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Toter Vogel mögliche Ursache für Chemieunglück

Toter Vogel mögliche Ursache für Chemieunglück

Ein verstopftes Lüftungsrohr hat möglicherweise den Chemieunfall im August 2014 in Morbach verursacht. Dabei mussten mehrere Häuser evakuiert werden. Die Staatsanwaltschaft Trier hat die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Offenbar hat ein toter Vogel zu dem Chemieunglück im Morbacher Unternehmen Schaeffler geführt. Dies hat Peter Fritzen, leitender Oberstaatsanwalt in Trier, auf eine Volksfreund-Anfrage mitgeteilt. Wahrscheinlicher Auslöser des Störfalls, bei dem die giftige Chemikalie Toluol freigesetzt wurde, sei verstopftes Lüftungsrohr. Darin habe sich ein toter Vogel befunden. Durch das verstopfte Rohr sei es zu einer Fehlfunktion der Anlage gekommen. Das ist das Ergebnis der Ermittlungen.

Das Lösungsmittel Toluol konnte so nicht mehr abgeschieden werden und floss stattdessen in den Produktionsprozess zurück. Hierdurch sei eine größere Menge davon in die Kanalisation und über diese in die Kläranlage gelangt. Die genaue Menge steht nicht fest, Fritzen spricht aber von mehreren Tausend Litern. Ein Teil sei in der Kläranlage aufgefangen und abgesaugt worden, ein Teil sei auch in die Dhron gelangt, die neben der Kläranlage fließt.

Dass sich in dem Rohr ein toter Vogel befunden habe, bestätigt auch die Sprecherin des Unternehmens, Jasmin Löffler, dem TV gegenüber. "Allerdings dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an. Wir möchten - nach wie vor - nicht in ein laufendes Ermittlungsverfahren eingreifen und erst nach Abschluss der offiziellen Ermittlung über die Ursachen und Hintergründe sprechen", erklärte Löffler.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat sich das Unglück bereits am Sonntag, 25. August 2014, ereignet habe, jedoch erst am 27. August bemerkt wurde, als Lösungsmittel in der Kläranlage festgestellt wurde. Dies bestätigt die Aussagen Morbacher Bürger, die gegenüber dem TV gesagt hatten, dass sie den Geruch des Lösungsmittels bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag festgestellt hatten. Laut Fritzen hätten sich insgesamt sechs Personen wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen in ärztliche Behandlung begeben.

Chemieunfall: Sechs Verletzte,  tote Fische und Explosionsgefahr

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit, ob fahrlässiges Verhalten in Zusammenhang mit dem Betrieb der Anlage zum Austritt des Toluols beigetragen oder diesen verursacht hat. Geprüft werden dabei die rechtlichen Gesichtspunkte der fahrlässigen Gewässerverunreinigung und der fahrlässigen Körperverletzung. Allerdings dauern die Ermittlungen wegen des technisch sehr komplexen Sachverhaltes noch an, sagt Fritzen.

Mit Blick auf den aufwendigen und kostspieligen Einsatz der Feuerwehr - 250 Wehrleute waren während des Vorfalls im Einsatz - sagt Bürgermeister Andreas Hackethal auf TV-Nachfrage: "Wir prüfen derzeit mit übergeordneten Stellen, wie die Situation kostenmäßig zu bewerten ist."

Unklar ist indes, ob die Anlagen derzeit von Schaeffler wieder betrieben werden und wie der Vogel in das Lüftungsrohr gelangt ist.

Der Chemieunfall hatte am 27. August des vergangenen Jahres das öffentliche Leben in Morbach für einen Tag nahezu lahmgelegt. Einige Straßen in tiefer gelegenen Teilen des Ortsbezirks Morbach wurden für den Verkehr gesperrt, Anwohner mussten tagsüber wegen Explosions- und Vergiftungsgefahr ihre Häuser verlassen und konnten erst abends wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Lebensmittelmärkte rund um den Kreisel mussten an diesem Tag geschlossen bleiben.