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Traben-Trarbacher Jäger Uwe Gauch päppelt mit Babyflasche verstoßenes Wildtier auf

Traben-Trarbacher Jäger Uwe Gauch päppelt mit Babyflasche verstoßenes Wildtier auf

Jagdhund Eyka und Rehbock Ben sind unzertrennlich. Seit Uwe Gauch aus Traben-Trarbach (Landkreis Bernkastel-Wittlich) das Kitz aufgenommen hat, ist der Hund immer an seiner Seite. Für Ben muss nun aber bald ein neues Zuhause gefunden werden.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht ein Mann mit seinem Hund Gassi. Eyka bellt. "Das war jetzt die 25-Meter-Bannmeile", sagt Uwe Gauch lachend. Wenn sich ein anderer Hund Ben nähere, schlage Eyka, sein Deutsch Drahthaar, Alarm. Eyka und das Rehkitz sind unzertrennlich. Eyka ist Bens Beschützerin. "Drei Sekunden, nachdem ich ihn ins Auto gebracht hatte, hatte sie ihn ins Herz geschlossen", erzählt Gauch.

Vor gut zwei Monaten wurde der Jäger aus Traben-Trarbach (Landkreis Bernkastel-Wittlich) angerufen, weil in einem Weinbergsweg oberhalb von Rißbach ein neugeborenes Reh lag. Auf sieben Tage schätzte Gauch das Alter. "Die Nabelschnur war noch rot. Es war zu klein, um es allein draußen zu lassen." Die Mutter, die mit Bens Geschwisterchen immer noch an den Hängen des Mont Royal umherstreift, kümmerte sich nicht mehr um ihr vermutlich zweitgeborenes, nur 1900 Gramm leichtes Kitz. Das geschieht beispielsweise, wenn Menschen Tierjunge anfassen.

Gauch sah nur die Möglichkeit, zu versuchen, das Rehbaby mit der Flasche aufzupeppen. "In der ersten Woche war ich alle zwei Stunden wach", erzählt er. Wie ein Wecker habe sich Ben gemeldet. Erst leise, dann immer lauter.
Nach einigem Probieren habe seine Familie herausgefunden, was das Reh am liebsten habe: Lämmermilchpulver in Vollmilch mit 3,5 Prozent Fettgehalt aufgelöst. Außerdem fraß Ben schon Grünfutter. Zum Glück, sagt Gauch: "Sonst hätten wir das ihm auch noch beibringen müssen." Ein so kleines Tier aufzuziehen sei schon Arbeit genug, bereite aber auch viel Freude.

Ben gehe auch an Eykas Trink napf. "Und auch mal ans Hundefutter", erzählt Gauch. Der Jagdhund, der auf Wildschweine abgerichtet ist, lässt das zu. Die Tiere sind Freunde geworden. Wenn Gauch mit ihnen spazieren geht, jagen sie die Weinbergsreihen rauf und runter. Einmal Eyka hinter Ben, dann wieder Ben hinter Eyka her. Das habe schonzu Missverständnissen geführt. Andere Spaziergänger vermuteten, dass der Hund das Kitz jage. Dass dem nicht so ist, sei gar nicht so leicht zu erklären, sagt Gauch.

Der Jäger, der zusammen mit zwei Freunden eine Jagd bei Burg betreibt, ist trotz aller Freude, die Ben bereitet, natürlich klar, dass die Aufzucht des Rehs so nah am Menschen nur im Notfall zu rechtfertigen ist. Momentan schläft Ben bei Familie Gauch im Haus. Ben sei viel zu zahm, um ihn auszuwildern, befürchtet Uwe Gauch. Das Kitz habe keine Angst vor Menschen - und Hunden. "Er springt nicht ab, wenn ein Hund kommt. Jedenfalls nicht schnell genug."
Wie es weitergeht, wenn der jetzt rund 80 Tage alte und schon acht Kilogramm schwere Ben weiter zum Rehbock heranwächst, ist noch offen. "Ich möchte ihn nicht in einen Wildpark geben, wo er verwertet wird", sagt Gauch. Dafür hat seine Familie Ben zu sehr ins Herz geschlossen.

Aber bald dürfte Ben zu groß werden, um ihn weiter im Haus in Traben-Trarbachs Innenstadt zu halten. "Ein Park wäre mir am liebsten, wo er sein Gnadenbrot bekommt", sagt Gauch. Es habe schon Gespräche gegeben, aber noch keine Lösung. Auch ein Privatmann mit ausreichend Land könne sich gerne melden.