Trauer statt Feierlaune
HINZERATH. Für Gesprächsstoff in der Einheitsgemeinde sorgt die Entscheidung der Hinzerather Vereinsgemeinschaft, den Karneval in diesem Jahr komplett ausfallen zu lassen. Der Grund: der überraschende Tod eines Vorstandsmitglieds.
"In diesem Jahr sehen wir uns außer Stande, fröhliche Fastnachtstage zu feiern", teilte die Vereinsgemeinschaft in einer kurzen Pressemeldung mit. Das plötzliche Ableben von Oswald Staudt nahm die Organisation zum Anlass, die Fastnachtsveranstaltungen in diesem Jahr abzusagen: den traditionellen Bunten Abend und den Rosenmontagsumzug. "Wir können nicht auf Kommando lustig sein", begründet Meinrad Polok, Vorsitzender des Heimatvereins, die einstimmige Entscheidung des Gremiums, in dem der örtliche Sportverein, die Feuerwehr und der Heimatverein organisiert sind. Oswald Staudt sei völlig überraschend "aus unserer Mitte gerissen worden". Der 58-Jährige sei jahrzehntelang im ganzen Dorf aktiv gewesen und überall dabei. 14 Jahre lang engagierte er sich zudem als Mitglied im Ortsbeirat. In der fünften Jahreszeit habe er eine wichtige Rolle gespielt. Er war Vorstandsmitglied in der Vereinsgemeinschaft und auch bei den Karnevalisten aktiv. "Mehr als 20 Jahre lang haben wir gemeinsam Wagen gebaut", erinnert sich Polok. Auch in diesem Jahr waren die Vorbereitungen bereits weit gediehen, als sich die Todesnachricht wie ein Lauffeuer im Ort verbreitete. Bereits kurz nach Weihnachten begannen die Vorbereitungen für die Motto-Wagen. Und auch die Fußgruppen werkelten bereits fleißig. Schließlich sollte sich der Umzug wie in den Vorjahren farbenprächtig und originell durch den Ort schlängeln. Die Genehmigung war beantragt, große Mengen von Wurfmaterial waren bestellt. Bevölkerung zeigt Verständnis
Doch all dies spielt für Polok und seine Mitstreiter derzeit keine Rolle. Wenn machbar, sollen die Motto-Wagen 2007 verwendet werden. Das Verständnis im Ort für die sicher etwas unpopuläre Entscheidung ist groß. Von vielen habe Polok gehört, es sei "gut so". In der langen Hinzerather Geschichte fiel der Karneval drei Mal aus: Das eine Mal betraf zufällig den Bruder des kürzlich Verstorbenen, Heinz Staudt. Auch dessen Ableben nahmen die Hinzerather etlichen Jahren zum Anlass, so schätzt Polok, um die närrische Kampagne im Ort abzublasen. Rund 40 Jahre dürfte es her sein, dass ein Polizist aus dem Ort erschossen wurde. Auch damals waren die Karnevalisten alles andere als in Feierlaune. Das dritte Mal war 1991, damals wegen des Golfkriegs. Landauf, landab zeigten die Narren Solidarität mit den kriegsführenden Amerikanern. Ob dies heute wieder so entschieden würde, da ist Polok skeptisch. "Damals lief in der ganzen Gemeinde kein einziger Zug, und in New Orleans wurde gefeiert ohne Ende", erinnert er sich. Oswald Staudt selbst hätte vermutlich anders entschieden als die Vereinsgemeinschaft, glaubt der Heimatvereins-Vorsitzende - ganz nach dem Motto "The Show must go on".