„Trau Dich“ zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch war in Morbach

Sexueller Kindesmissbrauch : „Die Täter sitzen übers Handy mit im Kinderzimmer“

Trau Dich, eine Initiative zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch, hat in Morbach Station gemacht.

Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um, wenn etwas passiert, was ich nicht will? Und wie sage ich nein? Kinder kommen oft in Situationen, die ihnen unangenehm sind und bei denen sie nicht wissen, wie sie Stopp sagen können. Die Initiative „Trau Dich“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs widmet sich diesem schwierigen Thema.

Sie hat in der Morbacher Baldenauhalle Station gemacht, um bei Kindern, Eltern und Lehrern vorbeugend aktiv zu werden. 400 Kinder aus fünften und sechsten Klassen mehrerer Schulen aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich und aus umliegenden Kreisen wie aus Hermeskeil und Reinsfeld haben bei einem interaktiven Theaterstück erfahren, wie sie sich wehren können, wenn ihre Nähe und ihre Gefühle verletzt werden.  Dabei ist es nicht nur der Verwandte, der das Mädchen im Grundschulalter intim anfasst. Es ist auch die Oma, die den Enkel gegen dessen Willen abknutscht und der Gruppendruck bei Heranwachsenden, wenn es um den ersten Kuss geht. „Es gibt kein Muss“, erfahren die Kinder auf die Frage, ob man mit zwölf Jahren schon küssen muss. „Bei jedem ist es anders“, sagen die vier Schauspieler zu den Jungen und Mädchen. „Ich allein entscheide, wen und wann ich küsse. Und wenn ich erst in fünf Jahren küssen will, ist es auch o.k.“

Die bundesweite Initiative „Trau Dich“ ist 2012 vom Bildungsministerium ins Leben gerufen worden, um Kindern ihre Rechte zu vermitteln und sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Mit anwesend sind zahlreiche Vertreter von Verwaltungen und Hilfsorganisationen. Jugendliche wüssten, wen sie bei Bedarf zu Rate ziehen können, sagt Jutta Merrem vom Deutschen Kinderschutzbund Bernkastel-Wittlich. „Durch die Veranstaltung wird dafür gesorgt, dass auch jüngere Kinder wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen“, sagt sie. Ruth Petri vom Frauennotruf Trier kennt Beispiele von Frauen, die in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erfahren haben. „Von klein auf müssen Grenzen gesetzt und geachtet werden“, sagt sie. Stephan Rother von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich mahnt, auch die Medien nicht zu vergessen, zu denen die Kinder Zugang haben. „Die Täter sitzen übers Smartphone mit im Kinderzimmer.“

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