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Traben-Trarbacher Bürger organisieren ein E-Auto für alle

E-Auto : Traben-Trarbacher Bürger organisieren ein E-Auto für alle

Am Parkplatz Enkircher Straße/Brückenstraße hat ein Renault Zoe mit Elektro-Antrieb seinen neuen Standplatz. Traben-Trarbacher Bürger und Touristen können ihn sich gegen Gebühr ausleihen. Fördergelder wurden nicht dafür verwendet. Bürger haben ihn angeschafft und betreiben ihn.

Viele Fahrzeuge sind eigentlich „Stehzeuge“, denn sie werden häufig ein bis zwei Stunden genutzt und den Rest des Tages stehen sie. Es wäre also eigentlich möglich, dass sich mehrere Personen ein Auto teilen. Diesen Gedanken hat die Bürgergenossenschaft Energiewende Hunsrück-Mosel eG aufgegriffen. Sie besteht seit Februar 2018, hat inzwischen 81 Mitglieder und sich zum Ziel gesetzt, positives gegen den Klimawandel zu tun. Bisher hat sich die Bürgergenossenschaft auf den Bereich Photovoltaikanlagen konzentriert, aber jetzt haben sie zusätzlich das Thema Mobilität im Blick.

Dafür haben sie ein gebrauchtes E-Auto für 13 000 Euro aus den Einlagen der Mitglieder und ohne Förder- oder öffentliche Haushaltsgelder angeschafft. Der laufende Betrieb wird vom ehrenamtlichen Vorstand der Genossenschaft organisiert. Die Genossenschaft hat insgesamt zwei Fahrzeuge, die beide bisher in Monzelfeld standen, eins davon ist jetzt nach Traben-
Trarbach verlegt worden. Rainer van den Bosch, technischer Vorstand der Bürgergenossenschaft erklärt: „um die Akzeptanz des Car-Sharings mit einem E-Auto dort zu erproben, haben wir ein Auto nach Traben-Trarbach gestellt. Das ist erst einmal auf drei Monate begrenzt. In dieser Zeit wollen wir mit der Stadt über eine langfristige Lösung zur Standortfrage und auch über zusätzliche Standorte in der Stadt abstimmen.“

Das Car-Sharing funktioniert über eine App. Man meldet sich an, muss nachweisen, dass man den Führerschein hat, und es gibt verschiedene Tarife. Wenn man beispielsweise Mitglied in der Genossenschaft ist, wird es günstiger. Das Auto ist vollkaskoversichert mit einer Selbstbeteiligung von 300 Euro. An Kosten hat der Nutzer etwa 15 Cent pro Kilometer und 2,50 bis drei Euro Gebühr pro Stunde, in denen alles abgedeckt ist, auch der Stromverbrauch. Dazu gibt es einen Fahrzeugpaten, der regelmäßig nach dem Auto schaut und sich um notwendige Dinge kümmert.

Das Auto hat eine Reichweite von etwa 150 Kilometern und man kann es über die App bis zu drei Monate im Voraus buchen. Rainer van den Bosch: „Das Car-Sharing Konzept hat für alle Vorteile, es ist ein modernes Mobilitätskonzept für die Kommunen, für die Kunden, die kostengünstig unterwegs sein wollen und als Alternative zum Zweitwagen und für die Genossenschaft, die das Ziel verfolgt, nachhaltige Mobilität zu fördern.“

Für Patrice Langer, Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach hat das Car-Sharing noch einen weiteren Vorteil: „Ich sehe für die Nutzung im Tourismus großes Potenzial, denn einige Gäste reisen mit der Bahn an und können sich dann, nach ihren Bedürfnissen, ein Auto ausleihen.“ Für Marcus Heintel, Verbandsbürgermeister Traben-
Trarbach, der das Projekt begrüßt, ist es ein Denkanstoß: „Für uns als Verwaltung stellt sich da natürlich die Frage, wie wir in das Thema E-Mobilität und Car-Sharing mit einsteigen können?“

Magdalena Stoilova, erste Nutzerin des E-Autos in Traben-Trarbach sagt zu ihren Erfahrungen: „Das E- Auto ist sehr gut. Es hat eine Art Automatikschaltung und ist nicht zu groß, zudem schnell und bequem. Für mich und meine zwei Söhne ist es ideal, um hier in der Stadt und der Umgebung zu fahren“, sagt die Artistin, die in Traben-Trarbach seit zwei Monaten eine Zirkusschule betreibt. Sie und ihr Mann nutzen seit acht Jahren Car-Sharing.

In Monzelfeld hat die Bürgergenossenschaft seit Mitte November ebenfalls ein Auto zum Ausleihen stationiert. Dort sind momentan 15 Nutzer und zwei Betriebe durch die App berechtigt, es zu nutzen. Wolfgang Stein, kaufmännischer Vorstand der Genossenschaft berichtet: „Das klappt schon sehr gut, lediglich im Verwaltungsbereich müssen wir intern noch etwas nacharbeiten.“