Treffen alter Weggefährten
Wittlich · Zwar ist er schon seit langer Zeit Wahl-Berliner, aber seiner Heimat Wittlich bleibt Friedel Drautzburg treu. Der bundesweit bekannte Kunstsammler zeigt im Alten Rathaus über 150 Werke aus seinem Fundus. Klaus Staeck von der Akademie der Bildenden Künste kam aus Berlin angereist, um die Ausstellung zu eröffnen.
Wittlich. Elke Scheid, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Wittlich hatte hoch gepokert. Aber am Ende zahlt sich das Risiko aus. Trotz unbeständiger Wetterlage hatte sie sich dazu entschieden, die Eröffnung der Ausstellung "Kunst und Politik" mit Werken der Sammlung des in Wittlich geborenen Wahl-Berliners Friedel Drautzburg auf dem Marktplatz stattfinden zu lassen. 350 Gäste kommen - der Regen bleibt aus.
Bürgermeister Joachim Rodenkirch begrüßt den Kunstsammler mit der Nachricht, dass die Polizei in seinem Büro gewesen sei. "Jemand hat Anzeige erstattet, weil im Alten Rathaus ein Maschinengewehr sein soll," sagt der Bürgermeister. Die Erklärung: Tatsächlich hängt ein zum Kunstwerk demontiertes russisches Maschinengewehr in der Ausstellung, das der von Drautzburg geschätzte Künstler Wolf Leo aus Mecklenburg anfertigt hat. Die Polizei konnte wieder abziehen.
Drautzburgs Kunstgeschmack ist politisch. Und das bestätigt auch sein langjähriger Weggefährte Klaus Staeck, Direktor der Akademie der Bildenden Künste in Berlin, der in die Sammlung einführt. "Demokratie kommt nicht von alleine, auch die Bürger sind gefragt," sagt Staeck. Zur Person Drautzburgs, der Kunst seit den 1960er Jahren sammelt und als Gastronom Inhaber der Berliner Kultkneipe "StäV" ist, sagt Staeck: "Friedel ist der Prototyp des Einmischers. Er macht Lust auf Demokratie und Lust auf Kunst." Vor dem Hintergrund der vielen Krisen, die aktuell die Welt erschüttern, darunter die Ukraine-Krise, die Auseinandersetzungen in Palästina, gebe es auch selten so viel Ratlosigkeit, diese Brandherde auszutreten. Staeck lobte die Präsentation der Werke durch den Kurator Richard Hüttel. Im Erdgeschoss des Alten Rathauses sind unterschiedliche Arbeiten zu sehen, die Drautzburg, der viele Künstler persönlich kennt, auch manchmal selbst zeigen oder aber seine Lieblingsstücke sind. Im ersten Geschoss des Alten Rathauses hingegen sind politische Arbeiten aus den 1960/1970er Jahren über 1989 bis hin zur Gegenwart zu sehen - mit Schwerpunkt Deutschland. Darunter sind Arbeiten von Wolf Vostell, Joseph Beuys und Günther Uecker.
"Das war ein besonderer Brocken, der sorgfältig behandelt werden muss," sagt dann auch Richard Hüttel während der Podiumsdiskussion zur Sammlung von Friedel Drautzburg. Der 76-Jährige habe eine sehr umfangreiche Sammlung. Die gezeigten 150 Exponate seien nur ein Teil dieses Fundus. Drautzburg Engagement in der Kunstszene bestätigt auch Staeck: "Er war immer einer der Handelnden. Das schätze ich an dem alten Sack!" meint Staeck schmunzelnd. Und schließlich bedankt sich auch der gerührte Drautzburg für die Eröffnung der Ausstellung, vor allem für die musikalische Untermalung durch die Wittlicher Künstlerin Anne Kaftan. Dass Drautzburg sich dann noch zum immer noch schwelenden "Wittlicher Kulturstreit" äußert, verwundert in diesem Moment nicht mehr: "Geben Sie die Meistermänner nicht zurück. Es geht doch dabei um viel Geld!" empfiehlt er Bürgermeister Rodenkirch. Hintergrund sind Diskussionen um die Präsentation der Werke des verstorbenen Künstlers Georg Meistermann, dessen Familie diese der Stadt Wittlich vermacht hat.
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volksfreund.de/bilderExtra
Die Ausstellung "Kunst und Politik" im Alten Rathaus in Wittlich (Marktplatz) zeigt 150 zeitgenössische Werke politischer Kunst aus der Sammlung Drautzburg. Darunter sind Arbeiten von Günther Uecker, Gerhard Richter und Joseph Beuys. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 11 bis 17 Uhr; Sonntag, 14 bis 17 Uhr (bis 31. Januar 2015). hpl