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Trierer Julius Emmerich war Architekt wichtiger Bauten in Berlin

Architektur : Ein Moselaner prägt die Berliner Baukunst

Der gebürtige Trierer Julius Emmerich (1834-1917) war als leitender Architekt an der Errichtung wichtiger historischer Bauten in Berlin beteiligt. Darüber hinaus zeichnete der bedeutende Baumeister für die Planung mehrerer Filialen der Deutschen Reichsbank verantwortlich.

Sieben mächtige Steinsäulen zieren die pompöse Fassade der früheren Nebenstelle der Kaiserlichen Reichsbank in der Trierer Christophstraße. Erbaut wurde der sogenannte „Geldtempel“ im Zeitraum von 1901 bis 1903 unter der Federführung des vor Ort geborenen Architekten Julius Adolf Ferdinand Emmerich. Der damalige Leiter des Berliner Reichsbankbaubüros war einst für die Errichtung zahlreicher Niederlassungen der Zentralnotenbank des Deutschen Reiches verantwortlich. Zudem plante er in Zusammenarbeit mit dem entwerfenden Architekten Maximilian Hasak den Bau der vor rund 125 Jahren vollendeten Erweiterung der ehemaligen Reichsbank-Hauptverwaltung in Berlin.

Die berufliche Karriere des am 22. April 1834 geborenen Sohnes der Stadt Trier begann 1853 mit einem Studium zum Bauführer an der Berliner Bauakademie. Dort wurde Emmerich von der Arbeit des Architekten Johann Heinrich Strack und der Lehre des Kunsthistorikers Karl Bötticher geprägt. Bereits um 1858 wirkte der frühere Moselaner als Mitarbeiter Stracks am Umbau des Berliner Kronprinzenpalais mit. 1861 erhielt der aufstrebende Baukünstler ein Reisestipendium und den Schinkelpreis des Architekten-Vereins zu Berlin für den gelungenen Entwurf eines Theatergebäudes.

Nach dem Abschluss des Staatsexamens arbeitete Emmerich mehrere Jahre als preußischer Land-Baumeister in Düsseldorf. Im Rahmen seiner kreativen Arbeit errichtete er unter anderem öffentliche Gebäude und herrschaftliche Villen in seiner alten Heimat Trier und im nahegelegenen Saarland. Dort leitete der begabte Architekt im Jahr 1865/1866 die Bauausführung des Saarbrücker Casino-Gebäudes, dem heutigen Sitz des saarländischen Landtags.

Um 1870 zog der gebürtige Trierer in die frühere Reichshauptstadt Berlin, wo er zunächst das Amt des Bauinspektors antrat. Während der einstigen Blütezeit der preußischen Hochbauverwaltung übernahm Emmerich unter anderem die Bauleitung bei der Erweiterung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten sowie beim Umbau des Preußischen Abgeordnetenhauses. Darüber hinaus wirkte der spätere Regierungs- und Baurat an vielen weiteren historisch bedeutsamen Bauprojekten entscheidend mit. Zu den bekanntesten Berliner Bauwerken, die im Zeitraum 1880 bis 1894 unter seiner amtlichen Leitung errichtet oder umgebaut wurden, zählen das Pergamon- und das Kaiser-Friedrich-Museum, das Völkerkundemuseum, das Kultusministerium sowie Gebäude der Akademie der Bildenden Künste und Bauten im Botanischen Garten.

Neben seiner Arbeit in der Ministerial-Baukommission war der begnadete Architekt ab den frühen 1880er Jahren im Auftrag der Deutschen Reichsbank tätig. Außerdem engagierte er sich einst als Vorstandsmitglied im ehemaligen Architekten-Verein zu Berlin. Darüber hinaus gehörte der erfahrene Baumeister seit 1886 der Preußischen Akademie des Bauwesens an. 1891 wurde dem hochrangigen Baubeamten der Titel „Geheimer Baurat“ verliehen. Für seine beruflichen Verdienste erlangte er zudem die Auszeichnung der Ehrendoktorwürde. Obwohl Emmerich 1904 seinen offiziellen beruflichen Ruhestand antrat, blieb er noch ein weiteres Jahrzehnt als treuer Mitarbeiter der Deutschen Reichsbank verbunden.

Foto: Markus Philipps. Foto: TV/Markus Philipps

Am 30. September 1917 starb der renommierte Berliner Architekt im Alter von 83 Jahren in seiner Wahlheimat Zehlendorf. Sein langjähriger Kollege Maximilian Hasak würdigte das Lebenswerk Emmerichs in einem Nachruf der Fachzeitschrift „Zentralblatt der Bauverwaltung“ vom 20. Oktober 1917. Darin heißt es unter anderem: „Mit ihm geht einer der letzten Künstler der „Berliner Schule“ dahin, die das hellenische Vermächtnis Schinkels treu gepflegt und der Berliner Baukunst ihren eigenartigen Stempel aufgeprägt haben.“