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Mosel: Wildschweine zerstören Friedhof - Bald Jagd in Traben-Trarbach?

Umwelt : Wildschweine verwüsten Friedhof an der Mosel - Wird in Traben-Trarbach bald gejagt?

Immer wieder dringen Wildschweine in die Ortschaften vor. In Trarbach sind sie bis zum Friedhof gekommen: 30 Gräber sind nun schwer beschädigt worden.

„Die haben uns den ganzen Friedhof zerlegt! Und das vor Weihnachten, in einer Zeit, in der die Leute die Gräber besonders geschmückt haben,“ ärgert sich Patrice Langer, Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach. Der Friedhof von Trarbach liegt idyllisch am Hang hinter der Kirche zwischen Wildbadstraße und Schottstraße. Weinberge säumen ihn und Richtung Süden grenzt ein großes Waldgebiet an den Friedhof: Offenbar eine ideale Anlaufstelle für hungrige Wildschweine, denn eine größere Rotte ist vor wenigen Tagen in den Friedhof gelaufen und hat die Grabstätten verwüstet. Umgeworfene Lichter und Gestecke, aufgewühlte Erde, etwa 30 Gräber sind regelrecht zerstört, nur die massiven Grabsteine stehen noch „Vom finanziellen Schaden mal ganz abgesehen ist der ideelle Schaden gar nicht zu bemessen, das sind ja Erinnerungsstätten“, sagt Langer.

Friedhof in Traben-Trarbach braucht stärkeren Zaun gegen Wildschweine

Die Schweine seien intelligent genug, um Schlupflöcher in Zäunen zu entdecken und offenbar hungriger als im vergangenen Jahr, in dem es viele Eicheln gab, erklärt Langer. Die normale Umzäunung des Friedhofs würde nun wohl nicht mehr ausreichen. „Mittelfristig müssen wir einen verstärkten Zaun einrichten. Das kostet wieder Unmengen an Geld,“ sagt der Bürgermeister.

Erste Gespräche sind schon mit der unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung und dem Jagdpächter geplant. „Wir müssen versuchen, den Jagddruck zu erhöhen,“ meint Langer. Zudem könne er sich vorstellen, dass auch in dem angrenzenden Waldgebiet, das innerhalb der Stadt gelegen ist, gejagt werden könnte. Dazu brauche man allerdings eine Ausnahmegenehmigung der Kreisverwaltung, denn die Jagd in geschlossenen Ortschaften ist normalerweise verboten.

Problem mit Wildschweinen ist kein Einzelfall

Diese Wildschweinattacke ist kein Einzelfall. Vor wenigen Wochen drangen Wildschweinrotten in die Ortslage Enkirch ein und verwüsteten dort Gärten und Streuobstwiesen. Zudem klagen immer mehr Winzer darüber, dass Wildschweine in die Weinberge vordringen und diese verwüsten. So etwa in Piesport und in Lieser.

Generell vermehren sich Wildschweine immer mehr in Rheinland-Pfalz. Das liegt unter anderem am großen Futterangebot und an den milden Wintern, der vergangenen Jahre. Allerdings gab es in diesem Jahr weniger Eicheln in den Wäldern - und das treibt die Tiere in die Ortschaften.

Schwierig wird es immer dann, wenn die Tiere sich in Waldgebieten aufhalten, die bereits zur Ortslage zählen, denn innerhalb geschlossener Ortschaften ist die Jagd generell verboten.

Mit Ausnahmegenehmigung könnte auch in Traben-Trarbach gejagt werden

Wie die Kreisverwaltung in Wittlich mitteilt, können aber Ausnahmen gemacht werden. Bei großen Problemen mit Schwarzwild in Wohngebieten kann eine Ausnahme zum Jagdverbot in geschlossenen Ortschaften erteilt werden, diese müsste aber eng begrenzt sein, so die Sprecherin der Kreisverwaltung. Erforderlich zur Beurteilung ist hier die Stellung eines konkreten Antrags unter Einreichung einer entsprechenden Lagebezeichnung und eines genauen Abschussplans.

Nach diesem Verfahren wurde zum Beispiel innerhalb der Stadt Bernkastel-Kues gejagt, wie die Kreisverwaltung mitteilt. Dort wurde vor zwei Jahren eine jagdrechtliche Ausnahmeerlaubnis für den Bereich des Kurparks befristet bis Juli 2021 erteilt. Ein Antrag auf Verlängerung dieser Ausnahmegenehmigung wurde bereits durch den Bürgermeister der Stadt Bernkastel-Kues eingereicht.