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Tradiionsbetrieb aus Manderscheid geht zurück zu den Wurzel und ändert Namen

Handwerk : Wie vor 131 Jahren - Manderscheider Traditionsbetrieb geht zurück zu den Wurzeln

Aus Borsch-Gillen wird wieder Gillen: Ein mehr als 130 Jahre alter Familienbetrieb aus Manderscheid geht zurück zu den Wurzeln. Und die haben auch etwas mit einem bekannten Eifel-Maler zu tun.

Ursula Gillen ist es gewohnt, häufig als einzige Frau unter lauter Männern zu arbeiten. In der Berufsschulklasse während ihrer Ausbildung zur Malergesellin waren die Manderscheiderin und eine Mitschülerin die einzigen Mädchen (“Sie hat allerdings vorzeitig abgebrochen“), später auf der Meisterschule war sie die einzige Frau in ihrem Jahrgang. Und auch als es Anfang der 1990er darum ging, den Malerbetrieb ihrer Familie zu übernehmen, tat sie das als erste Frau.

Die Malermeisterin, die sich 2012 zur Restauratorin im Maler- und Lackiererhandwerk weiterbildete, führt seit 1993 den Malerbetrieb ihrer Familie, den sie später, zwischenzeitlich verheiratet, in Traditionsmaler Borsch-Gillen umbenannte. Doch bald ist der neue Name ein alter. „Wir werden den Betrieb wieder in Maler Gillen umbenennen“, sagt Niklas Borsch, Sohn von Ursula Gillen und baldiger Firmenchef: Ursula Gillens Sohn, das mittlere ihrer drei Kinder, arbeitet seit 2007 im Betrieb, seit 2013 ist er Malermeister, wird die Tradition fortsetzen und die Firma in Zukunft führen. Auf der Baustelle ist er bereits jetzt der Chef, wie seine Mutter lachend sagt: „Das überlasse ich gerne ihm, er hat den besseren Überblick.“ Als Gründe für die Umbenennung nennt Firmenchefin Ursula Gillen „die Rückbesinnung auf die Unternehmenswurzeln“ sowie das 131-jährige Bestehen des Betriebs.

Bereits 1889 gründete Theodor Gillen, der Urgroßvater von Ursula Gillen, den Betrieb, der damals noch in der Stadtmitte lag. Sein Fokus lag auf dem Anstreichen und Gestalten von Wohn- und Betriebsgebäuden, unter anderem dem späteren Manderscheider Rathaus, der damaligen Kellerei. Daneben war er als Künstler in der Lebensbaumkirche in Manderscheid tätig.

Ihm folgte 1916 sein Sohn Peter Gillen, der eifelweit bekannt ist, weil er auch als Künstler aktiv war (siehe Info). „Wenn er irgendwo zu Besuch war, hat er als Geschenk immer eines seiner Bilder mitgebracht“, sagt Niklas Borsch. Und seine Mutter ergänzt: „In vielen Häusern in Manderscheid hängen heute  noch welche von ihm.“

Nach Peter Gillen, der auch einen Meisterbrief als Dekorationsmaler hatte und viele Kirchen in der Eifel verzierte, übernahmen dessen Sohn Hermann-Josef, wie sein Vater auch Dekorationsmaler, und eben Ursula Gillen den Betrieb. Und jetzt Niklas Borsch in fünfter Generation.

Mittlerweile ist die Firma von der Kirchstraße im Ortskern an den Manderscheider Stadtrand, in die Nähe der Schule und des Sportplatzes, gezogen. Am dortigen Firmensitz hatte Ursula Gillen früher auch ein kleines Ladenlokal, wo es vom Bleistift bis zur Tapete alles zu kaufen gab. Wie ihre Mutter Thekla, die bereits in der Ortsmitte früher einen kleinen Laden hatte. „Das hat sich aber irgendwann nicht mehr gerechnet, und wir haben den Laden geschlossen“, sagt sie, so dass sie und ihr Sohn nun gemeinsam auf den Baustellen arbeiten. Wie zum Beispiel vor ein paar Jahren in Trier, als die Manderscheider Firma an der Sanierung des Turms der St.-Gangolf-Kirche am Hauptmarkt in Trier beteiligt war.

„Wir haben dort während des Weihnachtsmarkts gearbeitet, das war von der An- und Abfahrt manchmal eine Herausforderung“, sagt Niklas Borsch und fügt lachend hinzu: „Und man hat den ganzen Tag die gleiche Musik der Straßenmusikanten gehört, egal auf welcher Seite des Turms man gearbeitet hat. Das war nicht so schön.“