Touristen entdecken die Unterwelt

Immer mehr Besucher wollen sich die einzigartige Traben-Trarbacher Unterwelt ansehen. 126 000 Euro hat die Stadt Traben-Trarbach in den vergangenen Jahren investiert, um die großen, heute nicht mehr genutzten Kelleranlagen für Touristen zugänglich zu machen. Weitere Baumaßnahmen stehen an.

Traben-Trarbach. Wenn Ulla Schnitzius mit einer Gästegruppe in die Traben-Trarbacher Unterwelt absteigt, ist das Erstaunen stets groß, und sie hört Kommentare wie "unglaublich", "Das ist ja kaum zu fassen", oder "gigantisch". Ulla Schnitzius ist eine von sieben Führern, die Besucher durch die riesigen heute ungenutzten und leerstehenden Kelleranlagen der Stadt begleiten. Die Keller sind Zeugen einer für die Stadt goldenen Zeit, einer Zeit, als Traben-Trarbach gleich nach der großen französischen Stadt Bordeaux der zweitgrößte Weinumschlagplatz Europas war.
Seit fünf Jahren Führungen


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Kapazitäten der Traben-Trarbacher Weinkeller wie in keiner zweiten Moselgemeinde vergrößert und große Flächen des Stadtkerns unterkellert. Auf der Trabener Seite befinden sich die Keller zumeist in Moselnähe, sind teilweise mehrstöckig und über 100 Meter lang. Schnitzius: "Da kann man sich verlaufen." Auf der Trarbacher Seite sind zahlreiche Keller in den Fels gehauen. Genau fünf Jahre ist es jetzt her, dass Besucher erstmals durch die Traben-Trarbacher Unterwelt geführt wurden.
Die Besucherzahlen sind seitdem Jahr für Jahr gestiegen. Im ersten und zweiten Jahr nutzten um die 1000 Besucher das neue touristische Angebot, dann wurden es Jahr für Jahr mehr. 2012 wurden nach Angaben der Tourist-Information knapp 7000 Besucher gezählt. Und in diesem Jahr könnte es erneut einen Rekordwert geben, denn bis Ende Mai ließen sich schon 3000 Besucher die riesigen Kelleranlagen zeigen und erklären. Jeden letzten Freitag im Monat bietet die Tourist-Information zwei eineinhalbstündige Führungen an, oft aber auch drei, wie am vergangenen Freitag. Während der Saison von April bis Oktober gibt es zusätzlich jeden zweiten Mittwoch im Monat eine Führung. Nach Absprache sind auch Gruppenführungen bis maximal 40 Personen möglich. Wer will, kann auch eine kleine Weinprobe dazubuchen.

Geld von der EU und dem Land


Die Stadt hat bislang für die touristische Erschließung der großen Kelleranlagen 126 000 Euro investiert - 276 500 Euro stehen insgesamt für das im Jahr 2007 vom Stadtrat beschlossene Projekt zur Verfügung. Davon zahlt die EU über das Förderprogramm Leader 128 000 Euro und das Land 31 500 Euro - verbleiben für die Stadt noch 117 000 Euro.
Weitere neun Keller werden in den kommenden Jahren hergerichtet und unter anderem mit Beleuchtung, Notausgängen und verschiedenen Einrichtungsgegenständen ausgestattet. Das hat der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Kosten: 89 000 Euro.
Zu diesen Kellern gehören der Rathauskeller, der Keller unter dem Forstamt, unter dem Aacherhof, unter dem Anwesen Weinzheimer, unter dem Restaurant Storcke-Stütz und unter dem Anwesen Caspari. Mit den Inhabern der Keller wurden, beziehungsweise werden noch, Nutzungsverträge geschlossen. Zudem schafft die Tourist-Information Broschüren, Flyer und Postkarten an und erstellt eine eigene Web-Seite.Extra

Neben Bordeaux galt Traben-Trarbach als größte Weinhandelsstadt Europas. Weite Teile der Stadt sind mit teilweise mehrstöckigen, mehr als 120 Meter langen Gewölben unterkellert. Fotos: Tourist-Information Traben-Trarbach.

Diese Keller können im Rahmen einer Führung besichtigt werden: ehemalige Weinkellerei Rumpel & Cie., jetzt Hotel Moselschlösschen; Brückenkeller; ehemalige Weinkellerei Wilhelm Faust, jetzt Weingut Emil Franz; ehemalige Weinkellereien Böcking und Langguth, jetzt Weingut Böcking; Felsenkeller des Weingutes Böcking, verpachtet an das Weingut Caspari; Felsenkeller der ehemaligen Weinkellerei Wilhelm Haussmann, danach Weingut Meyerhoff, jetzt Familie Burg; ehemalige Weinkellerei Oscar Graff, danach Müller-Melsheimer, heute "Die Graifen"; Keller Altes Rathaus Traben; ehemalige Weinkellerei Schmoll & Boerner, jetzt Getränkegroßhandel Krempel; Sponheimisches Tonnengewölbe, vormals Weinkellerei Franz & Co, beziehungsweise Erben Sanitätsrat Dr. Haack, jetzt Kellerschänke Storcke Stütz; Franz Wilhelm Langguth Erben GmbH & Co KG; ehemalige Weinkellerei Wilhelm Haussmann, danach Nollen, jetzt Weingut Römerhof; ehemalige Weinkellerei J. W. Huesgen, danach Richard Langguth, jetzt F. W. Langguth Erben - Güterverwaltung Stiftungsweingüter; Weingut Friedrich Storck; Keller Alte Zunftscheune; ehemalige Weinkellerei August Wehr, danach Winzerwein-Vertriebs-Gesellschaft und Richard Ochs KG, jetzt Weingut Carl Emert; ehemalige Weinkellerei Rudowsky & Sartor, danach Wilhelm Müller, Carl Müller, jetzt Ulrich Treitz; ehemalige Weinkellerei Louis Haussmann, danach Adolph Huesgen, jetzt Familie Weinzheimer; ehemalige Weinkellerei Franz Josten, jetzt Familie Bogner; ehemalige Weinkellerei Wilhelm Haussmann in der Villa Breucker, danach Weinkellerei Nollen, jetzt Privatbesitz; Weingut Carl Dinkel; Dreigiebelhaus-Kellerei, jetzt Weingut Louis Klein; Aacher Hof (ab September). sim

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