Traben-Trarbach: Ein herrenloses Mausoleum dem Verfall preisgegeben

Denkmalschutz : Ein herrenloses Mausoleum dem Verfall preisgegeben

Eine unter Denkmalschutz stehende Gruft in Traben-Trarbach verfällt immer mehr. Weder Kreis noch Stadt haben Geld, sie zu erhalten. Der zuständige Pfarrer macht deshalb einen Vorschlag.

„Für uns ist das eine Landmarke“, sagt Jürgen Kullmann von der Bürgerinitiative Leben in Trarbach, der zum Vor-Ort-Termin auf den evangelischen Friedhof nach Trarbach eingeladen hatte. Das Gebäude, um dessen Erhalt sich seine Bürgerinitiative bemühen will, fällt auch auf. Es ist ein Mausoleum aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, das dort nach und nach zerfällt.  Das Bauwerk hat eine Kuppel, Ecktürme, eingearbeitete Figuren und fein detaillierte Ornamente. Es liegt an einem Hang und hat ein etwa sechs Meter tiefer gelegenes Untergeschoss, das von der rückwärtigen Seite aus erreichbar ist.

Die Familien Müller und Graff ließen es Ende des 19. Jahrhunderts errichten. „Aber leider verfällt es zunehmend,“ sagt Kullmann von der BI. Das hat seine Gründe, denn das Gebäude mitsamt Grundstück ist laut Grundbucheintrag „herrenlos“, wie Manuel Follmann von der Kreisverwaltung erläutert: „Bis zum Jahr 2007 befand sich dieses Grundstück im Eigentum einer Erbengemeinschaft von Nachkommen des Weingutsbesitzers Dr. Fritz Melsheimer. Die zerstrittene Erbengemeinschaft wollte die Grabstätte loswerden, weshalb sie die Zwangsversteigerung beantragt hatte.“ Zwischenzeitlich ist das Grundstück laut Grundbucheintrag herrenlos.

 Wird ein Grundstück herrenlos, kann der Fiskus sich dieses aneignen. Davon mache das Land Rheinland-Pfalz aber in der Regel keinen Gebrauch. Kreis und Verbandsgemeinde haben es deshalb zur Gefahrenabwehr eingezäunt.

Den schlechten Zustand des Gebäudes bestätigt auch die Kreisverwaltung. Follmann: „Aufgrund von Verwitterung drohen die Ecktürme aus Sandsteinsäulen und Kegel vom Gebäude zu kippen. Denn von einigen Säulen sind Teile abgeplatzt, was die Standfestigkeit mindert. Teils wachsen bereits kleine Bäumchen auf dem Dach. Dies trägt ebenfalls zur Zerstörung der Dachkonstruktion bei. Auch der Innenraum der Kapelle weist Schäden an Marmorplatten und dem Innenputz des Kuppeldaches auf.“

Kürzlich waren nochmals Mitarbeiterinnen der Unteren Denkmalschutzbehörde und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Denkmalfachbehörde) vor Ort. Sie sprachen sich dafür aus, die Eckbauwerke abzubauen und sicher aufzubewahren, bis sich jemand findet, der die Kapelle renoviert. Wer könnte sich nun für den Erhalt des Mausoleums, das inzwischen auch als Kulturdenkmal eingetragen ist, einsetzen?

Wie Follmann erklärt, müsste sich zunächst jemand finden, der das Grundstück übernimmt und zudem über ausreichend finanzielle Reserven verfügt. Schließlich werden die Kosten für die Instandsetzung des Gebäudes auf eine Höhe von 60 000 bis 100 000 Euro geschätzt. Damit ist der Landkreis raus, wie Follmann bestätigt, da er keine finanziellen Mittel zur Denkmalpflege hat.

Die Stadt Traben-Trarbach würde den Erhalt der Kapelle begrüßen, wie Bürgermeister Patrice Langer erklärt. Aber auch im städtischen Haushalt sei dafür kein Geld vorhanden, so Langer. Der Stadtrat habe das vor einiger Zeit bereits abgelehnt.

Der schmiedeeiserne  Zaun stammt noch aus der Bauzeit. Foto: TV/Hans-Peter Linz
Im Inneren sind fein gearbeitete Figuren zu sehen. Foto: TV/Hans-Peter Linz
Die Kreisverwaltung hat das Gebäude eingezäunt. Foto: TV/Hans-Peter Linz
Unter dem Deckel geht es ein Stockwerk tiefer in die Gruft. Foto: TV/Hans-Peter Linz
Eine zeitgenössische Darstellung zeigt das Mausoleum im Originalzustand. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Auch der zuständige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Jörg Walter Henrichs, wünscht sich den Erhalt des Gebäudes, das aus seiner Sicht besonders als Trauer-Kapelle genutzt werden könnte. Aber auch hier fehlt das Geld. Henrichs: „Wir können es uns finanziell nicht leisten, das Mausoleum zu übernehmen. Wir müssen zwei große historische Kirchen erhalten und das ist als kleine Kirchengemeinde schon sehr schwer.“ Henrichs macht den Vorschlag, einen Förderverein zu gründen. „Das wäre eine Option: Menschen könnten spenden und auch selbst mit anpacken.“

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