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Traumschleifchen Butzel-Kewes-Weg in Gonzerath eröffnet

Freizeit : Das erste Traumschleifchen in Morbach: der Butzel-Kewes-Weg

Wie weit kann ein Bürgermeister springen? Wie ein Mäuschen, ein Reh oder gar ein Hirsch? Das probiert der Morbacher Gemeindechef Andreas Hackethal aus. Gelegenheit dazu gibt ihm die Tiersprunganlage auf dem neu angelegten Traumschleifchen Butzel-Kewes-Weg in Gonzerath.

Bei der offiziellen Eröffnungsfeier am 1. Mai landet Hackethal mit einem großen Satz zwischen den Schaubildern von Fuchs und Wildschwein. Ähnliche Weiten springen der Gonzerather Ortsvorsteher Christoph Steinmetz und Ralf Linn, Vorsitzender des Heimatvereins Gonzerath. Kaum ist Hackethal gelandet, steht ein Mitglied des Heimatvereins an der Sprunggrube in einem Fichtenwald und montiert eine neue Tafel mit dem Konterfei Hackethals, so dass jeder sieht: So weite Sprünge macht der Morbacher Bürgermeister.

Die Tiersprunganlage ist nur eine der Stationen auf dem Traumschleifchen Butzel-Kewes-Weg, das mit Start unterhalb des Gonzerather Sportplatzes über den Schackberg sowie Wiesen und Felder bis in den Wald hineinführt. Weitere Stationen des speziell für Familien konzipierten Rundwegs sind beispielsweise eine Panoramaschaukel, eine Rutsche, eine Station mit Holzxylofon und ein Wasserspielplatz kurz vor dem Ziel am Gonzerather Sportplatz, den Familien mit Kindern gut erreichen können, ohne die gesamte Strecke zurücklegen zu müssen.

So sind auch viele Familien zur Eröffnung gekommen. Nachdem Hackethal das Startband durchgeschnitten hat, haben sich rund 250 Menschen direkt auf den Weg über die 5,2 Kilometer lange Strecke gemacht. Doch hört der Andrang nicht auf. Auch drei Stunden nach dem offiziellen Startschuss sind immer noch Massen an Menschen aus der Einheitsgemeinde und darüber hinaus unterwegs, die den Weg erkunden möchten. Zudem stehen vor der Schackberghalle Hungrige Schlange für Würstchen, Kaffee, und Kuchen: Es herrscht Volkfeststimmung pur.

„Wir wollen mit dem Traumschleifchen touristisch was erreichen, aber auch der Bevölkerung etwas bieten“, sagt Hackethal bei der offiziellen Eröffnungsrede. „Der Weg ist für unsere Kinder und unsere Familien.“ 80.000 Euro hat die Gestaltung des Butzel-Kewes-Wegs die Gemeinde gekostet, die Hälfte davon stammt aus EU-Mitteln der LAG Hunsrück zur Förderung innovativer Produkte im ländlichen Raum. Die Unterhaltung übernimmt der Heimatverein, der im Vorfeld mehr als 2500 Stunden ehrenamtlich geleistet hat. Speziell auf die zahlreichen Holzelemente entlang des Wegs weist Linn hin: Ein Mitglied aus dem Vorstand des Heimatvereins habe alle 14 Sitzgruppen entlang des Wegs selbst gebaut. Das Holz stellte die Gemeinde.

Der Anstoß für den Butzel-Kewes-Weg kam aus den Reihen des Heimatvereins Gonzerath. „Wir wollten einen Wanderweg kindgerecht aufpeppen“, sagt Linn. Aus der Zusammenarbeit mit der Morbacher Tourist-Info entsprang dann die Idee, doch das erste Traumschleifchen in der Gemeinde Morbach anzulegen – ein langwieriges Unterfangen, da die Widrigkeiten der Corona-Pandemie lange Zeit die ehrenamtlichen Arbeiten unmöglich machten.

Bleibt noch die Frage, was Butzel-Kewes bedeutet. Die Wörter stammen aus dem Jenischen, einer Händler- und Gaunersprache, sagt Linn, mit denen sich in früheren Zeiten die Reisenden in ganz Europa verständigen konnten. Butzel ist der jenische Ausdruck für Kind, Kewes der für Kopf, so dass der Weg nach einem Kindskopf benannt ist. Linn hat entlang der Strecke mehrere Schilder aufgestellt, auf denen zahlreiche jenische Wörter erklärt werden, eine Sprache, die zunehmend in Vergessenheit gerät.