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Trio wegen Drogen vor Gericht, Hauptverdächtiger Messer unter Sitz

Prozess am Landgericht : Auf Drogenverkaufs-Tour zwischen Wittlich und der Mosel

Prozessauftakt vor dem Landgericht – zwei von drei Angeklagten schon am ersten Tag voll geständig.

() Möglicherweise fünfstellige Einnahmen aus An- und Verkauf von Cannabis in großen Mengen – wegen dieser und ähnlichen Anklagepunkten müssen sich drei junge Männer vor der Vierten großen Jugendkammer des Landgerichts Trier verantworten. Schon kurz nach Verhandlungsauftakt warten die Angeklagten H. (25) und A. (21) mit vollen Geständnissen auf. Klar nachgeholfen hatte der Antrag der Verteidiger auf ein verfahrensverkürzendes Rechtsgespräch zwischen der Kammer, Staatsanwältin Stephanie Mat-
thies und den Verteidigern Thomas Roggenfelder, Michael Angele und Otmar Schaffarczyk. Das Ergebnis: Für H. eine Bewährungsstrafe von mindestens acht Monaten bis maximal einem Jahr und zwei Monaten Haft, für A. sechs Monate bis maximal ein Jahr auf Bewährung. Nur beim Hauptangeklagten L. (23) liegt der Fall nicht so klar. Er kritisiert einige auf ihn bezogenen Punke in der Anklage als so nicht zutreffend. Den per Rechtsgespräch angebotenen Strafrahmen von mindestens drei Jahren und vier Monaten bis höchstens vier Jahren und sechs Monaten Haft lehnt er über seinen Verteidiger Angele ab. Und dem wird die Kammer in den nächsten Sitzungen zunächst nachgehen müssen. 

Alle drei jungen Männer stammen aus dem Raum Bernkastel-Wittlich, wo sie laut Anklage auch von März bis Dezember 2020 ihr illegales Tätigkeitsfeld gefunden haben sollen.

Straferschwerend könnte im Fall des Angeklagten L. hinzukommen, dass bei einer zufälligen Verkehrskontrolle am 2. Dezember in seinem Auto nicht nur „Handelsware“, sondern auch ein griffbereites Messer unter seinem Fahrersitz gefunden wurde. Außerdem wird L. alleine beschuldigt, mehrfach mit Amphetaminbasen (Rohstoffen) im Literbereich gehandelt zu haben. Das aber bestreitet er und sagt, er sei stattdessen von einem schon Verurteilten aus der Szene zu Unrecht damit belastet worden. Und zwar aus Rache.

L. befindet sich als einziger der Angeklagten in Untersuchungshaft.

Die Familienverhältnisse, aus denen die drei jungen Männern stammen, könnte man als „durchwachsen“ bezeichnen. Nicht im untersten Bereich, aber auch nicht immer ideal. Alle haben Hauptschulabschluss, es gibt abgebrochene Lehren aber auch sehr gute Ansätze in anderen Jobs, etwa in Wittlicher Fabriken. H. spricht von einer guten Anstellung derzeit und hofft auf einen Einstieg in die Versicherungsbranche.

Die Erkenntnis, dass Drogenhandel der falsche Weg zum schnellen Reichtum sein könnte, ist offenbar bei allen durchgedrungen. Einsicht besteht auch über den eigenen Drogenkonsum, den alle inzwischen ablehnen.

So meint etwa der Angeklagte L., der auch schon mal Kokain konsumiert hatte, dass es „mir durch den Entzug in der Haft physisch besser geht, ich aber noch dran arbeiten muss“. Er habe da auch schon Termine mit der Drogenberatung.

Die Verkehrskontrolle am 2. Dezember 2020 (siehe oben) war der Schlusspunkt einer umfangreichen Verkaufsrundreise im Raum Bernkastel-Wittlich. Ein Polizeibeamter erinnert sich als Zeuge: „Auf der Straße zwischen Longkamp und dem Bernkasteler Tunnel fuhren wir auf einen älteren Golf auf, den haben wir dann angehalten.“ Warum man gerade diesen Wagen gestoppt habe, will der Vorsitzende Richter Matthias Meyer wissen. Antwort: „In solchen älteren Fahrzeugen sitzt oft eine bestimmte Klientel, da wollten wir mal nachschauen.“

Diese Nachschau scheint sich gelohnt zu haben. Zu Tage gefördert wurden L., A. und H., dazu im Gepäck noch Cannabis, ein vierstelliger Geldbetrag und das Messer. Noch mehr „Stoff“ und Geld fanden sich später in der Wohnung von L.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 22. Juni, 9 Uhr, am Trierer Landgericht fortgesetzt.