Trommeln und Trubel

BERNKASTEL-KUES. Hochherrschaftliches Gepränge vor historischer Kulisse: Der stimmungsvolle Start des "Weinfestes der Mittelmosel" in Bernkastel-Kues hätte kaum gelungener sein können.

Mitten auf dem neuen Karlsbader Platz geben sich edle Damen und vornehme Herren in samtenen Gewändern die Ehre. Vor historischer Kulisse lassen sie den goldenen Rebensaft aus gleichfarbigen Kelchen in ihre Kehlen fließen. Mit den Edlen der "Cusanus-Tanzgruppe" tummeln sich der Fanfarenzug der "Bernkasteler Bürgerwehr", Trommler- und Trompetencorps "Landshuter Ritterschaft" sowie Pfadfinderschaft St. Georg Bernkastel auf dem Platz herum. Kein Zweifel: Im 100. Jahr ihres Bestehens ist es der Doppelstadt gelungen, sich von ihrer prächtigsten Seite zu zeigen.Stadtbürgermeister rechnet mit Besucher-Rekord

Stadtbürgermeister Wolfgang Port rechnet daher mit einem neuen Besucher-Rekord. Denn, so wandte sich Port an das Volk, das sich auf dem Karlsbader Platz drängte: "Dieses Weinfest ist mehr als ein Weinfest - es ist ein populäres Winzerfest und für viele ein Muss." Mancher spreche sogar vom Höhepunkt des Jahres. Zu verdanken sei dies den Mosel-Winzern, hob "Mosella" Catherina I. deren Einsatz hervor: "Seit Jahren erhalten sie ein altes Kulturgut, den Wein." Daher gelte ihnen wie den Standbetreibern der Weinstraße ihr herzlicher Dank. Nach moselländischen Dauerbrennern von Sänger Wolfgang Fritzen machen sich die Honoratioren dann auf zur Weinstraße - denn auch das dortige Volk will begrüßt sein. Doch während die Herrschaften unterwegs sind, wandelt sich auf dem Karlsbader Platz die Stimmung - allerdings unplanmäßig, wie Tourismus-Chefin Sylvia Westermann tags darauf kommentiert. Anlass für den Stimmungswechsel war der Auftritt einer Sängerin, die nicht im Programm angekündigt war. Dass sie Lieder in "Ballermann-Atmosphäre" gesungen habe, sei durch den Zuspruch von Besuchern zu Stande gekommen, sagte die Tourismus-Chefin. Sie persönlich habe die Frau vorher nicht singen gehört und wolle damit auch nicht in Verbindung gebracht werden. Das Geschehen liege auch nicht im Verantwortungsbereich der Stadt, ergänzte Westermann. Zwar habe es auch viele Besucher gegeben, die gefunden hätten, das sei doch lustig gewesen. Doch, an die Adresse derjenigen gewandt, die den Auftritt mit Buh-Rufen und Pfeifen quittiert hatten, betont Westermann: "Das tut mir leid, und ich entschuldige mich für diese Darbietung herzlich." Den Besuchern, die sich derweil in der Weinstraße drängten, blieb der Trubel am Karlsbader Platz verborgen. Laurens und Ans Gelijsteen aus dem holländischen Baarn genossen den Abend. Dass sie das Weinfest zum zweiten Mal besuchten, liege am Wein und der gemütlichen Atmosphäre in Bernkastel-Kues. Die Dänen Aase und Björn Willadsen sind schon zum dritten Mal dabei. Und das - trotz Unterkunft in der Graacher Schäferei - zu Fuß. Deshalb hätten sie ja ihre Spazierstöcke mit, schmunzelte Björn.