Trickdiebe haben in Salmtal und anderen Orten der Region Kunden bestohlen.

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Ladeninhaber in der Region Trier wehren sich gegen Trickdiebe

Nach Gelddiebstählen in Salmtal sagen Geschäftsinhaber: „Die Spendensammler sind Betrüger und bestehlen unsere Kunden.“ Die Bande ist in der Region Trier unterwegs.

Von Christian Moeris

Salmtal/Trier Nutzen Betrüger in der Region um Wittlich und Trier bereits seit geraumer Zeit das Mitgefühl und die Gutherzigkeit von Kunden auf Parkplätzen vor Geschäften aus, um ihnen bares Geld aus der Tasche zu ziehen? Handelt es sich bei diesen mutmaßlichen Wohltätern, die vorgeben, selbst taubstumm zu sein und für taubstumme Kinder Spenden zu sammeln, womöglich um eiskalte Betrüger, die eine miese Maschen anwenden, um Geld zu ergaunern? Und haben diese womöglich betrügerischen Spendensammler vielleicht mittlerweile jegliche Scham verloren und sich zu dreisten Dieben weiterentwickelt, die Kunden auf den Parkplätzen direkt Geldscheine aus den Händen reißen?

Dieser Meinung ist unter anderem die Salmtaler Ladeninhaberin Anette Kort: Nach dem jüngsten Gelddiebstahl auf dem Parkplatz der VVR-Bank in Salmtal (der TV berichtete) hat die Inhaberin des Lottogeschäfts Mikado die Nase gestrichen voll. „Letzte Woche haben sie einer älteren Dame 100 Euro und einem älteren Herren, der aus der Bank kam, einen weitaus höheren Geldbetrag gestohlen. Die 100 Euro haben sie der älteren Dame auf dem Parkplatz einfach aus der Hand gerissen.“

Die Bande mutmaßlicher Betrüger sei bereits etwa seit Mai auf den Parkplätzen der Salmtaler Geschäfte wie Edeka, Lidl, der VVR-Bank und auch dem ihres Lottogeschäfts Mikado aktiv, sagt Kort. „Sie gehen vorzugsweise zu älteren Menschen, die alleine sind und Einkaufswagen schieben, oder klopfen an die Autoscheibe. Dann zeigen sie ein Schild.“ Darauf sei zu lesen, dass der Spendensammler selbst taubstumm sei und Spenden für einen wohltätigen Verein für taubstumme Kinder sammle, sagt Kort. Aber in Wirklichkeit seien diese Spendensammler gar nicht taubstumm, sagt Kort. Zudem würden diese mutmaßlichen Betrüger den angesprochenen Kunden eine Liste zur Unterschrift vorlegen, in die sie sich nach ihrer „Spende“ eintragen sollten.

„Sie schlagen hier mehrmals in der Woche auf, dann werden sie aus einem Auto herausgelassen, das in einiger Entfernung hält. Der Fahrer bleibt im Wagen. Sie zeigen den Kunden auf den Parkplätzen ihre Schilder und bitten sie um Spenden.“ Das Schauspiel dauere nie länger als 15 Minuten und maximal so lange, bis der Fahrer einen Pfiff abgebe, sagt Kort. „Wenn diese mutmaßlich taubstummen Spendensammler den Pfiff hören, laufen sie alle an die Stelle, wo der Wagen hält, steigen dort schnell ein und weg sind sie.“

Sie wisse genau, sagt Kort, dass es sich bei diesen mutmaßlichen Spendensammlern um eine „Betrügerbande aus Osteuropa“ handele. „Schon mehrere Ladeninhaber und Filialleiter hier in Salmtal – wie auch ich – haben ihnen Platzverweise erteilt und sie verscheucht. Dann haben sie uns auf einer Sprache, die ich nicht verstehe, lauthals beschimpft und uns den Stinkefinger gezeigt. Wenn sie wirklich taubstumm wären, wie sie vorgeben, dann wäre das wohl kaum möglich.“ Kort ist stinksauer. „Die zwei Diebstähle in der letzten Woche waren einfach zu viel. Für die Ladeninhaber hier in Salmtal ist die Bande ziemlich geschäftsschädigend, weil sich herumspricht, dass man hier auf unseren Parkplätzen bestohlen und betrogen wird.“

Deshalb hat sie im sozialen Netzwerk Facebook einen Beitrag zu der mutmaßlichen Betrügerbande verfasst. „Darauf haben mir Leute aus Trier, Wittlich, Bitburg, Prüm und Hetzerath geantwortet und sie sagen, dass die Bande auch dort auf Supermarktparkplätzen tätig ist.“ Die Kommentare sind auf der Facebook-Seite des Lottogeschäfts Mikado für jedermann zu lesen: „Auch beim  Norma in Hetzerath wurde für Taubstumme gesammelt. Ich habe aber nichts gegeben, da ich gemerkt habe, dass es Betrug ist“, kommentiert eine junge Frau dort beispielsweise den Warnhinweis, den Kort verfasst hat. „Die waren auch schon in Wittlich am DM und Action-Markt“, schreibt eine andere Frau.

Die VVR-Bank warnt ebenfalls in den sozialen Netzwerken: „Derzeit sind in unserer Region betrügerische Spendensammler unterwegs. Sie sprechen auf öffentlichen Plätzen oder vor Einkaufsmärkten bevorzugt ältere Menschen mit dem Vorwand einer Spendensammlung an“, schreibt die Bank. „Dabei erschleichen sie sich Geld durch das Vortäuschen des Spendenzwecks.“ Außerdem würden die Täter versuchen, die Passanten durch geschicktes Ablenken zu bestehlen. „Es wurden bereits mehrere Vorkommnisse gemeldet, unter anderem in Salmtal und Wittlich.“ Kort sagt, mehrere Geschäftsinhaber und Filialleiter hätten bereits auch die Polizei über die Machenschaften dieser „Spendensammler“ informiert. Kort: „Aber die Polizei ist machtlos.“

Polizei Der TV hat die Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier um eine Stellungnahme gebeten. Sind die Beamten gegenüber dieser mutmaßlichen Betrügerbande wirklich machtlos? „Wir hatten diese Fälle auch schon in Trier und anderen Orten in der Region“, erklärt Karl-Peter Jochem, stellvertretender Leiter der Pressestelle. „Alleine der Umstand, dass sie Spenden sammeln, erfüllt aber keinen Straftatbestand. Erst wenn  es uns gelingt, einen Geschädigten ausfindig zu machen, können wir ermitteln.“ Das sei bislang allerdings erst in einem einzigen ähnlich gelagerten Fall gelungen, sagt Jochem. „Es ist schwierig, diesen Betrug nachzuweisen.“ Durch Polizeikontrollen in der Trierer Fußgängerzone seien diese „Spendensammler“ von dort allerdings verdrängt worden. Jochem: „Heute sind sie hier, morgen sind sie woanders.“ Ob es sich bei den derzeitigen „Spendensammlern“ in der Region um Wittlich allerdings um die ehemals aus Trier verscheuchte Bande handelt, ist unklar. Die „Spendensammler“ in Salmtal seien ebenfalls bereits von Beamten kontrolliert worden, sagt Jochem. „Wir finden aber keine Geschädigten mehr, die Geld gespendet haben.“ Die Polizei rate, diesen „Spendensammlern“ aus dem Weg zu gehen, sich ablehnend gegenüber diesen Leuten zu verhalten und in deren Gegenwart bloß „kein Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen“. Wer von ihnen angesprochen werde, solle sofort die Polizei rufen, sagt Jochem, „denn sonst sind sie ein paar Minuten später schon weg“.

Mehr von Volksfreund