Tour de France des kleinen Mannes

Sie strampeln alle Jahre wieder von der Mosel durch die Eifel und wieder zurück an die Mosel: Zum 25. Mal hat der Radsportclub Erden eine Radtouristikfahrt organisiert. Zum Jubiläum waren mehr als 200 Hobbysportler am Start.

Erden. Sonntagmorgen um 8.15 Uhr in Erden - wo ist die Pumpe? Das Hinterrad, das noch montiert werden muss, könnte noch etwas mehr Luft vertragen. Und wo ist Bombogen? Als Kölner muss man sich die Ortskenntnisse schließlich erst aneignen. Die Streckenkarte gibt Auskunft. Es kann losgehen. Die Startunterlagen haben sich die 25 Radler aus der Domstadt im Feuerwehrgerätehaus in Erden abgeholt. Nun geht es auf die Rennräder.
Die Organisatoren des Radsportclubs (RSC) Erden um den Vorsitzenden Herbert Weber haben alles im Griff - Routine, schließlich veranstalten sie zum 25. Mal eine Radtouristikfahrt (RTF), von Hobbyradlern liebevoll die "Tour de France des kleinen Mannes" genannt. Am Samstag hatten Helfer die "RTF"-Hinweisschilder an der Strecke postiert, damit am Sonntagmittag auch alle 235 Hobbyradsportler aus 53 Vereinen wieder zurück in den Moselort finden - egal, ob sie gemütlich 42 Kilometer an der Mosel entlang fahren, oder es ambitionierter wollen und am Ende des Tages 155 Kilometer inklusive einiger heftiger Anstiege in die Eifel oder am Piesporter Berg in den Waden haben.
Man kennt sich unter den Hobbysportlern. Einmal im Jahr trifft man sich in Erden, dazwischen auf vielen anderen Radtouristikfahrten. Zum 16. Mal sind zum Beispiel die Radler von Ford Köln in Erden am Start. "Die meisten Teilnehmer kommen aus dem Rheinland, dem Koblenzer Raum oder der Pfalz", sagt Weber, der die meisten Starter sogar beim Vornamen kennt.
Weber gehört zu den sieben Radsportbegeisterten, die den RSC Erden 1989 gründeten - und am Freitagabend für ihre 25-jährige Mitgliedschaft vom Sportkreisvorsitzenden Günter Wagner geehrt wurden. "Alles fing ganz klein an", blickt Weber zurück: "1990 waren wir 20 bis 25 Leute. Da haben wir auch unsere erste RTF veranstaltet. Seitdem hat diese Fahrt schon Tradition", sagt der Vorsitzende.
Damit die Fahrer nicht hungern und dürsten, gibt es Verpflegungsstationen auf der Strecke, die auch vom Verein bestückt werden. Was es hingegen nicht gibt, sind Massenstart und Zeitmessung. Zwischen sieben und zehn Uhr können die Hobbyradler starten. Mit welchem Tempo sie fahren, entscheiden sie ganz alleine - obwohl sich zum Beispiel die Gruppe aus Köln beim Start mit anderen Radlern aus der Nähe von Aachen zusammenschließt, um gemeinsam zu fahren. Und andere Radsportvereine, die nicht an der RTF teilgenommen haben, stoßen zwischenzeitlich dazu: Radsportler aus Prüm oder Idar-Oberstein, die ihre Sternfahrt an die Mosel machen - und dann auf dem Heimweg wahlweise im Hochwald oder in den Eifelbergen mächtig ins Schwitzen kamen. Und so wurden am Sonntagnachmittag nicht etwa die schnellsten unter den rund 200 Startern von Weinkönigin Lydia mit einem Weinpräsent ausgezeichnet, sondern die drei Vereine, die die meisten Fahrer gestellt hatten, RC Dorff (32 Starter), Ford Köln (25) und RTF-Freunde Koblenz (10).
Aber die Radler haben an diesem Jubiläumswochenende nicht nur etwas für ihre Ausdauer, sondern auch für den Tourismus getan. Denn bereits am Freitag zur Radparty waren 150 Starter vor Ort. "Viele Pensionsbesitzer gehören zu unseren fördernden Mitgliedern, denn sie haben ja auch etwas von unseren Aktivitäten", sagt Weber. Nur einmal, beim großen Hagelunwetter 2011, musste die RTF abgesagt werden. Am Sonntag hatte Petrus hingegen ein Einsehen mit den Pedaleuren. Und so verabredeten sich viele Gruppen beim Abschied schon für die 26. RTF in 2015 - wenn sie dann wieder diesseits und jenseits von Erden im Sattel sitzen.