Toter Mann im Fachwerk

KLOTTEN. (hk) Seine erste Exkursion in diesem Jahr startete der Kreisverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz in Klotten.

Fachkundig und kompetent führte der pensionierte Lehrer Johann Locker durch seinen Heimatort. Weit holte er aus, als er seinen interessierten Zuhörern die so reiche Geschichte des Weindorfes erklärte. So erläuterte der ehemalige Pädagoge an uralten Basaltkreuzen individuelle Hausmarken, die auch teilweise von ihrer Größe her auf die Wohlhabenheit ihrer Stifter schließen lassen. Anschaulich wusste er über die historischen Wurzeln von Klotten zu berichten, die vermutlich keltischen Ursprungs sind. So ist der Name auf ältere Vorgänger wie "Chlodeno" oder "Chloduna" zurückzuführen, die vom keltischen "Caleto dunon", befestigte Anhöhe, abgeleitet werden können. Schon 1889 wurden vom Landesmuseum Bonn Reste einer römischen Villa nebst Gräberfeld freigelegt. Die heutige Burgruine Coraidelstein könnte in ihren Anfängen eine spätrömische Bergbefestigung gewesen sein. Am "Clotharberg" im Distrikt "Kirchkommert" ist der Moselort als einzelnes Gehöft hinter der heutigen Pfarrkirche entstanden. Ferner wurde dem heiligen Willibrord für das Kloster Echternach ein Weingut nebst dem Winzer und sonstigem Zubehör in "monte Clothariense" im Jahre 698 überlassen. Beim Gang durch Klotten fallen vor allem die gepflegten Fachwerkhäuser mit ihren Schwebegiebeln auf, die geradezu auf den Betrachter einzustürzen scheinen. Es ist bemerkenswert, mit welcher Detailtreue in der Statik und in der baulichen Ausführung frühere Handwerker diese gut erhaltenen Kleinode bauten. "Die alten Türen dieser wunderschönen Häuser haben ganz einfach Charakter, sie sind nicht nur vom Zweck her bestimmt, sondern wirken auch heute noch sehr attraktiv", betonte Architekt Dieter Rumpenhorst, bevor er kurz den "toten Mann" innerhalb der Fachwerkkonstruktionen als statische Bedingung "identifizierte". Was aber wäre dieses uralte Weindorf ohne Richeza, die man auch vielfach als erste Europäerin bezeichnete, da sie als Deutsche polnische Königin wurde. In den Jahren 1051 und 1056 schenkte sie - Richeza war übrigens die Enkelin des deutschen Kaisers Otto II. - ihr Gut Klotten zwischen Alf und Moselkern dem berühmten Kloster Brauweiler bei Köln. Auf alle Fälle bleibt sie an der Mosel unvergessen. Nach einem kleinen, aber beschwerlichen Aufstieg zur altehrwürdigen Pfarrkirche "St. Maximin" wurde man mit einem herrlichen Panoramaausblick über den silbrig-glänzenden Fluss belohnt. Das Gotteshaus, als eines der ersten an der Mosel bereits im 8. Jahrhundert genannt, war vom fränkischen König erbaut worden. Die Konsekration des Neubaues erfolgte am 14. Mai 1004 durch den Trierer Erzbischof Liudolf. Doch mit der Zeit wuchs der Ort, es musste eine neue Kirche erbaut werden, die aber um 1800 wiederum zu klein war. Das dreischiffige Langhaus von "St. Maximin" hat viele interessante Besonderheiten, wie beispielsweise die wertvollen Hubertus- und Marienaltäre oder den Altarraum mit der Anfang des 20. Jahrhunderts durch ein reiches, kinderloses Klottener Ehepaar gestifteten Figurengruppe mit dem einladenden Jesus Christus als Mittelpunkt. "Diese farbenprächtigen Altäre sind wie offene Bücher, die anschaulich den Menschen früherer Zeiten die Heilsgeschichte erklärten", unterstrich Johann Locker, bevor er mit weiteren historischen Einzelheiten die Exkursion beendete. Abschließend war man sich einig, unbedingt nochmals in den Moselort zurückzukehren, da in der Kürze der Zeit unmöglich das ganze geschichtliche Panorama ausgelotet werden konnte.