Tourismusabgabe in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land stößt auf Kritik

Tourismus : Gästebeitrag überzeugt nicht alle Hoteliers

Erhöht sie den Preiskampf? Ist ihr Verwaltungsaufwand zu hoch und Nutzen zu gering? Manche Betriebsinhaber und Übernachtungsgäste kritisieren die neue Tourismusabgabe in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land.

Urlaub in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land zu machen, ist seit dem 1. Janunar dieses Jahres für einen Teil der Gäste teurer geworden. Denn zu ihren Übernachtungsgebühren in den Hotelbetrieben, Pensionen und Ferienwohnungen zahlen sie pro Übernachtung nun noch 1,50 Euro Gästebeitrag an die Verbandsgemeinde Wittlich-Land (der TV berichtete). Mit den Einnahmen soll die touristische Infrastruktur mit Rad- und Wanderwegen in Schuss gehalten werden. Doch einige Hoteliers und Anbieter von Gästezimmern sehen die neu eingeführte Abgabe kritisch, wie auf der jüngsten Sitzung des Tourismusausschusses der Verbandsgemeinde in Osann-Monzel zur Sprache kam. „Der Gästebeitrag erhöht den Preisdruck im gesamten Segment“, sagte Ingrid Fröschner zugleich als Ausschussmitglied und Anbieterin von Gästezimmern auf der Burg Bruch. Ist die Sorge berechtigt, wenn Übernachtungsgäste beispielsweise gleich nebenan in der Stadt Wittlich keinen Gästebeitrag zahlen müssen?

Der TV hat sich unter Hotelbetreibern und den Anbietern von Gästezimmern in der Verbandsgemeinde umgehört. Welche Auswirkungen hat die neu eingeführte Tourismus­abgabe?

„Viele Gäste verstehen nicht, wofür sie den Gästebeitrag überhaupt zahlen“, sagt Gabi Trosdorff, Inhaberin der Pension Haus Sonneck in Manderscheid mit 16 Betten. „Denn in anderen Urlaubsregionen bekommen Touristen durch die Zahlung einer Kurtaxe Vergünstigungen wie etwa eine kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.“

Das Couponheft des Tourismusvereins Gesundland Vulkaneifel, sagt Trosdorff, mit dem man hier und da bloß ein Bier oder einen Kaffee umsonst bekomme, sei für ihre Wandergäste kaum von Wert. „Die Gäste sagen mir: ‚Wenn ich hierher komme und Geld ausgebe, dann unterstütze ich die Region ja eh schon.’ Der Gästebeitrag ist nicht wirklich überzeugend.“ Aber wirklich schlecht fürs Geschäft, sagt Trosdorff, das sei er nun auch wieder nicht.

Ähnlich sieht das Nicole Walraven, Inhaberin des Landhotels Littcher Hof in Großlittgen. „Wegen des Gästebeitrages kommen viele Fragen auf. Viele Gäste fragen sich, warum sie den hier zahlen müssen. Sie sagen: ‚Hier ist doch gar kein Kurort.’“ Da man den Gästebeitrag in vielen Buchungsportalen nicht einpflegen könne und die Gäste davon dann erst nach der Buchung in der Unterkunft erführen, verärgere das so manch einen Tourist, sagt Trosdorff. „Das ist alles nicht so einfach und für die Hoteliers viel Aufwand, wovon wir eigentlich ja schon genug haben.“

In Meerfeld scheint man den Gästebeitrag dagegen ganz gelassen zu sehen.

Dort hat Hotelier Frank Weiler vom Natur-Pur-Hotel-Maarblick gar kein Problem mit der Abgabe, die Gäste bei ihm zahlen. „Wir haben 14 000 Übernachtungen im Jahr. Noch keiner unserer Gäste hat darüber gemeckert. Die akzeptieren das, weil sowas in allen Ferienregionen üblich ist.“ Er erkläre seinen Gästen ganz einfach,  die Abgabe sei eine Art Kurtaxe zum Erhalt der touristischen Infrastruktur wie der Wanderwege, sagt Weiler. „Außerdem bekommt man mit dem Gäste-Couponheft doch einen Gegenwert. Im Maarmuseum gibt es beispielsweise zehn Prozent Rabatt. Die Einrichtungen werden dadurch auch besser genutzt.  Wir haben gar keine Probleme mit dem Gästebeitrag. Kritik daran verstehe ich nicht.“

Harry Brösch, Inhaber des Hotels Moselsteig Osann-Monzel, sagt, die Meinungen der Gäste über den Gästebeitrag würden auseinander gehen. „Manche Touristen, die nur eine Nacht bleiben wie Wanderer, die am nächsten Morgen wieder weg sind, ignorieren ihn einfach. Die sagen sich: ‚Was habe ich denn davon.’“

Wenn er ehrlich sei, sagt Brösch, habe die Stadt Wittlich gegenüber der Verbandsgemeinde durch den Gästebeitrag nun einen Wettbewerbsvorteil. „Wir auf dem Land haben es ja aber eh schon schwerer und müssen dann auch noch den Gästebeitrag einzahlen.“ Die differenzierte Abrechnung für Kinder, Berufstätige und weitere Personengruppen (siehe Info) sei aufwändig. „Wir, und da spreche ich sicher auch für meine Kollegen, sind ja eh schon mit all den Dokumentationspflichten überfordert. Der Aufwand ist das Schlimmste. Man ist nur noch am dokumentieren und ich muss dem Gast dafür hinterherrennen.“ Brösch meint, ein Pauschalbetrag, der für eine Zimmerzahl berechnet und vom Betrieb gezahlt werden müsse, sei bestimmt eine einfachere Lösung. „Das Abrechnungsintervall mit der VG von einem Monat ist auch zu gering, vierteljährlich wäre besser.“

Wie Brösch sagt, zahlen die meisten Touristen den Gästebeitrag jedoch ohne Beanstandung.

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