bekannt.
Vermeintliche Wohltäter


In zerfallende staatliche Strukturen hinein träten die Islamisten immer nach einem Muster auf: als vermeintliche Wohltäter. Der IS betreibe eine Armenspeisung, organisiere Kleiderkammern, um sich bei der Bevölkerung beliebt zu machen. "Das geschieht alles unter Missachtung der Menschen- und insbesondere Frauenrechte und aller weiteren Rechte, die wir kennen", sagte Hirschmann.
Zurzeit kämpfen circa 550 Deutsche, vorwiegend Konvertiten, aufseiten des IS in Syrien und dem Irak. Sie seien, so Hirschmann, teilweise eine Gefahr für die innere Sicherheit in Deutschland. Zumal die brutale Gewalt im Krieg sie "völlig enthemmt und verroht" nach Europa zurückkehren lässt. bro