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Tourismus in Morbach: Neue Rennradrouten und Traumschleifchen

Saisonbilanz und Ausblick : Neue Touren fürs Rennrad und erstes Traumschleifchen – Das hat sich in Morbach für Touristen getan

Touristisch hat sich in diesem Jahr in Morbach einiges bewegt: Für Wanderer sind gleich zwei neue Wege entstanden. Auf Rennradfahrern soll künftig ein Fokus liegen. Wo sie schon Routen vorfinden und warum eine Veränderung beim Saar-Hunsrück-Steig in Morbach nicht gut ankommt.

Wie lief das Jahr 2022 für den Morbacher Tourismus? Und was steht für 2023 auf dem Plan? Bilanz und Ausblicke dazu lieferte vor Kurzem die Leiterin der Touristinformation (TI), Franziska Fleckser, im Tourismusausschuss der Gemeinde.

 Mit Bedauern erinnerte Fleckser zunächst daran, dass Unterkünfte mit weniger als zehn Betten ihre Übernachtungszahlen nicht mehr für die Landesstatistik bereitstellen müssen: „Wir können hier daher keine aussagekräftigen Daten mehr präsentieren.“ Was man messen könne, sei der erfreuliche Zuwachs bei Ferienwohnungen, etwa in Wenigerath und Heinzerath, wo zwei Modulhäuser („Tiny Houses“) im Bau seien: „Das sind junge Vermieter, die innovative Ideen haben“, lobte Fleckser. Bewegung gebe es auch in der Gastronomie. In Morbach öffnete die „97 Foodlounge“, in Bischofsdhron übernahmen neue Pächter das Lokal „Alte Post & Jägerhof“.

Der coronabedingte „Besucher-Einbruch“ bei den Morbacher Museen ist laut Fleckser gestoppt. Die Zahlen bewegten sich beim Holzmuseum in Weiperath wieder auf dem Niveau von 2019 (damals 4285, jetzt 4218). Beim Archäologiepark Belginum, der im Juli sein 20-jähriges Bestehen mit Jubiläumsfest und Sonderausstellung feierte, sind es sogar mehr Gäste (8050) als vor drei Jahren (7553). Einzig beim Telefonmuseum gingen die Zahlen deutlich zurück (548, 2019: 904).

Für Radfahrer soll das Streckenangebot rund um Morbach demnächst deutlich größer werden – dank des überregionalen Projekts Bike-Region Hunsrück-Nahe. Dort werden laut TI-Leiterin Routen für mehrere Zielgruppen entwickelt – vom Genussradler bis zum sportlichen Mountainbiker. In Morbach wolle man sich dem Rennradfahren stärker widmen. Das sei bisher „etwas stiefmütterlich behandelt“ worden, sagte Bürgermeister Andreas Hackethal, könne das vorhandene Angebot aber sinnvoll ergänzen.

Laut Fleckser wurden bereits drei Rennradrouten entwickelt, die auch schon auf dem Routenplaner-Portal Outdooractive zu finden sind: Die Touren „Erbeskopf Climb“ (121 Kilometer) und „Ren(n)devous mit Hunsrück und Nahe“ (298 Kilometer) führen durch beziehungsweise an Morbach vorbei. Eine Strecke zur Mosel nach Neumagen-Dhron, Piesport, Mülheim und zurück in den Hunsrück (76 Kilometer) startet und endet in Morbach. „Das sind sehr schöne Strecken, die ich als Rennradfan selbst fahre“, urteilte der Morbacher Beigeordnete Uwe Andretta.

Im nächsten Jahr sollen laut Fleckser auch die ersten Wege aus dem 2021 beschlossenen Morbacher Radwegekonzept ausgewiesen werden. Beim LBM gebe es eine neue Fachgruppe Radverkehr, die im Februar für finale Abstimmungen nach Morbach komme. Neue Strecken sollen vorrangig die Orte Haag, Elzerath, Merscheid und Heinzerath anbinden.

Sehr beliebt ist laut der TI-Chefin das im Mai eingeweihte erste Morbacher Traumschleifchen, der 5,2 Kilometer lange „Butzel-Kewes-Weg“ bei Gonzerath mit vielen Spielstationen. Unter den vier Traumschleifen habe sich der Jakob-Maria-Mierscheid-Weg bei einer Zertifizierung um drei auf 67 Erlebnispunkte verbessert. „Über die Gemeindegrenzen ein Begriff“ sei bereits der neue Lebensweg Blickwandel des Hospizvereins, ein „sehr vielfältiger und für alle Sinne gemachter“ Themenweg zur Trauerbewältigung mit Start an der Walholzkirche.

Verbessert wird laut Fleckser Anfang 2023 die Viaduktschleife zum Hoxeler Eisenbahn-Viadukt. Dort werden für 38.000 Euro neue Holzstege installiert, gefördert mit 29.000 Euro vom Naturpark Saar-Hunsrück.

 Bei der Betreuung und Vermarktung des Saar-Hunsrück-Steigs steht laut Fleckser eine Veränderung bevor. Denn die Gemeinde Losheim könne das bisher dort angedockte Wanderbüro in dieser Form nicht weiterführen. Als neue Struktur hätten die Integration bei einer regionalen Tourismusagentur wie der Hunsrück Touristik mit Sitz am Flughafen Hahn oder die Gründung eines Vereins zur Wahl gestanden.

Laut Fleckser wollten Morbach und Nachbarkommunen erstere Lösung: „Aber wir wurden von den saarländischen Gemeinden überstimmt.“ An dem zu gründenden Verein wäre Morbach wohl weiterhin mit 11.000 Euro jährlich beteiligt. Ob man dabei bleiben will, sollen die Gremien Anfang 2023 entscheiden: „Wir als TI empfehlen es. Ein Austreten wäre fatal, da Wanderer unsere größte Zielgruppe sind.“

Als „Weihnachtsgeschenk“ bezeichnete Fleckser 130 Zählgeräte, die dank eines Restbudgets des Wanderbüros bald die Zahl der Gäste auf allen Traumschleifen erfassen sollen: „Dann sind detaillierte Auswertungen nach Tag und Uhrzeit möglich.“

Das Aus des Wanderbüros und die Entscheidung für einen eigenständigen Verein als Nachfolger bedauerten einige Ausschussmitglieder, die zugleich die touristische Zusammenarbeit im Hunsrück bemängelten.

Der Hoxeler Ortsvorsteher Marco Thees sagte: „In meinen Augen müsste der Hunsrück vielmehr als Einheit auftreten.“ Die Vielzahl der Angebote wirke auf ihn immer wie ein „Durcheinander“. Bürgermeister Hackethal plädierte für „klarere, einfachere Strukturen“, etwa am Erbeskopf, wo es zu viele Akteure gebe. Der Beigeordnete Karl-Heinz Erz appellierte: „Der Hunsrück müsste endlich mal zusammenfinden.“