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Tourismusbilanz an der Mosel trotz Corona positiv

Tourismus : Feriengäste entdecken die Mosel neu

Trotz – oder auch wegen der Corona-Krise – ziehen die Touristiker an der Mosel für diesen Sommer eine positive Bilanz.

Von allen Bundesländern hat lediglich Rheinland-Pfalz  in diesem Sommer eine erhöhte Übernachtungszahl aufweisen können. „Wir hatten einen Zuwachs von zehn Prozent bei Ankünften und Übernachtungen“, erläutert Wiebke Pfitzmann vom Tourismus-Zweckverband der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Nach dem Lockdown im Frühjahr sei man fix aus dem Tal herausgekommen. Und damit sei eine Saison, die an der Mosel eher als Nebensaison gilt, zur Hauptsaison geworden: der Sommer.

„Unsere Hauptsaison ist der Spätsommer und Herbst. Aber auf einmal waren die Sommerferien absolut gefragt. Da kam schon ein anderes Publikum“, erzählt Pfitzmann. So seien viele Outdoor-begeisterte Familien gekommen, die Kletterparks, Mountbike-Trails oder Wanderwege nutzten.

Die Befürchtungen des Frühlings, als man die Saison 2020 schon corona-bedingt als Verlust betrachten musste, hätten sich daher nicht so bestätigt. „Bei all den Corona-Problemen war das eine Chance für uns. Gerade wenn man doch manchmal mit einem etwas angestaubten Image zu kämpfen hat. Immerhin haben wir hier schon ein fast alpines Wandergebiet in einer Autoentfernung von drei Stunden zu vielen deutschen Großstädten“, berichtet Pfitzmann. Nach den Sommerferien habe dann die „klassische“ Saison an der Mosel begonnen. Das sei alles sehr diszipliniert verlaufen, die überwiegende Mehrheit der Besucher habe sich an die AHA-Regeln gehalten. Alternative Veranstaltungsformen wie das Weinpicknick in Kröv seien gut angekommen. Das könne man so weiterführen. „Wir stellen uns im Moment auf eine ähnliche Saison im nächsten Jahr ein, dann werden wir den Fokus noch stärker auf Radtourismus legen. Es war eben eine komplett andere Saison in diesem Jahr“, berichtet sie. Zudem habe der Camping-Tourismus stark zugenommen. Auch sei die Nachfrage nach online buchbaren Unterkünften gestiegen, da dann die Stornierung einfacher sei. Wie sich nun der Winter entwickle, bleibe abzuwarten. Man habe aber bereits mehrere Alternativ-Programme entwickelt. Insgesamt sei man mit einem „blauen Auge“ davon gekommen.

Jörg Lautwein vom Mosel Gäste Zentrum in Bernkastel-Kues schätzt die Lage ähnlich ein. „Die Zahlen sind besser als im Vorjahr, besonders im Juni/Juli. Ohne Corona hätten wir ein richtiges Rekordjahr. Der Tourismus hat nach dem Lockdown bis Ende Mai stetig zugenommen“, sagt er. Dabei sei besonders die Nachfrage nach Ferienwohnungen gestiegen. Der Ausfall des Weinfestes der Mittelmosel habe mit den Weinfesten in den einzelnen Orten gut aufgefangen werden können. „Die Auslastung war in dieser Zeit wie sonst beim normalen Weinfest. Das Format wurde von den Gästen als dezentrales Weinfest gut angenommen. Das wollen wir zu einer festen Einrichtung entwickeln“, erklärt Lautwein. Zudem hätten sich neue Quellmärkte aufgetan. Es seien mehr Touristen aus den östlichen und südlichen Bundesländern gekommen.

Hoch im Kurs standen natürlich Aktivitäten, die – corona-bedingt – an der frischen Luft stattfinden. „Wir hatten enorm viele Wanderer und Radfahrer und werden in Zukunft mehr Radangebote schaffen. Im Winter wollen wir auch einen Mosel-Höhenradweg entwickeln. Dank E-Bikes ist es ja jetzt auch kein Problem mehr, Radwege mit größeren Höhenunterschieden einzurichten“, sagt Lautwein. Insgesamt habe sich das Publikum stark verjüngt, „Familienferien“ seien ein großes Thema geworden. Viele Familien mit Kindern bis zu 14 Jahren hätten nun auch den Weg an die Mosel gefunden. Deshalb sollen nächstes Jahr die Radwegenetze und Wanderwege verbessert werden, da diese Infrastruktur ein großes Argument sei, an die Mosel zu kommen.

Wie sich das Geschäft im Winter entwickeln wird? „Unser Hygienekonzept für den Weihnachtsmarkt liegt bei der Kreisverwaltung vor. Schau’n wir mal“, sagt Lautwein.