Traben-Trarbach: Fusion hat Potenzial

Traben-Trarbach: Fusion hat Potenzial

Die erste Idee für den Namen einer neuen Verbandsgemeinde (VG) Traben-Trarbach/Kröv-Bausendorf steht schon im Raum: "Verbandsgemeinde Moseltal". Traben-Trarbach hofft auf eine straffere, kostengünstigere Verwaltung.

Traben-Trarbach. Wohl kaum eine Gemeinde im Land steht der Kommunalreform so gelassen und optimistisch gegenüber wie Traben-Trarbach. "Wir sind offen für alles", heißt es sowohl aus dem Verbandsgemeinderat als auch aus der Reihe der Ortsbürgermeister. Sie alle haben in dieser Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Kommunalreform diskutiert, da das Land die Fusion mit der VG Kröv-Bausendorf plant (der TV berichtete).
Das Resultat der Beratungen: VG-Bürgermeister Ulrich K. Weisgeber soll sich in den kommenden Tagen um ein Gespräch bemühen, an dem Vertreter des rheinland-pfälzischen Innenministeriums sowie der beiden Verbands- und der Ortsgemeinden teilnehmen. "Wir müssen den Menschen die Angst vor der Fusion nehmen, sie ist unbegründet", sagt der Enkircher Ortsbürgermeister und VG-Ratsmitglied Roland Bender (CDU). Aufklärungsarbeit sei dringend nötig, heißt es unisono. Hat sich doch Kröv-Bausendorf bisher dem Thema verschlossen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Gemeinderat Bausendorf für eine Bürgerbefragung und gegen eine Fusion mit Traben-Trarbach ausgesprochen.

Kommunal reform


Allerdings werde Bausendorf dann wahrscheinlich keine eigenständige Ortsgemeinde von Wittlich-Land, sondern eher ein Stadtteil von Wittlich, erklärt Weisgerber mit Blick auf das Gutachten des Kaiserslauterner Wissenschaftlers Martin Junkernheinrich zur Kommunalreform. Hier müssten die Vor- und Nachteile also genau abgewogen werden.
"Die Reform muss kommen", sagt FWG-Fraktionssprecher Kurt Haag. "Wir müssen unseren Kindern eine bezahlbare Verwaltung hinterlassen." Zwei vollwertige Verwaltungen, die nur sechs Kilometer voneinander entfernt sind - da müsste mit Blick auf die Einwohnerzahl in Köln alle 150 Meter ein Rathaus stehen. Renate Braband, SPD, sieht in der Fusion die Chance auf eine "Stärkung der Mittelmosel mit angrenzenden Gemeinden des Hunsrücks und der Eifel". Wie viele bedauert sie die vertane Chance, die Schulden mit Hilfe einer Hochzeitsprämie zu senken - was in der Freiwilligkeitsphase noch möglich war.
Wappnen für die Zukunft


"Auch die Hunsrückgemeinden sind offen für Kröv-Bausendorf", sagt der Starkenburger Ortschef Jürgen Spier. Selbst beide VG zusammen seien wahrscheinlich zu klein, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Klaus Reitz, Ortsbürgermeister von Lötzbeu-ren, erhofft sich von einer Fusion eine niedrigere Umlage für die Gemeinden. Debatten wie in der VG Treis-Karden, wo es die Hunsrückorte von der Mosel wegzieht, gebe es hier nicht. Zwar habe Kirchberg Interesse gezeigt, die Umlandgemeinden des Flughafens Hahn einzugemeinden, "aber wir fühlen uns auch als Hunsrückgemeinde wohl in Traben-Trarbach".
Einigkeit besteht auch darin, dass es dem Bürger egal sei, wenn die Verwaltung ein paar Kilometer mehr oder weniger entfernt sei. "Die Menschen haben ganz andere Sorgen", sagt FDP-Fraktionschef Peter Storck. "Und wir können gar nicht anders. Die Kleinstaaterei muss der Vergangenheit angehören." Beide Rathäuser könnten dank einer Aufgabenteilung erhalten bleiben. Zudem ließe sich eine gemeinsame Tourismuswerbung auf die Beine stellen. "Wir könnten als VG Wunderschönes Moseltal gemeinsam in der Welt auftreten. Das wäre doch eine tolle Geschichte, was will man mehr?"
Meinung

Verschenkte Chancen
Traben-Trarbach nimmt die einzig richtige Position zur Kommunalreform ein. Die Erkenntnis, dass vor allem im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung straffere Strukturen vonnöten sind, hat hier schon lange die Köpfe durchdrungen - obwohl Traben-Trarbach CDU-regiert ist. Allein: Handeln konnte die VG Traben-Trarbach noch nicht - weil nur sie sich bewegen wollte, der Nachbar aber Gespräche ablehnte. Dass Bausendorf jetzt (!) damit beginnt, sich Gedanken über Fusionen zu machen und seine Bürger befragen will, ist dagegen völlig realitätsfremd. Die Zeit ist abgelaufen, die VG hat ihr Recht auf Mitsprache verschenkt. Orte, die lieber nach Wittlich-Land als nach Traben-Trarbach wollen, haben jetzt keine Wahl mehr. Sie müssen dem Fingerzeig des Landes folgen. Kröv-Bausendorf hat es vorgezogen, zu schmollen anstatt zu handeln - und damit die Bürger um ihr Mitbestimmungsrecht und einen dicken Batzen Geld gebracht. Darunter leiden nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Nachbar. Und der schmollt selbst jetzt nicht. u.quickert@volksfreund.de